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SPD-Kanzlerkandidat Scholz: „Mehr Geld für Leute, die hart arbeiten“

SPD-Kanzlerkandidat : Scholz: „Mehr Geld für Leute, die hart arbeiten“

30 Minuten Zeit und jeweils nur 30 Sekunden für die Antwort: Im Interview mit der Radiozentrale und der Deutschen Presse-Agentur haben die Kanzler- und Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien einen identischen Fragenkatalog zu sechs Themenkomplexen beantwortet. Dazu kamen Schnellfragerunden, zum Beispiel im „Ja-oder-Nein“-Format.

Frage: Was bedroht, Ihrer Meinung nach, die innere Sicherheit Deutschlands am meisten? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: Kriminalität muss immer bekämpft werden und das gelingt am besten, indem man dafür sorgt, dass die Polizei gut ausgestattet ist. Das haben wir in den letzten Jahren vorangebracht, was die Bundespolizei betrifft. Und natürlich muss man auch mit Gesetzen dafür sorgen, dass die Polizei den ausreichenden Rahmen hat für die eigenen Aufgaben. Das ist auch passiert und das wird auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe sein. Mehr Polizei und gute Gesetze.

Frage: Halten Sie das Konzept „Lockdown“ noch für zeitgemäß? Worauf setzen Sie? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: Wir werden keinen neuen Lockdown haben, und das gilt auch für den Schulunterricht. Der muss präsent stattfinden. Es hat sich ja was geändert. Über 50 Millionen Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sind geimpft und wir müssen und können jetzt allen anderen raten: Macht das auch, es schützt euch! Daneben werden wir noch ein paar Vorsichtsregeln brauchen: Masken in der Bahn zum Beispiel oder aber, wenn wir ein Restaurant besuchen. Aber wir kommen so durch die Zeit.

Frage: Wie wollen sie Kritiker der Corona-Maßnahmen erreichen, die sich nicht ernst- oder wahrgenommen fühlen? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: Die meisten Bürgerinnen und Bürger haben verstanden, dass Corona eine große Bedrohung ist. Knapp 100 000 Menschen sind in Deutschland an Corona gestorben. Das darf niemand übersehen. Deshalb war es notwendig, dass wir viele Beschränkungen hatten in der Vergangenheit. Jetzt ist aber klar: Kein neuer Lockdown wird nötig sein. Wir können Präsenzunterricht in Schulen haben, aber wir müssen vorsichtig bleiben.

Frage: Was wollen Sie tun, um Wohlstand in Deutschland gerechter zu verteilen? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: Erstmal bin ich dafür, dass besser bezahlt wird. Deshalb möchte ich mich für einen gesetzlichen Mindestlohn von wenigstens 12 Euro einsetzen. Ich bin dafür, dass wir stabile Renten garantieren und dass wir Kinderarmut bekämpfen mit einem neuen Kindergeld, einer Grundsicherung. Und ansonsten brauchen wir ein faireres Steuersystem, das dazu beiträgt, dass diejenigen, die sehr viel verdienen, etwas dazu beitragen, dass die anderen entlastet werden können.

Frage: Verstopfte Autobahnen, marode Brücken, überfüllte Fernzüge, Dörfer ohne Busanbindung, fehlende Radwege, Dauerstau in Großstädten. Was wollen oder würden Sie da gern als erstes auf den Weg bringen? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unsere Verkehrsinfrastruktur ausgebaut wird. Wir brauchen mehr Schienen, um den öffentlichen Verkehr auszubauen. Wir brauchen mehr Busse, die CO2-neutral, klimaneutral unterwegs sind. Und wir müssen den öffentlichen Verkehr bezahlbar machen. Natürlich gilt das auch für die Straßen. Da müssen Engpässe auch beseitigt werden.

Frage: Überschwemmte Städte, vertrocknete Äcker, ausbleibende Winter, Waldbrände, aussterbende Tierarten, vieles scheint aus dem Gleichgewicht zu geraten zwischen Mensch und Umwelt. Was wollen Sie hier als erstes unternehmen? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: Der Klimawandel ist Realität. Das muss von allen, die das leugnen, entgegenhalten. Und die Beispiele, die Sie genannt haben, zeigen das ja sehr deutlich. Deshalb ist das Wichtigste, dass wir dafür sorgen, dass wir unsere Wirtschaft so organisieren, dass sie klimaneutral wirtschaften kann. Das ist in 25 Jahren sehr ehrgeizig, klappt aber nur, wenn wir alles aufbauen auf der Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen.

