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BTW: Stimmen zur Bundestagswahl in Trier und im Kreis Trier-Saarburg

Stimmen zur Bundestagswahl in Trier und Trier/Saarburg : Erleichterung, Unverständnis und Schweigen bei den Kandidaten

Verena Hubertz holt das Direktmandat im Wahlkreis 203 bei der Bundestagswahl. Wir haben mit ihr uns den unterlegenen Kandidaten gesprochen.

 Nach 2002 (Karl Diller) konnte die SPD nicht mehr das Direktmandat im Wahlkreis gewinnen. Es ging seither ausnahmslos an CDU-Bewerber (Bernhard Kaster, Andreas Steier). Diese „schwarze Serie“ wollte SPD-Kandidatin Verena Hubertz bei ihrer ersten Kandidatur beenden. Bei Redaktionsschluss sah es so aus, als ob ihr das gelungen ist.

Mit dem Abschneiden ihrer Partei auf Bundesebene zeigte sich die 33-Jährige ebenfalls sehr zufrieden: „Die gute Stimmung auf der Straße sehen wir jetzt auch in Zahlen. Ich freue mich über das Wahlergebnis und das Vertrauen für die SPD. Die Menschen wünschen sich Olaf Scholz als Kanzler, das ist durch die Wahl deutlich geworden.“

„Erleichtert“ reagiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer auf die ersten Hochrechnungen: „Wir werden mit sechs rheinland-pfälzischen Abgeordneten im Bundestag vertreten sein und insgesamt die Arbeit auf mehr Schultern verteilen und mehr Power entwickeln. Das ist wichtig angesichts unseres hohen Gestaltungsanspruchs.“ Der lässt sich nach Auffassung der 45-Jährigen, die nun in ihre dritte Legislaturperiode geht, am ehesten in einer SPD-geführten Regierung realisieren: „Die Überschneidungen mit der Union sind ungleich geringer.“

Zwischen Hoffen, Bangen und „ziemlichem Unverständnis“: Für Katrin Werner (48), Kandidatin der Linken im Wahlkreis 203, standen die wenig verheißungsvollen Prognosen für ihre Partei „im krassen Gegensatz zu dem, was ich bis zuletzt im Wahlkampf erlebt habe: Die Menschen stehen uns aufgeschlossen, interessiert und durchweg positiv gegenüber“. Ob die Linke die Fünf-Prozent-Hürde genommen hat und damit Katrin Werner ihr Bundestagsmandat, das sie seit 2009 innehat, weiterhin wahrnehmen kann, stand bei Redaktionschluss noch nicht endgültig fest.

Nicht überrascht zeigt sich AfD-Kandidat Otto Freiherr Hiller von Gaertringen (71): „Das Ergebnis unserer Partei ist so, wie ich es unter den gegebenen Umständen und nach den vielen Anfeindungen erwartet habe: Wir halten uns zweistellig. Wir sind gekommen, um zu bleiben. Und das tun wir.“

Benjamin Palfner (FDP) zeigt sich in einem ersten Statement mit dem Abschneiden der Liberalen auf Bundesebene „sehr zufrieden, weil wir zum zweiten Mal in Folge ein zweistelliges Ergebnis verbuchen“. Eine Koalitions-Präferenz hat der 37-Jährige nicht: „Ich könnte sowohl mit einer Ampel als auch mit Jamaica leben. Die Frage ist aber: Mit wem bekommen wir das meiste von unserem Programm umgesetzt?“

Unter ferner liefen gelandet – das ist für Sascha Kohlmann „kein Drama. Ich habe dafür kandidiert, die Freien Wähler bekannter zu machen und nicht, weil ich ernsthafte Bundestagsambitionen habe. Das wäre weltfremd.“ Mittelfristig gehe es für die Freien darum, bei Kommunalwalen eine bessere und erfolgversprechende Ausgangsbasis zu haben, sagt der 45-jährige Schillinger, der vor seinem Wechsel zu den Freien Wählern CDU-Mitglied gewesen war.

Andreas Steier (49, CDU), der bei seiner ersten Bundestagskandidatur 2017 das Direktmandat im Wahlkreis 203 erhalten hat, war am Sonntagabend trotz mehrfacher Versuche nicht für eine Statement zu erreichen.