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CDU und Grüne suchen weiter nach Schnittmengen

CDU und Grüne suchen weiter nach Schnittmengen

Tag eins nach der Oberbürgermeisterwahl: Die CDU beginnt damit, die Niederlage ihrer Kandidatin zu verarbeiten. Die hart kritisierten Sondierungsgespräche mit den Grünen sollen dennoch weiterlaufen.

Einen solchen Wahlabend müssen auch Politprofis erst einmal verarbeiten. "Auch am Tag danach tut die Niederlage unheimlich weh", sagt der Trierer CDU-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster. Die Nominierung von Hiltrud Zock als Oberbürgermeisterkandidatin war sein Projekt (Alle Berichte und Fotos zur Wahl in unserem Special )

"Hiltrud Zock hat ebenso wie die ganze Truppe ihr Bestes gegeben", erklärt Kaster. "Besonders schmerzlich ist es natürlich, in einem solchen Wimpernschlagfinale zu unterliegen. Aber offensichtlich hatten wir im ersten Wahlgang bereits unsere Stimmenkapazitäten ziemlich ausgeschöpft."

Als reine Spekulation bezeichnet Kaster Vermutungen, die im Vorfeld der Stichwahl diskutierte Zusammenarbeit der CDU mit den Grünen im Stadtrat könnte Zock Stimmen gekostet haben. "Es ist völlig normal, wenn die großen Parteien und Fraktionen im Rat miteinander sprechen, um sich bei wichtigen Themen besser abzustimmen. Den Vorwurf einer Hinterzimmerpolitik kann ich nicht nachvollziehen." Vorstand und Fraktion würden nun in Ruhe analysieren und beraten, wie es weitergehen soll. "Wir werden mit den Grünen und mit der SPD darüber sprechen, wo es die größten Schnittmengen gibt."

Wolf Buchmann, Parteisprecher der Grünen, hat dazu eine klare Meinung: Die Gespräche mit der CDU gehen weiter. "Die Mitgliederversammlung hat der Verhandlungskommission einen Auftrag erteilt, das kann der Vorstand jetzt nicht einfach stoppen", sagt er. "Wir haben ja auch keine Zusammenarbeit mit der CDU beschlossen, sondern lediglich Gespräche, weil wir in den Programmen überraschend große Überschneidungen gefunden haben. Die gab es auch mit den Sozialdemokraten, aber sie waren größer bei der CDU." Ob die Debatte über Schwarz-Grün einen Einfluss auf das Wahlergebnis hatte, sei aber rein spekulativ.

Manfred Becker, Trierer Ur-Grüner und ehemaliges langjähriges Stadtratsmitglied, sagt dazu: "Die allermeisten Grünen habe ihre Stimme Wolfram Leibe gegeben, weil die inhaltliche Nähe zu ihm größer ist."

Dass die Grünen nach dem Dissens zwischen Basis und Parteispitze über eine etwaige schwarz-grüne Zusammenarbeit im Stadtrat aus einem Jetzt-erst-recht-Gefühl heraus ihre Stimme Leibe gegeben haben, glaubt Becker allerdings nicht. Seine Meinung: "Insgesamt hat sich die Parteispitze mit dieser Taktiererei trotzdem keinen Gefallen getan." Die Trierer Parteivorderen, so Becker, müssen sich fragen lassen, ob sie Kommunalpolitik zum Wohl der Stadt machen "oder immer auch mit Hintergedanken an zum Beispiel die Landespolitik im Kopf". Es folgt ein Satz, den viele Grüne nicht mögen werden: "Dass solche taktischen Elemente und diese Hinterzimmerpolitik sich nun auch bei den Grünen durchsetzen, tut schon sehr weh." Die Grünen machen Hinterzimmerpolitik - dem tritt die Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer entschlossen entgegen. "Die Sondierungskommission hat genau das gemacht, womit die Mitgliederversammlung sie öffentlich beauftragt hat", sagt Rüffer. Aber sie räumt ein: "Die Kommunikation war unglücklich."

Extra

Christiane Probst, Vorsitzende der FWG-Fraktion im Trierer Stadtrat: "Ich selbst freue mich für Herrn Leibe, aber ich hätte mich auch für Frau Zock gefreut. Durch die angekündigte Zusammenarbeit von CDU und Grünen im Stadtrat wird es Herr Leibe schwer haben, Mehrheiten zu finden. Für uns kommt ein Bündnis, in welcher Form auch immer, nicht infrage."

Kathrin Werner, Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der Linken: "Wir haben Herrn Leibe gratuliert, wie es sich gehört. Was die Zusammenarbeit mit ihm angeht, hege ich Bedenken. Er scheint zu meinen, dass man mit den Linken nicht reden muss. Was den Wahlausgang vom Sonntag betrifft, ist meine persönliche Meinung, dass die Wahl über die Birk-Frage entschieden wurde. In meiner Wahrnehmung gab es eine Zuspitzung auf die Frage, welche Seite Angelika Birk als Dezernentin abwählen will. In der Stadtratsarbeit brauchen wir generell mehr Transparenz und Bürgerdialog."

Martin Klöckner, stellvertretender Vorsitzender der Piraten in Trier: "Wir freuen uns sehr für Herrn Leibe, wünschen ihm alles Gute und dass er gut mit unserer Stadträtin Darja Henseler zusammenarbeitet."