1. Dossier

Atemlos durch den Tag

Atemlos durch den Tag

Ob bei zwei Stück Kuchen im Ortsverein, auf Socken in der Moschee oder klatschend beim 79:65-Sieg der TBB Trier: SPD-Kandidat Wolfram Leibe verzichtet im Endspurt seines Wahlkampfs auf große Töne.

Trier. Das Smartphone ist der treue Begleiter von Wolfram Leibe. Der Handykalender hilft dem SPD-Kandidaten im Endspurt des Oberbürgermeister-Wahlkampfs, alle Termine zu speichern, zu denen er eilt. Doch Stress scheint für Leibe im Endspurt zur Stichwahl ein Fremdwort zu sein. Er betont, er genieße es, von A nach B zu fahren, Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen.Kein Holzhammer


Das Einzige, was ihn gelegentlich stört, ist der knurrende Magen. "Ich komme gerade von einem 60. Geburtstag - und als das Essen serviert wurde, musste ich leider aufbrechen", witzelt Leibe vor SPD-Vertretern von Ehrang-Quint, als die im Bürgerhaus den Tag der Deutschen Einheit mit einem Festakt feiern. Sie lachen. Zu den Ehrengästen im Bürgerhaus gehört Malu Dreyer - das Interesse gilt aber Wolfram Leibe. Der OB-Kandidat schüttelt die Hände der Männer und Frauen an den Tischen, kauft sich zwei Stück Kuchen gegen den Hunger und singt mit dem Grundschulchor im Takt. SPD-Genossen wie Friedel Jaeger hoffen auf die große Kampfansage ihres Kandidaten: "Wolfram Leibe kann Mitarbeiter führen. Das ist von Bedeutung - das Rathaus ist kein kleiner Betrieb."
Leibe verzichtet aber auf die großen Töne. Er verspricht, gute Politik für die Gesamtstadt zu machen. Sachlich, nüchtern - ohne die Abteilung Attacke zu bedienen. "Die Welt ist zu komplex, als dass ich sie in zwei Minuten erklären könnte. Und ich bin nicht derjenige, der den Holzhammer auspackt", sagt Leibe. "Ich will die Person präsentieren, die ich bin."
So wie in der Moschee in der Luxemburger Straße in Trier-West, die er von Ehrang aus im gepanzerten Mercedes mit Malu Dreyer ansteuert. Leibe zieht am Eingang der Moschee die Schuhe aus. Das ist ein Ritual in dem Gotteshaus. So sitzen sie nun auf zwei Stühlen. Der Oberbürgermeister in karierten Socken, die Ministerpräsidentin barfuß. Den Zuhörern fällt das kuriose Bild kaum auf. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem Podium, wo Experten über den Islam, Kopftücher und die Rolle der Frau diskutieren. Auch Leibe hört zu und fragt in die Runde, wie das Islamische Kulturzentrum muslimischen Asylbewerbern helfen will. "Wir wollen Geschenke an Kinder verteilen, brauchen aber auch Leute, die bezahlt werden", klagt ein Mann. Leibe merkt sich den Satz, steht lächelnd für ein Foto zur Verfügung und trinkt nach dem Gang aus der Moschee einen marokkanischen Tee. "Ob der Besuch Stimmen bringt, weiß ich nicht. Mir geht es darum, die Geschichten der Menschen zu erfahren", sagt Leibe in dem Stadtteil, in dem zuletzt nur 18,3 Prozent aller Wahlberechtigten ihr Kreuzchen abgaben.Im Basketball-Fieber


Auch in der Arena drängt sich der 54-Jährige wenig später nicht in den Mittelpunkt. Gebannt verfolgt er das erste Saisonspiel von Basketball-Bundesligist TBB Trier, klatscht und streichelt seiner Frau Andrea über den Rücken. "Sie steigert sich so rein." Ein Fan drückt ihm die Daumen für die Wahl. TBB-Vorstand Sascha Beitzel lacht nach dem 79:65-Sieg. "Sie waren ja ein echter Glücksbringer", sagt er. Im Vip-Raum sprechen Beitzel, Leibe und der vom OB-Kandidaten geladene luxemburgische Sportminister Romain Schneider anschließend über eine Zusammenarbeit.
Dann bricht Leibe mach Hause auf. Das Smartphone zeigt die nächsten Termine an. Leibe: "Die Spannbreite an Themen ist aufregend."