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Trier: Untergang des römischen Reiches - Was die Ausstellung zeigt

Geschichte : Trierer Landesausstellung erklärt: Wie konnten Horden von Analphabeten das römische Reich bezwingen?

Noch nie hat eine Ausstellung den Verfall und Untergang des römischen Reiches zum Thema gemacht. Was drei Trierer Museen in der großen Landesausstellung zeigen, ist also Weltpremiere. Jetzt sind erste Details des Konzepts bekannt geworden.

Die Frage treibt die Menschen seit Jahrhunderten um: Wie konnte es nur passieren, dass das mächtige römische Reich an sein Ende kommt? Dass diese Weltmacht mit einer hochentwickelten Kultur, mit Theatern, Aquädukten und Fernhandel, vor Horden von Analphabeten in die Knie gezwungen wird? Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Trier, zitiert als Kernbotschaft eines „Untergang“-Forschers die These: „Ein Weltreich wird von äußeren Feinden erst besiegt, wenn es sich von innen selbst zerstört hat.“ Dass es zahlreiche Faktoren und Prozesse sind, die zum Verfall beitragen, soll die Schau in ihrem historischen Teil auf etwa 1000 Quadratmetern anschaulich machen. Zu Reuters Vortrag, in dem er gemeinsam mit Kuratorin Silva Bruder erstmals öffentlich verrät, wie sein Haus in der Landesausstellung den Untergang des römischen Reiches erklärt, haben sich online mehr als 180 Interessenten zugeschaltet.

Das Landesmuseum nimmt die politischen Entwicklungen zwischen der Mitte des vierten und dem Ende des fünften Jahrhunderts in den Blick und konzentriert sich dabei auf das Weströmische Reich, besonders die Position des Kaisers. Chronologisch erzählen die Exponate, darunter Statuen, Münzen, Schmuck und antike Dokumente, vom glanzvollen Leben in den Residenzen wie Trier, dem sich verändernden Militär, den Germanen, von der Plünderung Roms, den Bürgerkriegen, dem aufstrebenden Christentum und schließlich dem langen Ende. Ein Clou der Gestaltung: Das Licht und die Farben der insgesamt 14 Räume passen sich dem Stand des Niedergangs an. Präsentieren sich die Kaiser etwa zur Zeit Konstantins des Großen noch im weißen Glanz, erleben die Besucher die Plünderung Roms 476 bereits in alarmierendem Rot. Bis zum sprichwörtlich finsteren Mittelalter wird es weiter ziemlich dunkel. Jeder Raum wird anders und überraschend.

 So hell wie auf diesem Modell präsentiert sich der erste Raum der Landesausstellung "Der Untergang des römischen Reiches". Das Licht spiegelt den kaiserlichen Glanz am Beginn der Spätantike. Hinter dem Kopf des Mannes sieht man den Torso aus Porphyr, dem kaiserlichen Gestein, rechts die berühmte Skulptur der Tetrarchen.
So hell wie auf diesem Modell präsentiert sich der erste Raum der Landesausstellung "Der Untergang des römischen Reiches". Das Licht spiegelt den kaiserlichen Glanz am Beginn der Spätantike. Hinter dem Kopf des Mannes sieht man den Torso aus Porphyr, dem kaiserlichen Gestein, rechts die berühmte Skulptur der Tetrarchen. Foto: Rheinisches Landesmuseum Trier

Highlights der Landesausstellung „Der Untergang des römischen Reiches“

Eine ansprechende Ausstellungsgestaltung sei für deren Erfolg enorm wichtig, sagte Reuter. Zu den Highlights der 400 Exponate gehören ein Porphyrtorso aus Ravenna, ein Medaillon Konstantins aus St. Petersburg, der mit Gold überzogene Paradehelm von Berkasovo (Serbien), eine Silberschale von Kaiser Valentinian aus Genf, ein Mosaik aus Tunesien sowie Holztäfelchen aus Nordafrika.

Doch auch wenn aus vielen großen internationalen Museen Leihgaben kommen, hat Trier als Ort der antiken Kaiserresidenz auch selbst einiges zu bieten, was Rückschlüsse auf den Untergang des Imperiums erlaubt. „Wir haben selbst 1300 frühchristliche Grabinschriften in Trier, die belegen, dass hier kein kompletter Bruch stattgefunden hat“, so Reuter. Ausgewählte Stücke der hiesigen Sammlung werden deshalb auch in der Landesausstellung zu sehen sein. Zudem belegen neue Funde aus Welschbillig, welche Kontinuitäten es trotz des Niedergangs im Reich gegeben hat, wo keineswegs überall die Lichter ausgingen. Aus all den Schlachten der Spätantike hat der Trierer Antiken-Experte Lothar Schwinden eine Karte erstellt, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein wird.

Freuen können sich Interessierte schon jetzt auf den geplanten Katalog, der zur Eröffnung erscheint. 57 Autoren, darunter namhafte, auch internationale Untergang-Forscher, haben dafür Beiträge geschrieben. „Das wird ein Meilenstein in der Untergang-Forschung“, ist Reuter überzeugt. Insgesamt rechnet der Museumschef mit mehr als 100.000 Besuchern und korrigiert damit Erwartungen in der Größenordnung der Nero-Ausstellung von 2016, wo insgesamt 270.000 Besucher gezählt wurden. Damals gab es Corona noch nicht.