Frage: Herr Scholz, woran mangelt es Deutschland derzeit am meisten und was würden oder wollen Sie hier als erstes unternehmen? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: Viele, die schwere Arbeit leisten, werden nicht gut bezahlt. Das muss sich ändern. Deshalb bin ich für einen gesetzlichen Mindestlohn von wenigstens 12 Euro. Und außerdem bin ich dafür, dass es bessere Löhne gibt für die Berufe, die wir jetzt in der Corona-Krise als systemrelevant erkannt haben: Lebensmittelverkäuferinnen, Paketboten, Altenpflegerinnen und Krankenpfleger und noch viele andere mehr. Das ist das Wichtigste: Mehr Geld für Leute, die hart arbeiten.

Frage: Garant für Wirtschaftswachstum in Deutschland war in der Vergangenheit das Gütesiegel „Made in Germany“ - hochwertige Maschinen oder Autos. Wofür wird Made in Germany in Zukunft stehen? 30 Sekunden, ab jetzt...

Antwort: „Made in Germany“ wird auch in Zukunft für Hochtechnologie stehen, für weltweit wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen. Allerdings werden es solche sein, die dazu beitragen, dass wir unseren Wohlstand erwirtschaften können, ohne das Klima zu schädigen. Und darum geht es genau jetzt, wenn wir die Investitionen in die Zukunft tätigen: Ein klimaneutrales Industrieland zu werden, das Wohlstand und gute Arbeitsplätze schafft.

Frage: Zur Frage mit der guten Fee: „Wenn sie nur einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?“

Antwort: Dass alle gut bezahlt werden. Ein gesetzlicher Mindestlohn von 12 Euro, damit Arbeit auch respektiert wird.

Frage: Eine Corona-Impfpflicht für alle, auch für Kinder, ist meiner Meinung nach...

Antwort: falsch.

Frage: Das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre zu erhöhen, wird...

Antwort: mit mir nicht passieren. Das ist eine unvertretbare Idee, die Bürgerinnen und Bürger vor ganz große Herausforderungen stellt und auch vielen Angst macht. Das gibt es nicht.

Frage: Ein gesetzlicher Mindestlohn von mehr als 12 Euro ist in Deutschland...

Antwort: Ich bin für einen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro und dass er regelmäßig angehoben wird.

Frage: Cannabis zu legalisieren, würde dazu führen, dass...

Antwort: ...viele etwas besser mit der heutigen Lage zurechtkommen. Jetzt geht es darum, Versuche zu unternehmen für kontrollierte Möglichkeiten, das zu nutzen. Und ich glaube, dass da mehr Bewegung möglich ist.

Frage: Im nächsten Bundestag werden statt der vorgeschriebenen 598 Abgeordneten tatsächlich wieder mehr als 700 Parlamentarier sitzen. Stimmt oder stimmt nicht?

Antwort: Vermutlich.

Frage: Die Meinungsfreiheit in Deutschland ist zunehmend bedroht. Stimmt oder stimmt nicht?

Antwort: Stimmt nicht. Jeder kann seine Meinung sagen. Das tun einige ja auch sehr laut. Ich bin dafür, dass das auch so bleibt und dass niemand sich bedrückt fühlt. Allerdings muss man immer die Gesetze achten. Also zum Beispiel Leute ungerecht beleidigen ist schon immer strafbar.

Frage: Bis 2030 wird das Bargeld komplett abgeschafft sein, stimmt oder stimmt nicht?

Antwort: Stimmt nicht.

Frage: Pendlerpauschale - rauf oder runter?

Antwort: Wenn das Fahren teurer wird, rauf.

Frage: Anzahl der Windräder auf dem Land - rauf oder runter?

Antwort: Wir brauchen mehr Windräder in ganz Deutschland. Zwei Prozent der Landesfläche sind dafür nur erforderlich, damit wir mit Windkraft an Land unsere industrielle und wirtschaftliche Zukunft klimaneutral gewinnen können.

Frage: Strompreise - rauf oder runter?

Antwort: Strompreise müssen runter.

Frage: Wenn Sie alleine entscheiden könnten... Ja oder Nein?

Deutschland verlässt die EU?

Antwort: Nein.

Frage: Auf Autobahnen maximal Tempo 130?

Antwort: Ja.

Frage: Die Bundeswehr bekommt bewaffnete Drohnen?

Antwort: Das wird in der Zeit entschieden.

Frage: Entweder... oder? Müsli oder Rührei?

Antwort: Rührei.

Frage: Bier oder Wein?

Antwort: Im Augenblick alkoholfreies Bier

Frage: Hund oder Katze?

Antwort: Ich hatte einen Kater.

Liegestuhl oder Rasenmähen?

Antwort: Liegestuhl.

Frage: Frühaufsteher oder Langschläfer?

Antwort: Langschläfer, der immer früh aufsteht.

Frage: Bayern oder Dortmund?

Antwort: HSV

(dpa)