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Demokratie ist, was du daraus machst

Demokratie ist, was du daraus machst

Mitreden statt akzeptieren: Franziska Jäckel geht wählen. Zum ersten Mal. Die 19-Jährige will politisch mitbestimmen. Denn sie weiß, dass auch ihre Stimme zählt.

Trier-Irsch. (cju) Reger Andrang herrscht im Wahllokal in der Grundschule Trier-Irsch. Franziska Jäckel steht in der Warteschlange vor dem Wahllokal 4072. Zum ersten Mal in ihrem Leben. Die 19-Jährige ist eine von rund 14 000 jungen Menschen im Kreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier, die in diesem Jahr zum ersten Mal wählen dürfen.

"Eine spannende Angelegenheit", findet die Trier-Irscherin. Was sie erwartet, weiß Franziska nicht. "Ich habe einen Wahlzettel als Entwurf in der Zeitung gesehen", erzählt Franziska. "Ziemlich überwältigend" sei vor allem die lange Liste der Namen gewesen - auch wenn die Namen der 19-Jährigen noch unbekannt sind. Daher beschreibt sie sich als tendenziell "parteiorientiert".

Aber auch bei den Parteien gilt es, den Durchblick zu halten. Franziska hat sich in ihrer Recherche auf die etablierten Parteien beschränkt. "Ich habe im Internet den Wahlomat ausprobiert, Parteiprogramme gegoogelt und gelesen", sagt sie. Eines hat sie gelernt: Selbst ist die Frau, vor allem wenn es um Wahlen geht. Schon bei der Bundestagswahl 2005 hat sie sich über die großen Volksparteien informiert, obwohl sie noch nicht wählen durfte.

Franziska will mitreden und wissen, was in Trier, Deutschland und Europa passiert. "Wer nicht wählen geht, hat auch nicht das Recht, sich zu beschweren, wenn etwas im Land schief geht", sagt sie. Ihre Stimme kann etwas bewirken, da ist sie sich sicher. Im Kollektiv sei jede kleine Stimme stark. "Wenn jeder denkt, dass seine Stimme nichts zählt, dann kann man die Demokratie auch abschaffen", erklärt sie. Vor allem bestärkt sie der Gedanke, dass durch ihre Stimme ihre favorisierte Partei am Ende auch als Sieger hervorgeht.

Ein Privileg, das man wahrnehmen sollte



Demokratie - ein wichtiger Begriff für Franziska. Schließlich habe nicht jedes Land auf der Welt das Privileg, in einem demokratischen Land zu leben. "Das Wahlrecht ist ein wichtiger Bestandteil der Demokratie. Genau deshalb sollte man es wahrnehmen", betont Franziska. Uninformierte Wähler und Nichtwähler rufen bei ihr ein Kopfschütteln hervor. Schließlich unterstütze der, der nicht wählt, rechtsex treme Minderheiten.

Jetzt ist es soweit. Sie bekommt ihre Wahlzettel. Nach kurzem Warten geht es los. Zum ersten Mal in die Wahlkabine. Zum ersten Mal selbst ein Kreuz für die Demokratie setzen. Auch wenn sie in diesem Moment die jüngste Wählerin im Raum ist, so sind Jugendliche laut Franziska keineswegs politikverdrossene Nichtwähler. In ihrem Freundeskreis werde auch über Politik diskutiert - wenn auch vermehrt über globale Themen als über Kommunales. Allein in den vergangenen Wochen sei das Thema der anstehenden Wahl diskutiert worden. Denn auch für ihre Freunde ist es die erste Wahl. Politische Einstellungen wurden zwar ausgetauscht, aber beeinflussen lässt sie sich davon nicht. "Ich mache das mit mir selbst aus", sagt sie.

Die junge Frau hat klare Vorstellungen, was ihre Partei ihr bieten muss: Umweltschutz und die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs - "was nicht heißt, dass ich zwingend die Grünen wähle", betont sie. Es sind außerdem Dinge, die ihren altersgemäßen Interessen entsprechen, die Franziska in den Parteiprogrammen wiederzufinden versucht. Weniger für die Zukunft als für ihr derzeitiges Leben wähle sie. Steuern, Rentensicherung und Co. seien für sie derzeit noch nicht relevant. "Aber das ändert sich, je nachdem, was im Leben gerade aktuell passiert."

Geschafft, die Kreuze sind gesetzt, die Zettel in den Wahlurnen versenkt. Franziska ist zufrieden. "Jetzt hoffe ich nur, dass ich alles richtig gemacht habe", sagt sie. "Nicht, dass schon bei der ersten Wahl meine Zettel ungültig sind."