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Archiv 2009: Raversbeuren: 7000 feiern friedlich beim Lott-Festival

Archiv 2009: Raversbeuren: 7000 feiern friedlich beim Lott-Festival

Seit mehr als 30 Jahren ist es eine Institution: Das Lott-Festival in Raversbeuren (Rhein-Hunsrück-Kreis). Rund 7000 Menschen sind auch dieses Wochenende in den Hunsrück gekommen.

Die Leute sitzen auf bunten Picknickdecken, blinzeln in die Sonne, trinken einen Schluck, blinzeln noch mal in die Sonne, lachen, halten ein Schwätzchen und bei Bedarf ein Nickerchen, nehmen noch einen Schluck und wippen mit ihren nackten Zehen im Takt der Musik. Die Musik ist schön. Das Leben auch.

Seit 32 Jahren sorgt das Lott-Festival in Raversbeuren nun schon für sommerliche Tiefenentspannung – eine Kur, der sich auch dieses Jahr wieder rund 7000 Menschen unterzogen haben. Und sie wirken sehr zufrieden.

Nur zum Tanzen ist es viel zu heiß. Obwohl es den ehrenamtlichen Organisatoren gelungen ist, auch für den Nachmittag ein Musikprogramm zusammenzustellen, das durchs Ohr direkt in die Beine geht, bleiben die Leute unter ihren Sonnenschirmen liegen und gießen sich ab und an ein bisschen Wasser über den Kopf. Hochsommer im Hunsrück.

Heiß geht es auch an dem einzigen Ort zu, wo ein bisschen Schatten ist: Die Grillhütte im Wald ist Schauplatz der Salsa-Party. Ein Latino mit Hut und nicht wegzudenkendem Lächeln bringt Lott-Besuchern den richtigen Hüftschwung bei. Sie strahlen, wackeln und wirbeln wild, während mitten unter ihnen ein kahlköpfiger Rocker ebenso schwerfällig wie ungerührt von einem Bein aufs andere schwankt. Na und? Passt nicht, gibt’s nicht!

Auf dem Lott darf jeder sein. Akademiker wie Althippies, Säuglinge wie Senioren, Punker wie pubertierende Partygirls. Auf diesem Festival ist das Publikum ebenso bunt wie die bunten Tücher, bunten Kleider und der bunte Schmuck, den an den Ständen rings um den großen amphitheaterähnlichen Festivalplatz zu kaufen gibt. Und wer will, darf sich auch ausziehen. So viel nackte Haut wie in Raversbeuren gibt es sonst nur im Freibad zu sehen. Mal spannt sie sich braun gebrannt über tätowierten Muskeln, mal weiß über einem schwangeren Bauch und mal hängt sie auch schlaff und faltig. Auf der Lott darf sie das.

Die Besucher altern mit ihrem Festival. Nicht nur ein Teil der vielen Kinder, auch so mancher der anwesenden 32-Jährigen mag schon dort gezeugt worden sein. Ob es damals auch schon veganes indisches Essen gab? „Cachangas“ steht auf einem Schild des Essensstandes und es duftet köstlich. „Isch hätt’ gern datt frittiert’ Gemüs’“, sagt ein langhaariger Mann, der offensichtlich zum Stamm der Moselindianer gehört, zeigt auf die „Cachangas“ und zückt seinen bunten Geldbeutel.

Die Preise sind moderat, nicht nur für das Essen. Auch dies ist ein Markenzeichen des Lott-Festivals. Dennoch bleibt jährlich genug Erlös übrig, der für einen guten Zweck gespendet wird. „Aber hier geht es nicht nur um Geld“, sagt Ramona Gräßer, eine der vielen freiwilligen Helferinnen. Es gehe um ein schönes Wochenende im Sommer. In die Sonne blinzeln, mit den Zehen wippen, lachend das Leben genießen