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Das Sorgentelefon der Ortsbürgermeister

Das Sorgentelefon der Ortsbürgermeister

Gegen die Fusion mit Neuerburg hat er sich als Irreler VG-Bürgermeister lange gewehrt. Dennoch will Moritz Petry die gemeinsame VG Südeifel anführen. In der neuen VG will der CDU-Mann den Weg weitergehen, den er in Irrel schon eingeschlagen hat.

"Der Weg ist katastrophal falsch", sagt Moritz Petry. Der Irreler VG-Bürgermeister ist auch drei Wochen vor der Wahl des ersten gemeinsamen VG-Rates - und VG-Bürgermeisters - noch kein Freund der Fusion seiner Kommune mit Neuerburg. "Bei uns passt das Modell der Zusammenlegung nicht", sagt er. Dennoch will Petry der Bürgermeister der neuen, großen VG Südeifel werden. "Ich will das zu Ende führen, was ich in Irrel begonnen habe", sagt er. "Und zwar an vorderster Linie."

Als Bürgermeister will der CDU-Mann für den Norden der zukünftigen VG genauso viel rausholen, wie er es bereits für die VG Irrel getan hat. Die Befürchtungen, dass er als Südeifel-Bürgermeister nur Irreler Interessen vertrete, seien unbegründet, sagt er.
Diese Befürchtungen zu zerstreuen sind auch ein Grund, warum der 38-Jährige seinen Wahlkampf unbeirrt fortsetzen will, obwohl sein Gegenkandidat - der Neuerburger VG-Chef Norbert Schneider - abgesprungen ist. Er will seine Tour nutzen, um sich den Neuerburger Bürgern vorzustellen - und Vorurteile abzubauen. "Hier in Irrel kennen mich die Leute schon. Ich will vor allem den Neuerburgern die Angst nehmen", sagt er.
Die Probleme der beiden Kommunen seien ähnlich, sagt Petry. "Wir sind, abgesehen von der Nähe zu Luxemburg, relativ strukturschwach." Zuerst will er deshalb Stabilität in die Region bringen - und das Ausbluten verhindern.

Neben der Verbesserung der Beziehungen mit dem Nachbarland will Petry auch weiter Geld in die Förderung des Tourismus stecken: "Das ist unser wichtigster Wirtschaftszweig", sagt er.

In Irrel habe sich die Förderung als Erfolgsmodell erwiesen. "Das will ich auch auf Neuerburg ausweiten." Neuerburg selbst sei beispielsweise eine schöne und historische Stadt. Dort müsse unbedingt eine richtige Tourist-Information hin. "Wir müssen die Leute in die Südeifel bekommen", sagt Petry.

In Neuerburg will er vor allem auf die Ortschefs zugehen. "Ich bin Sorgentelefon und Sprachrohr der Ortsbürgermeister", sagt er. Mit allen Kräften will er die ehrenamtlichen Politiker unterstützen - auch aus Eigeninteresse: "Wenn die Ortsbürgermeister wegfallen, hat die VG mehr Arbeit."

Mit 18 Jahren trat Petry in die CDU ein. "Ich komme aus einer konservativen Familie", sagt er. Aufgewachsen ist er in Mainz und Oppenheim am Rhein. Dort engagierte er sich im VG-Rat und im Stadtrat. Gleichzeitig studierte er Politik und Betriebswirtschaftslehre. Nach seinem Studium arbeitete er in Frankfurt bei einer Unternehmensberatung. "Aber mein Ziel war immer, beruflich Politik zu machen."

Seine Frau Juliane, eine Lehrerin, stammt aus Holsthum. 2009 zogen die beiden vom Rhein in das Dorf in der VG Irrel. "Es ist leichter einen Rheinhessen zu verpflanzen als eine Eifelerin", begründet er diesen Entschluss.
Noch im selben Jahr kandidierte Petry für die CDU für das Amt des Bürgermeisters in der VG Irrel - und gewann. "Ich habe den Schritt in die Eifel noch keinen Meter bereut", sagt er.Extra: Das fordert Moritz Petry

Erneuerbare Energien: "Wir müssen erreichen, dass die Windkraft ausgebaut wird, damit die Gemeinden Einkommen generieren können. Ein Problem, dass wir lösen müssen, sind die die unterschiedlichen Mindestabstände der Anlagen in den beiden VGs. Außerdem möchte ich ein Solarkataster einführen. "

Zusammenarbeit mit Luxemburg: "Hier haben wir schon viel begonnen. In Irrel arbeiten wir beim Tourismus und in der Abwasserbeseitigung mit Luxemburg zusammen. Das will ich auch auf die Our ausweiten. Auch Teile der Wirtschaftsförderung könnte man gemeinsam angehen - dafür gibt es auch EU-Fördermittel."

Medizinische Versorgung: "Die stationäre Versorgung im Neuerburger Krankenhaus sollte aufrechterhalten werden. Darüber hinaus müssen wir Modellprojekte auf den Weg bringen, um junge Mediziner hier herzubringen. Zum Beispiel könnten wir junge, heimatverbundene Eifeler beim Studium unterstützen."