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Untergang Römisches Reich: Was Museumsdirektoren zur Landesaussrellung in Trier sagen

Untergang des Römischen Reiches : Landesausstellung: „Einige Museumsdirektoren schauen neidisch auf Trier“

Was die große „Untergang“-Ausstellung Trier bringen soll: Gut fürs Image und den Tourismus – sie bindet aber auch viele Ressourcen.

Wenige Tage vor dem Start der Landesausstellung „Untergang des Römischen Reiches“ sprechen die Museumsdirektorin Elisabeth Dühr (Stadtmuseum Simeonstift) sowie ihre Kollegen Marcus Reuter (Rheinisches Landesmuseum) und Markus Groß-Morgen (Museum am Dom) im TV-Interview über die Erwartungen, teure neue Entwicklungen und Ungewissheiten wegen der Corona-Pandemie.

Am Samstag beginnt die große Landesausstellung, in allen drei Museen ist bis dahin noch einiges zu tun – was überwiegt gerade, der Stress oder die Vorfreude?

Markus Groß-Morgen (Museum am Dom): „Es ist in den Tagen vor der Eröffnung viel zu tun, aber das kennen wir von früheren Ausstellungen – das sind jetzt aber vor allem Kleinigkeiten, wir liegen voll im Zeitplan.

Marcus Reuter (Landesmuseum): „Bei uns lief bei den Exponaten alles erstaunlich reibungslos, größere Katastrophen sind ausgeblieben – es gab kleinere Zollprobleme, aber nichts, was uns schlaflose Nächte bereitet hätte. Das habe ich bei einer Ausstellung dieser Größenordnung selten so erlebt. Dabei sind die Anforderungen der Leihgeber deutlich höher geworden. Wir haben viel mehr Kuriere, die mitkommen und schauen, ob die klimatischen Bedingungen und die Sicherheitsverhältnisse alle erfüllt sind. Das ist viel teurer und aufwendiger geworden. Wir haben allein 42 Kuriere beim „Untergang“ – bei „Nero“ waren es nur zehn.“

Elisabeth Dühr (Stadtmuseum Simeonstift): „Das ist bei uns ähnlich. Wir hatten zum Beispiel nun zum ersten Mal einen Kurier, der ÖPNV kategorisch ablehnt und einen eigenen Fahrservice angefragt hat. Dass die Ansprüche immer höher werden, hängt auch mit der hohen Dichte an großen Ausstellungen zusammen. Die großen Häuser, die viel ausleihen, sind ungemein gefordert. Das führt dazu, dass die Bedingungsschraube anzieht. Es kann nicht jeder anfragen, weil längst nicht jeder die Bedingungen erfüllen kann – die klimatischen oder finanziellen. Früher galt immer die unausgesprochene Übereinkunft, dass sich Museen untereinander keine Leihgebühren in Rechnung stellen. Das wird heute umgegangen, in dem man anteilig die Kosten für Restaurierung bezahlen muss – das ist bei uns schon ein fester Posten in der Kalkulation, das geht schnell in die Tausende.

Fünf Monate lang wird Trier im Zeichen des Untergangs stehen - und der Auswirkungen davon. Welche Impulse erhoffen Sie sich davon?

Groß-Morgen: „Wir hoffen, dass die Lust am Reisen wieder da ist und dass die Menschen wieder hungrig nach Ausstellungen sind. Mit 100.000 Besuchern wären wir zufrieden. Das Besucherverhalten hat sich etwas verändert. Der Trend geht mehr zu spontanen, kurzfristigen Besuchen. Wir überlegen, zusätzliche öffentliche Führungen anzubieten, um dem Bedarf entgegen zu kommen. Eine Landesausstellung gibt uns immer auch einen Schub für unsere Dauerausstellung.“

Marcus Reuter: „Wir erhoffen uns, dass die Häuser wieder bundesweit wahrgenommen werden, dass wir viele Leute nach Trier locken und generell das römische Erbe Triers sichtbar machen können. Das hat bei ‚Nero‘ gut geklappt. Wer nach Trier reist und die drei Ausstellungen besichtigt, wird vielleicht auch noch einen Tag dranhängen, um sich die Porta Nigra oder Kaiserthermen anzuschauen, was Trier so einzigartig macht.“

Dühr: „Es ist für die Stadt ein touristisches Highlight, aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Ergebnisse sind bei ‚Nero‘ oder ‚Marx‘ genau recherchiert worden – wie viel Geld letztlich netto in der Stadt hängenbleiben, nach Abzug aller Kosten – das sind etliche Millionen Euro, wenn man von einer Besucherzahl von 100.000 ausgeht. Man darf aber die wirtschaftliche Lücke nicht unterschätzen, die durch Corona bei den Kulturanbietern entstanden ist. Viele kleinere sind vom Markt verschwunden – oder sie sind sehr viel teurer geworden. Selbst wenn man sagt, wir haben in der Regel eine Klientel 55+, viele davon mit akademischem Abschluss und gut verdienend oder mit hoher Pension: Diese Preissteigerungen in allen Bereichen machen vielen zu schaffen.“

Es gibt immer mehr Landesausstellungen, etwa 2020 in Mainz zu mittelalterlichen Kaisern oder 2021 in Nordrhein-Westfalen zum Limes - wie kann sich Trier davon abheben?

 Elisabeth Dühr.
Elisabeth Dühr. Foto: privat
 Markus  Groß-Morgen.
Markus Groß-Morgen. Foto: roland morgen (rm.)
 Marcus Reuter.
Marcus Reuter. Foto: GDKE-Rheinisches Landesmuseum Trier/Thomas Zühmer

Reuter: „Römische Ausstellungen gibt es nicht viele – und keine mit inhaltlicher Konkurrenz. Wer sich für römische Antike interessiert, da sind wir schon das Ausstellungsereignis im deutschsprachigen Raum. Das Thema „Untergang“ passt auch gut in den Zeitgeist – Migration, religiöse Konflikte, da gibt es viele Gegenwartsbezüge. Zum anderen hat sich Trier auch durch die Nero-Ausstellung ein gutes Image als Ausstellungsstadt erarbeitet. Da schauen einige Museumsdirektoren in Deutschland schon etwas neidisch auf Trier.“

Dühr: „Die Landesausstellungen halten die Häuser präsent. Es ist auch so, dass man im politischen Umfeld etwas größere Chancen hat, bestimmte Verbesserungen für die Häuser zu erwirken, die langfristig sind. Sie sind aber auch – und das muss man beim Ausstellungswesen der Zukunft sehr genau im Auge behalten – ein ungeheurer Verschleiß an personellen und finanziellen Ressourcen.

Das hat natürlich ein positives Gegenüber, was Besucherzahlen angeht. Aber man muss aufpassen, dass nicht alles, was an Ressourcen da ist, in die Landesausstellungen fließt – und andere Bereiche dadurch abflachen. Da muss man sehr genau abwägen: Was kostet es, was bringt es, wo liegt der Benefit auf lange Sicht?“

Reuter: „Der langfristige Benefit ist das positive Image von Trier als Museumsstadt. Die Leute wissen, alle drei, vier, fünf Jahre findet hier eine hochwertige Ausstellung zur römischen Antike statt – da hat man sich am nationalen und internationalen Markt etabliert. Wir haben uns den Ruf als renommierter Ausstellungsstandort erarbeitet. Dass wir aus dem Louvre oder aus den Vatikanischen Museen Exponate ausgeliehen bekommen, spricht dafür.“