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Bernkastel-Wittlich: Viele neue Gesichter im Kreistag

Bernkastel-Wittlich: Viele neue Gesichter im Kreistag

Um 12.23 Uhr am Montag ist es amtlich: Sieben Parteien und Gruppierungen ziehen in den Kreistag Bernkastel-Wittlich ein. Die CDU bleibt stärkste Kraft, verfehlt aber ihr selbstgestecktes Ziel, einen Sitz mehr zu gewinnen. Die ÖDP wird erstmals einen Vertreter in das Gremium entsenden.

Alle Hände voll zu tun hatten die ehrenamtlichen Wahlhelfer bis in den Montag hinein: Erst um 12.23 Uhr waren alle Stimmen für die Besetzung des künftigen Kreistags Bernkastel-Wittlich ausgezählt. Das Gremium wird erstmals am Montag, 30. Juni, zusammenkommen.

Das vorläufige Endergebnis: Amtlich ist das Ergebnis der Kreistagswahl erst, wenn es am Montag, 2. Juni, vom Wahlausschuss bestätigt wird. Die Christdemokraten erreichen nach der Auszählung aller Stimmen 46,1 Prozent - ein Plus von 1,3 Prozentpunkten gegenüber 2009, das sich allerdings in der Sitzverteilung nicht bemerkbar macht: Die CDU hält weiterhin 19 Sitze und verfehlt damit ihr Ziel, mindestens einen Vertreter mehr entsenden zu können.

Leicht verbessern kann sich die SPD, die 22,9 Prozent der Stimmen holt - der Zugewinn von 0,7 Prozentpunkte bedeutet auch einen Sitz mehr im künftigen Kreistag, in dem die Sozialdemokraten künftig mit zehn Vertretern sitzen werden. Drittstärkste Fraktion werden die Freien Wähler mit 10,8 Prozent (2009: 10,2 Prozent) und fünf Vertretern im Kreistag, gefolgt von den Grünen mit 8,2 Prozent (2009: 7,6 Prozent). Die FDP ist der größte Wahlverliererin im Kreis Bernkastel-Wittlich. Die Liberalen erreichen 6,7 Prozent - ein Minus von 5,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2009. Sowohl Grüne als auch FDP erhalten im Kreistag drei Sitze. Die Linke legt eine Punktlandung hin und kommt wie schon vor fünf Jahren auf 3,2 Prozent. Die ÖDP erzielt 2,1 Prozent. Für den Status als Fraktion reicht es für die beiden letzteren Parteien nicht: Sie können jeweils nur einen Vertreter in den Kreistag entsenden. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,7 Prozent (2009: 60,6 Prozent).

Blick auf die Einzelergebnisse:Dass der Landkreis Bernkastel-Wittlich überwiegend in schwarzer Hand ist, zeigt sich auch bei näherer Betrachtung der Ergebnisse: Lediglich in 21 der insgesamt 107 Gemeinden hatte am Ende nicht die CDU die Nase vorn. In 47 Kommunen erreichte die CDU sogar nach Auszählung aller Stimmen für den Kreistag die absolute Mehrheit. Das beste Ergebnis fuhr die Partei in Laufeld (noch VG Manderscheid) mit 75,1 Prozent aller Stimmen ein. Diese Zahl kann nur von einer Partei getoppt werden: ausgerechnet vom Kreistagsneuling, der ÖDP, die in Dierfeld (VG Manderscheid) 100 Prozent erreichte, bei allerdings nur fünf Stimmzetteln. Die SPD erzielte ihr bestes Ergebnis mit 65,5 Prozent in Burtscheid (VG Thalfang). Die meiste Zustimmung für die Freien Wähler gab es in Neunkirchen (VG Thalfang), wo die FWG auf 27,8 Prozent kam. Die Grünen fuhren ihr bestes Ergebnis mit 19,6 Prozent in Dodenburg (VG Wittlich-Land) ein. Die FDP erzielte ihren Traumwert in Kröv (noch VG Kröv-Bausendorf) - mit 21,3 Prozent. Das beste Ergebnis der Linken gab es in Rorodt (VG Thalfang), wo 11,4 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen bei den Linken machten.

Die Besetzung des Kreistags: 13 Frauen und 29 Männer gehören dem neuen Kreistag an. Insgesamt gibt es 15 Mandatsträger, die im bisherigen Gremium nicht mitgewirkt haben. Das jüngste Mitglied ist die 23-jährige Karina Wächter aus Ürzig (CDU), die älteste Vertreterin die 72-jährige Heide Weidemann aus Erden (ÖDP). Die meisten Wählerstimmen entfielen auf Alexander Licht: Der Vorsitzende der Kreis-CDU und Landtagsabgeordnete erhielt 33.134 Stimmen. Aufsteiger bei der CDU sind Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch, der von Listenplatz 27 auf den sechsten Platz vorrücken konnte, sowie Andreas Hackethal, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Morbach, der von den Wählern von Position 30 auf Platz zehn katapultiert wurde. Zudem drücken bei der CDU künftig Vater und Tochter gemeinsam die Bank: Neben Karina hat es auch Vater Leo Wächter in den Kreistag geschafft.

Die SPD wird von der SPD-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Bettina Brück angeführt. Den größten Sprung bei den Sozialdemokraten schaffte Reils Ortsbürgermeister Artur Greis, der von Listenplatz 16 als Siebter in den Kreistag einzog. Die SPD präsentiert sich künftig stark verjüngt: Von den zehn Ratsmitgliedern sind zwei unter 30 Jahre alt: die 24-jährige Studentin Tamara Müller aus Morbach und die 27-jährige Nadine Zender aus Wittlich.

"Was schert mich schon die Vorschlagsliste?" dachten offenbar insbesondere die Wähler der FWG, die die Sitzverteilung bei den Freien Wählern im Kreistag ordentlich durcheinander wirbelten. Von den Top 5 der Vorschlagsliste der FWG zog allein der bisherige Fraktionssprecher Karl-Heinz Erz aus Morbach in den Kreistag ein. Spitzenkandidat Norbert Kraff, Vorsitzender der Kreis-FWG, schaffte dagegen nicht den Einzug in das Gremium. Von Listenplatz 6 ging es für Willi Feilen, Ortsvorsteher in Morbach-Weiperath, an die Spitze der FWG. Den größten Sprung machte bei den Freien Wählern Alois Meyer, bisher Ortsbürgermeister von Klausen und Kandidat für das Bürgermeisteramt der VG Wittlich-Land: Er rückte von Platz 29 auf Platz vier vor. Auch Hugo Bader, Arzt aus Morbach, gelang von Listenplatz 15 noch der Einzug in den Kreistag. Wenig Überraschung dagegen bei den Grünen, der Linken und der ÖDP: Hier zogen jeweils die auf der Vorschlagsliste vorne Platzierten in den Kreistag ein.

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