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Ali Damar kandidiert im Wahlkreis 203 für Die Linke

Tritt für Die Linke an: Ali Damar hat türkische Wurzeln und setzt sich für den sozialen Ausgleich ein. TV-Foto: Hans-Peter Linz
Tritt für Die Linke an: Ali Damar hat türkische Wurzeln und setzt sich für den sozialen Ausgleich ein. TV-Foto: Hans-Peter Linz
Wittlich. Seine ersten politischen Erfahrungen hat er im Untergrund gemacht. Ali Damar war in seiner Heimat in der verbotenen türkischen sozialistischen Partei. Nun ist er Stadtrat in Wittlich und geht bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 203 für Die Linke ins Rennen. Hans-Peter Linz

Wittlich. Der aus der Türkei stammende Ali Damar hatte es in seinem Werdegang als Politiker nicht gerade einfach. 1970 wurde er in einem Dorf in der Provinz Adiyaman in der Türkei in der Nähe der Grenze zu Syrien geboren. Schon früh interessierte sich Damar für die Politik. Er war das dritte Kind einer insgesamt elfköpfigen Familie und besuchte die Grund- und Realschule von 1976 bis 1983. Anschließend begann er eine Lehre als Restaurantfachmann.
1980 erlebte Damar einen Militärputsch. "Es gab Ausgangsverbot, die Tiere sind uns auf der Weide deshalb verhungert. Einmal sind wir trotzdem raus und sind vom Militär erwischt worden. Die haben uns verprügelt. Das kann ich nie vergessen," erinnert er sich. Damar trat schon 1988 in die damals verbotene sozialistische Partei der Türkei ein. Er lehnte radikale Systeme ab. "Das war nicht einfach," erinnert sich Damar, der inzwischen seit 20 Jahren in Deutschland lebt und als Produktionsmitarbeiter in einer Fensterbaufirma beschäftigt ist. 2002 trat er deshalb auch in die SPD ein und war auch im Vorstand tätig bis zum Jahr 2008. Dann war er mit dem Kurs der Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder nicht mehr einverstanden. "Das ging am sozialen Ausgleich vorbei", sagt er rückblickend und begründet damit seine Entscheidung, zu den Linken zu wechseln, wo er schließlich sein politisches Zuhause gefunden hat. Als Mitglied dieser Partei wurde er 2009 auch in den Stadtrat in Wittlich gewählt.
Damar setzt sich auch besonders für Mitbürger mit Migrationshintergrund ein, ist daher auch in den Beirat der Stadt für Migration und Integration gewählt worden. Vier Dinge sind ihm in seinem Leben wichtig, erzählt der Vater von zwei Kindern. Er habe kein Vertrauen in Menschen, die nur an sich denken und Gewalt anwenden. Arbeitsmoral und Ehrlichkeit seien wichtige Tugenden. Ihm bedeutet es viel, in seinem Leben vieles zu machen. Und - sein viertes Credo - auch unter schwierigen und steinigen Voraussetzungen will er Lösungen finden, sowohl in politischen wie in sozialen Fragen. Und an diesem Punkt lässt Damar auch in seine Sicht der Gesellschaft blicken. "Die Grenzen in unserer Gesellschaft verlaufen nicht zwischen den Kulturen, sondern zwischen Arm und Reich", sagt er und bemängelt, dass es zu wenig Mittelstand gebe.
Damar wünscht sich, dass mehr Migranten versuchen, in der Politik mitzuarbeiten. "Man müsste mehr Migranten dazu bringen, in die Politik zu gehen, ich will denen zeigen, dass das geht", sagt er. So kämpft er für Fußgängerbrücken, eine Städtepartnerschaft mit einer türkischen Stadt und mehr Berücksichtigung von Migranten. Bei Damars politischer Karriere helfen auch Frau und seine zwei Kinder mit. "Ich habe mit meiner Frau und meinen Kindern 14 000 Flyer verteilt, erzählt Damar.
In Wittlich ist er sportlich aktiv, hat vor kurzem beim ersten Firmenlauf der Stadt mitgemacht. Vier bis sieben Mal geht er in der Woche laufen und bewältigt dabei Distanzen bis zu zehn Kilometern. Zum Entspannen geht er gerne in seinen Garten, in dem er Bohnen, Petersilie und natürlich türkische Paprika anbaut.Extra: Wahlergebnis

Für Die Linke ist in der vorigen Bundestagswahl (2009) Hanna Bettina Stratmann angetreten. Sie erzielte 6,9 Prozent der Erststimmen und 8,2 Prozent der Zweitstimmen. Damit konnte Die Linke ihr Ergebnis gegenüber den Bundestagswahlen 2005 verbessern (4,6 Prozent der Zweitstimmen).Extra: Wahlkreis 203

Der Bundestags-Wahlkreis 203 trägt den Namen Bitburg. Er umfasst allerdings außerdem neben dem Eifelkreis Bitburg-Prüm den Landkreis Vulkaneifel und den Nordteil des Landkreises Bernkastel-Wittlich mit der Stadt Wittlich und den Verbandsgemeinden Kröv-Bausendorf, Manderscheid und Wittlich-Land. Bei der Bundestagswahl 2009 gab es im Wahlkreis knapp 170 000 Wahlberechtigte. In den Wochen bis zur Wahl am 22. September stellen wir alle Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien vor, die im Wahlkreis 203 mit der Erststimme gewählt werden können. lars


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