1. Dossier

Am Anfang war das Palatiolum der Römerkaiser

Am Anfang war das Palatiolum der Römerkaiser

So viel geballte Historie auf engem Raum gibt es in Trier sonst nur in der Altstadt: Pfalzel ist ein überaus geschichtsträchtiger Stadtteil. Und auch hier legten die Römer den Grundstein.

Trier-Pfalzel. Zu den Kindheitserinnerungen vieler Trierer zählen die Fahrten mit dem "Pfalzeler Bötchen": Mit dem Personenschiff von Zurlauben fünf Kilometer moselabwärts nach Pfalzel mit Einkehr in der Klosterschenke - und schon war das Familienausflugsvergnügen perfekt. Und viele dieser Trierer waren öfter in Pfalzel als auf der Porta Nigra. In punkto historischer Bedeutung müssen sie sich im Nachhinein keine Vorwürfe machen. Der einstige Vorort blickt auf eine extrem spannende Geschichte zurück. Und deren Anfänge stehen in engem Zusammenhang mit der Historie der römischen Kaiserstadt Treveris.
Die sah sich im vierten Jahrhundert zunehmend Germanenüberfällen ausgesetzt. Also wurde an strategisch günstiger Lage eine Festung an der Fernstraße Trier-Wittlich-Mayen errichtet. Sie lag in direkter Sichtverbindung zur Stadt und bot einen guten Überblick über die Talweite. Wer der Bauherr war - einer der Söhne Konstantins oder sein Neffe Julian - , darüber streiten die Gelehrten noch. Als sicher gilt aber, dass die Kaiser Valentinian I. (Regierungszeit 364 bis 375) und Gratian (375 bis 383) das Bollwerk zum "Palatiolum" (kleine Pfalz) ausbauen ließen, zum kleinen wehrhaften Palast, der Triers letzter Kaiserdynastie als Sommerresidenz diente. Für den Fall, dass es doch zu gefährlich wurde und ein Rückzug in die mit einer sechseinhalb Kilometer langen Mauer gesicherten Stadt ratsam erschien, stand dem kaiserlichen Hof eine exklusive Schnellverbindung auf die andere Moselseite zur Verfügung. Uni-Geschichtsprofessor Lukas Clemens (53), damals noch als Archäologe in Diensten des rheinischen Landesmuseums, wies in den 1990er Jahren die Existenz einer in der Mitte des vierten Jahrhunderts errichteten Eichenholzbrücke in Höhe von St. Jost (Biewer) und dem Verteilerkreis Nord nach.Nonnenkloster im Ex-Palast


Die Römer gingen, das Palatiolum blieb. Es ist der Grundstein und der Namensgeber Pfalzels. In dem weitläufigen Komplex entstand um 700 ein Benediktinerinnenkloster, das Erzbischof Poppo (1016 bis 1047) in ein Stift ohne Ordenszugehörigkeit umwandelte. Der Stiftsbering erhielt Torhaus, Kreuzgang, Kapellen und Wirtschaftsgebäude. Triers Erzbischöfen diente die repräsentative Anlage als "Trutz- und Kampfresidenz" der Trierer Erzbischöfe. Ex-Palatiolum sowie Klosterkirche und mittelalterliche Anbauten bildeten den Kern eines nun ausgedehnten Ortes mit festen Verteidigungsanlagen.
Ab 1346 durfte sich Pfalzel gar Stadt nennen. Allerdings waren mit dem Sammelprivileg König Karls IV. für Triers Kurfürst Balduin (1307 bis 1354) lediglich "Stadtrechte light" verbunden. Das Sagen im Trierer Land hatten weiterhin die Kurfürsten, die zugleich Erzbischöfe wie auch weltliche Herrscher waren. Die Pfalzeler Wallmauer, ein gemäß Albrecht Dürers Befestigungslehre errichteter Komplex mit sechs Bastionen, wurde 1673 von französischen Truppen weitgehend zerstört. Erhalten blieb die Moselbastion, heute mit das meistfotografierte Stück Pfalzel. Apropos Stadtrechte: Seit 45 Jahren ist Pfalzel "Stadt", wenn auch wider Willen. Die Zwangseingemeindung nach Trier am 7. Juni 1969 war auch durch den Zusammenschluss mit Ehrang zu einer Großgemeinde im Jahr zuvor nicht zu verhindern.
Mehr über die bewegte Geschichte des Stadtteils und seine teils noch aus der Antike stammenden Sehenswürdigkeit kann man bei Führungen erfahren, die der gebürtige Pfalzeler Jo Dietzen (68) anbietet. Nächster Termin: Sonntag, 6. Juli, 15 Uhr, Treffpunkt Moselbastion (neben Klosterschenke). Ab 12. Juli finden die 90-Minuten-Touren samstags und sonntags jewiels ab 15 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 3 Euro pro Person (die Hälfte geht an den Verein Pro Pfalzel); Anmeldung ist nicht erforderlich.Extra

Lesermeinung: Bei der Stadtteiltour ist auch die Meinung der Leser gefragt: Wie lebt es sich in Pfalzel? Was ist schön, woran fehlt es? Schreiben Sie uns an echo@volksfreund.de (bitte Namen und Anschrift nicht vergessen). TV vor Ort: Der TV besucht im Rahmen der Stadtteiltour am Sonntag das Spielesplatzfest in Pfalzel. TV-Maskottchen Lucky, die Leseratte, hat die Hüpfburg für Kinder mit im Gepäck sowie das große Jahresgewinnspiel. ...und Morgen lesen Sie im Rahmen der Serie ein Porträt eines eiferigen Pfalzeler Sammlers. red