Auf der Jagd nach dem Fernsehmörder

Auf der Jagd nach dem Fernsehmörder

Wissenschaftliche Präzision und ein wenig Statistik, das sind die Ermittlungstechniken des Trierer Soziologen Michael Kronenwett. Er will damit den Mörder im Fernsehkrimi "Tatort" vorhersagen. Ob das klappt? Im Rahmen des Trierer City Campus stellt er seine Forschungsergebnisse vor.

Trier. Am Ende war es doch wieder der Gärtner. Oder die heimliche Geliebte. Oder der Konkurrent aus der Firma. Oder - doch jemand ganz anders. Allzu vorhersagbar scheint die Dramaturgie des Tatort-Fernsehkrimis dann auch wieder nicht zu sein. Grund genug für den Trierer Soziologen Michael Kronenwett, sich die Sozialstruktur der Tatort-Mörder mit wissenschaftlicher Genauigkeit anzusehen.
Er braucht keine Fingerabdrücke und Zeugenaussagen, er hat ja Zahlen und Daten. Im Rahmen des Trierer City Campus wird Kronenwett seine Forschungsergebnisse vorstellen - und will vorab noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: "In den meisten Fällen lässt sich der Kreis der potenziellen Mörder durch eine soziale Netzwerkanalyse nach 60 Minuten Film ganz gut eingrenzen.

In gut der Hälfte aller Fälle ist der Täter dann auch darunter", sagt Kronenwett. Soziale Netzwerkanalyse untersucht: In welchem sozialen Umfeld lebt eine bestimmte Person? Wer kennt wen, mag wen, beeinflusst wen?
In der Soziologie werden soziale Netzwerkanalysen regelmäßig eingesetzt, um mehr über bestimmte Gesellschaftsmilieus zu erfahren. So werden zum Beispiel die Netzwerke von Abgeordneten untersucht, um zu erfahren, ob ihr Umfeld sie zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten bringt oder nicht. Kronenwett, der in Köln die Fächer Soziologie und historisch-kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung studiert hat, nahm nun die Fernsehmörder in den Blick. "Es fing damit an, dass ich selbst einige Tatorte geschaut und mich gefragt habe, ob es bei den Mördern Parallelen gibt", sagt er. 16 Tatorte haben er und drei Mitarbeiter daraufhin mit einem Programm, das sie selbst geschrieben haben, untersucht. Die Software ermöglicht es, die sozialen Beziehungen zwischen den Personen grafisch darzustellen.
Seine Studie präsentiert Kronenwett am 28. September, 19 Uhr, im Club Toni, Domfreihof.
Extra

City Campus ist eine Großveranstaltung von Universität und Fachhochschule Trier am 28. September in der Trierer Innenstadt. Es gibt neun Themenbereiche mit mehr als 150 Projekten, die eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Arbeit und der Lebenswelt der Bürger herstellen. Die Präsentation von Michael Kronenwett gehört zum Themenbereich "Krimi", der zwischen der Bundespolizeiinspektion, dem Club Toni am Domfreihof und dem Sozialgericht am Nikolaus-Koch-Platz angesiedelt ist. An historischer Stätte, dem alten Schwurgerichtssaal, laden die Juristen zur Verhandlung über die Frage ein, ob man zur Rettung eines Unschuldigen Folter einsetzen darf. Bei der Bundespolizeiinspektion in der Weberbach experimentieren die Phonetiker mit der Charakteristik von Stimmen.