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Das Kandidatenkarussell rotiert

Das Kandidatenkarussell rotiert

Norbert Schneider hat seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt in der VG Südeifel gestern unerwartet zurückgezogen. Wenige Stunden später endete die Bewerbungsfrist. Moritz Petry (CDU) ist damit einziger Kandidat. Ins Speicherer Rathaus wollen inzwischen vier Kandidaten einziehen. Einzig im Bitburger Land bleibt es bei den bekannten Bewerbern Josef Junk (SPD) und Rainer Wirtz (CDU).

Speicher/Bitburg/Kyllburg/Irrel/Neuerburg. Wer dachte, so kurz vor Bewerbungsschluss würde nichts mehr passieren, lag gehörig daneben. Der Bürgermeister-Wahlkampf im Eifelkreis entwickelte sich gestern - nur Stunden, bevor die Bewerbungsfrist endete - unerwartet zum Krimi:

Verbandsgemeinde (VG) Südeifel: Norbert Schneider, Bürgermeister der VG Neuerburg, hat am Montag überraschend bekannt gegeben, dass er seine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters der neu zu gründenden VG Südeifel zurückzieht. Als Grund für den Schritt nennt er den Gesundheitszustand seiner Frau. Schneiders bisheriger Konkurrent Moritz Petry (CDU), Bürgermeister der VG Irrel, wird daher als einziger Kandidat antreten. Die Entscheidung fiel sehr kurzfristig: Nur wenige Stunden später, um 18 Uhr, endete die Bewerbungsfrist - ohne, dass sich ein weiterer Kandidat beworben hätte. Kein Wunder: Um noch Parteiversammlungen einzuberufen, war es zu spät. Und ein freier Kandidat hätte innerhalb weniger Stunden 100 Unterstützerunterschriften sammeln müssen.Kommunalwahl 2014


Auch die SPD, die Schneider unterstützen wollte, schickte so kurzfristig niemanden mehr ins Rennen. "Das kann man niemandem antun", sagt Günter Scheiding, Vorsitzender SPD-Ortsvereins Neuerburg. Er habe die Neuigkeit gestern mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. "Wir können der persönlichen Entscheidung Schneiders Verständnis entgegenbringen. Andererseits sind wir sehr enttäuscht über den Zeitpunkt der Bekanntmachung", sagt Scheiding. Auch die Art missfalle ihm. "Es wäre geboten gewesen, die Politiker in der VG Neuerburg, die ihn und eine Fusion mit der VG Irrel unterstützt haben, in die Entscheidungsfindung einzubeziehen", sagt Scheiding.
Schneider erklärt den unerwarteten Schritt mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustands seiner Frau. Sie leide an einer unheilbaren Erkrankung des Rückenmarks. Dennoch habe sie ihn motiviert, zu kandidieren.
Vor wenigen Tagen habe sie überraschend so starke Beschwerden gehabt, dass sie sofort ins Krankenhaus musste. "Die Vorstellung, dass die Erkrankung durch die absehbar höheren Belastungen als Bürgermeister der VG Südeifel eine neue Dimension erreichen kann, macht mich betroffen", sagt Schneider. Deswegen habe er nach der Rückkehr am Sonntag beschlossen, sich nicht zu bewerben. "Mir ist das Wohl und die Gesundheit meiner Frau, mit der ich seit 38 Jahren verheiratet bin und die mich trotz ihrer Erkrankung immer voll unterstützt hat, wichtiger als ein möglicher Wahlsieg. Ich bitte die vielen Menschen, die in meine Kandidatur Hoffnung gesetzt haben, um Verständnis", sagt Schneider, der dennoch für die Dauer seiner Amtszeit bis 2017 als hauptamtlicher Beigeordneter zur Verfügung stehen wird.
Auch für den nun einzigen Bürgermeisterkandidaten Moritz Petry kam die Nachricht überraschend. Er äußert angesichts der "schwierigen privaten Situation" Verständnis für Schneiders Entscheidung. Das Amt koste viel Zeit. "Ich finde es schade, dass nun außer mir niemand als Kandidat zur Verfügung steht", sagt Petry. Er will den Wahlkampf wie geplant fortführen.

VG Speicher: Auch die kleinste der Verbandsgemeinden im Eifelkreis sorgt für eine ordentliche Überraschung im Wahlkampf. Denn statt zwei bewerben sich nun vier Kandidaten als Bürgermeister. Die letzte Bewerbung ging erst am Montagnachmittag ein - allerdings hat der Kandidat - ein pensionierter Speicherer - laut Bürgermeister Rudolf Becker (CDU) keine Aussicht auf Erfolg, da ihm die nötigen Unterschriften fehlen.
Neben den beiden Männern, die ihre Kandidatur bereits bekannt gegeben hatten, hofft inzwischen auch Agnes Tillmann-Steinbuß aus Speicher auf Wählerstimmen. Die 62-jährige ist Diplom-Mathematikerin, Geschäftsführerin der TiSt GmbH für Informationssysteme, verheiratete Mutter dreier Söhne und Kommunalpolitikerin. Obwohl sie seit 30 Jahren SPD-Mitglied ist, tritt Tillmann-Steinbuß als freie Kandidatin an. Im Laufe der Jahre war sie Mitglied im VG-Rat, im Stadtrat und in verschiedenen Ausschüssen. Ihr Ziel: Sie will Politik und Verwaltung transparent machen. "Ich weiß, wie arrogant Behörden sein können", sagt die Kandidatin, die sich daher in der Initiative "Bürger gegen Behördenarroganz" engagiert. Verwaltungserfahrung hat sie nicht. Mit dem scheidenden Bürgermeister Becker habe sie für den Fall ihrer Wahl daher bereits ein zweiwöchiges "Praktikum" vereinbart. Für Wahlkampfspannung sorgte auch Johannes Mans, Leiter des Bitburger Seniorenheims Eifelhaus, der seine freie Kandidatur vor einigen Wochen bekannt gegeben hatte. Denn der zweifache Familienvater aus Bettingen reichte seine Unterschriften - obwohl es kein Problem gewesen sei, sie zu bekommen - erst gestern ein. Für die CDU geht der Alsdorfer Ortschef Manfred Rodens ins Rennen, der so manchem Speicherer schon als Leiter der Sparkassenfiliale bekannt war.

VG Bitburger Land: Obwohl der Wahlkampf um den Chefposten der neuen, großen VG Bitburger Land spannend zu werden verspricht, hielt er gestern keine Überraschungen bereit. Es bleibt bei den beiden Kandidaten: Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburg-Land tritt für die SPD an. Und Rainer Wirtz, Bürgermeister der VG Kyllburg kandidiert für die CDU.