1. Dossier

Bundestagswahl: Weshalb FDP und Linke über den Kanzler entscheiden

Die Woche im Blick : Kommentar: Die „Kleinen“ und die Kanzlerfrage

Armin Laschet schwächelt, Scholz punktet, Baerbock stagniert. Aber geht es so weiter? Und könnte nach der Wahl nicht das Abschneiden einer anderen Partei entscheidend sein?

Noch knapp über zwei Wochen sind es bis zur Bundestagswahl – und die Parteien, vor allem die schwächelnden CDU und CSU, betonen, dass noch nichts entschieden ist. Deutlich ist: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz zieht seine Partei seit Wochen in die Höhe.

Das besonders Überraschende: Es gibt nichts Überraschendes zu hören, weder im ersten Kanzler-Triell noch im restlichen Wahlkampf. Der frühere US-Botschafter John Kornblum sagte in der „New York Times“: „Scholz versucht, Merkels Klon zu sein – inklusive Raute.“ Und noch provokanter: Selbst Wasser beim Kochen zuzuschauen sei interessanter. Aber: Erstens ist Kornblum für deftige Sprüche bekannt. Andererseits: Wie spannend sind die Auftritte der anderen Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten? Bei Armin Laschet sehen selbst die Unionsanhänger die letzte Chance, im Fernseh-Triell am Sonntag die Stimmung zu drehen. Und Annalena Baerbock hat den Sinkflug der Grünen gestoppt, aber eben nicht mehr. Für Spannung sorgt, wie Scholz mit der Razzia in seinem Ministerium umgeht. Da zeigte sich der Finanzminister verärgert und sagte, die Fragen hätten schriftlich gestellt werden können.

Die Nervosität nimmt zu, nicht nur bei Scholz. So griff die Kanzlerin in dieser Woche erstmals öffentlichkeitswirksam in die Debatte ein, indem sie sich für Laschet aussprach. Merkel als Wahlkämpferin im Bundestag, das gab es so noch nie – und es passt nicht zu ihr. Doch eines ist wichtig: Wir alle wählen unsere Vertreter vor Ort, nicht den Kanzler, und wir wählen Parteien. Dabei wird gerade das Abschneiden der kleineren Parteien entscheidend sein. Wie stark wird die Linke und ist Rot-Rot-Grün doch eine Option? Noch mehr spricht dafür, dass Christian Lindner am Ende darüber entscheiden kann, wer Kanzler wird. Eine starke AfD, mit der niemand koalieren wird. Union, SPD und Grüne näher beieinander als derzeit erwartet – das alles würde der FDP bei einem guten Ergebnis helfen, offen entscheiden zu können. 2018 brachten die Liberalen mit ihrem Nein erst die große Koalition in Gang. Nun könnte ihr Ja noch gefragter werden.


t.roth@volksfreund.de