1. Dossier

Alte Herren und Feuerteufel

Alte Herren und Feuerteufel

Ring-Tagebuch, der Samstag, Teil 1: Mit The Prodigy als großen Versöhnern, dem bestens aufgelegten Jan Delay und der rundum überzeugenden Ska-Legende Madness. Dazu gibt’s Eindrücke von den White Lies, Bloc Party oder Biffy Clyro.

So jung wie am Samstagabend habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Und so alt wie heute noch nie. Gestern war Durchtanzen angesagt, inklusive Pogo, zugegeben: in der Lightversion: Gestoßen werden: ja, selbst die Ellbogen ausfahren: nein. Ich muss ja auch als den Altersschnitt hebender Rock-am-Ring-Besucher dahin gehen, wo es weh tut (Ich meine nicht die Dixi-Klos). Am Samstagabend hieß das konkret: Bei The Prodigy vorne ins Getümmel gehen. Da gibt es gleich „Breathe“ ziemlich zu Beginn – und dann geht das auf vergleichbarem Breakbeat-Niveau weiter. Schön, dass da die neuen Sachen so klingen als wäre immer noch 1996: Da passen neue Stücke wie „Omen“ oder „Invaders must Die“ bestens zu den alten Klassikern wie „Smack my Bitch up“ oder „Voodoo People“. Und Maxim Reality lobt nach jedem Stück seine "Warriors". Genau, meine Worte: Don't mess with the warrior of the Trierer Regionalzeitung, bastard! Die Stimmung ist bei Prodigy von Beginn an bestens – und sie bleibt es auch über die komplette Spielzeit. Die Bilanz: Ein paar Ellbogen an den Rippen, ein fetter Sound – und endlich sehen die „Chuck’s“ auch mal nach verregnetem Festival aus und nicht mehr nach Herumlungern in der Presse-Lounge. Meine erste Band des Tages waren White Lies, die auf der Alternastage vor noch überschaubarem Publikum spielten: Die Briten standen in der Heimat kürzlich noch auf Platz 1 – auch dank der Hits wie „Death“ oder dem großartigen „Unfinished Business“. Vergleiche mit Editors sind erlaubt, die mit Joy Division aber nicht: Die White Lies sind längst nicht so düster, längst nicht so morbide, wenn sie vom Tod klingt das alles weniger bedrohlich als wenn Grönemeyer über Liebe singt. Ganz ordentlicher Auftritt, der allerdings unter einigen Stimmproblemen des Sängers Harry McVeigh litt (vor allem in den hohen Lagen bei „Farewell to the Fairground“). Später gab es auf der Alternastage für viele einen echten Überraschungseffekt: Die britische Ska-Legende Madness gibt es schon seit 1976. Auch die Über-Single „Our House“ ist schon 27 Jahre alt – und damit um einiges älter als der Durchschnitts-Ringrocker 2009. Die alten Herren des Ska reißen aber auch die jüngeren mit: Gute Stimmung zu wehenden Union-Jacks. Ein echtes Vergnügen! Wie es nach The Prodigy weiterging, folgt gleich in Teil 2. Andreas Feichtner