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Archiv 2009: 19 Bands und ein buntes Wunderwesen

Archiv 2009: 19 Bands und ein buntes Wunderwesen

Nicht die Namen der Bands zählen, sondern die Qualität - mit diesem Konzept fährt das Lott-Festival seit Jahrzehnten gut. Es hat sich mit Bands wie "Kiemsa" und "Ebony Bones" auch vergangenes Wochenende bewährt.

Raversbeuren. (kah) Es wäre albern zu behaupten, die Bands hätten dem Publikum beim Lott-Festival eingeheizt. Dafür hat die Sonne gesorgt. Die 19 Bands haben sich darauf beschränkt, die rund 7000 ohnehin schon sehr zufrieden dreinschauenden Festival-Gäste noch glücklicher zu machen. Mal ruhiger, mal härter, mal grungeig, funkig, ethno-swingig Mal um die Leute sanft in ein Nachmittagsnickerchen zu wiegen. Mal um sie wie die Band "Kiemsa" begeistert im Rhythmus der Musik mitspringen zu lassen. "Kiemsa" war zweifellos neben "Ebony Bones" einer der Höhepunkte des Samstagabends: Die sieben Jungs aus Frankreich brauchten keine zehn Minuten, um die seit Tagen währende Gemütlichkeit aus der Festwiese rauszuprügeln. In schwarzen Anzügen, weißen Schuhen, mit spitzen Iros, französischen Texten und einem ebenso harten wie wilden Mix aus Punk, Ska, Rock'n'Roll und Trompetenklängen entfesselte Kiemsa in den vorderen 50 Reihen eine Party, die die Trägheit des heißen Sommertages vergessen machte.

Weitertanzen hieß es bei den schwer definierbaren funkigen Afro-Disco-Rhythmen von "Ebony Bones" (Foto), auch wenn das die Gefahr mit sich brachte, wertvolle Sekunden der schrillen Bühnenshow zu verpassen. So mancher mag sich daher darauf beschränkt haben, diese Frau anzustarren. Dieses hüpfende, bunte Wunderwesen aus London, von dem die Feuilletons seit kurzem so schwärmen. Schon ihre Mimik würde reichen, die Bühne zu füllen. Riesige Augen, schwarz umrandet, blitzen mal strahlend mal böse unter einem ewig wippenden Lockenkopf hervor. Zweifellos eine exzentrische Lady. Eine Lady, die es nicht mag, wenn Mikrofonkabel festklemmen oder Bierfässchen auf der Bühne landen. Dann wird der Blick noch ein bisschen böser und mit einem kräftigen Tritt fliegt das Bierfässchen dahin zurück, wo es herkam. Ob sie wegen des Fässchens beleidigt war? Ob sie einfach noch am Anfang ihrer Karriere steht und nicht mehr Lieder auf Lager hat? Oder ob es einfach so kurzweilig war, ihr zuzusehen, dass die Zeit zu schnell verging? Die Zuschauer hatten jedenfalls noch nicht verstanden, was da über sie hineingebrochen war, da war es auch schon wieder vorbei. Flehen vergebens.

Schade, aber kein Grund zu meckern. Hat doch das Lott-Festival auch 2009 sein Ziel erreicht, nicht mit Namen, sondern mit richtig guten Bands zu trumpfen.