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Auf Stimmenfang im Netz

Auf Stimmenfang im Netz

Internet-Auftritte von Parteien sind im Wahlkampf 2009 längst selbstverständlich. Was sich die Trierer Gruppierungen einfallen lassen, um beim Urnengang am 7. Juni möglichst gut abzuschneiden, lesen Sie im TV-Online-Test.

Wer sich in der Internet-Welt der Trierer Politik umtut, dem begegnen Online-Standards ebenso wie skurrile Besonderheiten.

CDU: "Mit ganzem Herzen für Trier" lautet das Motto auf cdu-trier.de. Kreisvorsitzender Bernhard Kaster und Fraktionschef Bertrand Adams lächeln von der Startseite unter einem Bild des Simeonstifts. In dezenten Grautönen und Orange als Akzent wird der Nutzer durchs luftige Layout geführt. Bei den Politik-Inhalten beschränkt sich die Fraktion bisher weitgehend darauf, ihre wöchentlichen Beiträge aus der "Rathaus-Zeitung" zu recyceln.

Wesentlich dynamischer geht es auf der Homepage von CDU-Stadtratsmitglied Thomas Albrecht zu (albrecht-trier.de). Der Staatsanwalt verarbeitet und kommentiert dort alle möglichen Nachrichten aus der Stadtpolitik.

Da darf auch sein eigener Rücktritt vom Vorsitz der CDU Mariahof nicht fehlen ("Ich klebe nicht an meinem Posten"). Auf volksfreund.de führt Albrecht ein ausführliches Online-Tagebuch (Blog). Den Vogel schießt er buchstäblich mit seinen Kurznachrichten über den Online-Dienst Twitter ab. Neben Erlebnissen des Alltags ("Bus verpasst so ein Mist") "zwitschert" Albrecht direkt aus Ausschuss- und Ratssitzungen Neuigkeiten, mitunter im Minuten-Takt ("Kinder bis nach vorne in den Rathaussaal vorgedrungen").

SPD: Die Seite spd-trier.de führt zum satten Rot der Stadtratsfraktion mit Chef Friedel Jaeger. Die jüngsten Gästebucheinträge stammen allerdings aus dem Jahr 2007. Termine: komplette Fehlanzeige. Erheblich frischer kommt die Parallel-Seite spdtrier.de mit der Vorsitzenden Malu Dreyer daher. Im Menüpunkt "Trier-Dialog" können Nutzer über politische Themen diskutieren. Das Forum befindet sich allerdings noch im Aufbaustadium. Jede Menge Lesestoff bietet das Wahlprogramm 2009: "Trier - da geht mehr".

Was Thomas Albrecht für die CDU, ist Sven Teuber für die SPD. Der Spitzenkandidat für den Stadtrat nutzt die Seite des Ortsvereins spdtriersued.de, um sein Leben ("Die behutsame Kindheit in Nordhorn") und seine Ziele (Trier muss sozialer und gerechter werden) vorzustellen. Auch die Adresse sventeuber.de leitet auf die SPD-Seite weiter. "Sollte als Orakel arbeiten", twittert Teuber nach dem richtig getippten 2:0 der Fußball-Nationalelf gegen Wales. "Nächste Voraussage: SPD Trier am 7. Juni stärkste Kraft im Trierer Stadtrat."

UBM: "Trier gemeinsam gestalten" lautet der Wahl-Slogan der Unabhängigen Bürgervertretung Maximini um Namensgeber und Noch-Fraktionschef Manfred Maximini. Die gelb-blaue Seite ubm-trier.de führt unter anderem zu einem interaktiven Bürgerforum mit Themen wie Verkehr, Wirtschaft und Soziales. Die Resonanz ist allerdings noch ausbaufähig: Bisher haben elf registrierte Benutzer 24 Beiträge geschrieben. Ein geradezu legendärer Rekord gelang dem UBM-Forum am 10. April 2008 um 19.35 Uhr. Damals waren vier Benutzer gleichzeitig online. Vermutlich stand die Seite kurz vor dem Zusammenbruch wegen Überlastung.

Die Grünen: Eine Sonnenblume empfängt die Nutzer von gruene-stadtrat-trier.de. Kurios: Wer beim Steckbrief von Spitzenkandidatin Anja Matatko ihr Porträtbild anklickt, sieht den Schriftzug "Sigrun Priemer". So ganz vergessen scheint die 2008 aus dem Stadtrat ausgeschiedene und aus Trier weggezogene Priemer also noch nicht zu sein.

Akkurat tabellarisch statt grünentypisch leger führt die Homepage sämliche Anfragen und Anträge, dazu ausgewählte Reden aus dem Stadtrat auf.

Offenbar noch brandneu ist das Tagebuch. Der erste von drei Einträgen der Fraktionsmitglieder stammt vom 19. März: "Schwer zu fassen", schreibt Uschi Britz über die Standort-Suche der Berufsfeuerwehr.

FDP: Kreisvorsitzender Thomas Egger hält die Fotos von sich und seiner Truppe auf fdptrier.de komplett in Schwarzweiß. Auf der Parallel-Seite rat-fdp-trier.de kommt seine blau-gelbe Krawatte besser zur Geltung. Bei dem klar strukturierten, aber wenig überraschenden Auftritt fallen am ehesten noch die Foto-Galerien mit zahlreichen weiteren Schlipsträgern auf. Die vor gut einem Jahr eingeschlafene Rubrik "Beiträge/Leserbriefe" passt zum weitgehenden Fehlen interaktiver Elemente.

Linke: Die Kreisvorsitzenden Katrin Werner und Johannes Verbeek stellen sich und ihr kleines Team auf die-linke-trier.de vor. Auf nüchternem Weiß mit roten Akzenten wirbt die junge Partei um Mitglieder und Spenden - Aufbauarbeit steht an. Aktueller Schwerpunkt: die Unterstützung des Aufrufs "Nein zur Nato, nein zum Krieg". Informationen über Trier finden sich dagegen nur spärlich.

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