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Der Alptraum der Personenschützer

Der Alptraum der Personenschützer

Für Trier ist die Wahlkampfveranstaltung mit der Kanzlerin ein Spektakel mit Tausenden Menschen. Für die Personenschützer des Bundeskriminalamts bedeutet ein solcher Auftritt mit dem obligatorischen Bad in der Menge höchste Alarmbereitschaft. Sie müssen auf Bedrohungen sofort reagieren.

Trier. Die Porta Nigra am 2. September 2009: Bis weit in Richtung Hauptmarkt reicht die Menschenmasse, die gekommen ist, um Angela Merkel zu sehen. Neugierige, Unterstützer, Wähler, Skeptiker und wohl auch Gegner wollen miterleben, wie die Bundeskanzlerin sich präsentiert. Merkel nähert sich den Zuschauern, schüttelt Hände, beantwortet Fragen. Das Team ihrer Personenschützer muss ständig von einem Angriff ausgehen. Denn die Bundeskanzlerin gehört zur Gefährdungsstufe eins. Das bedeutet: "Mit einem Anschlag ist zu rechnen." Der Wahlkampf bietet ideale Gelegenheiten, das zeigen viele Fälle (siehe Extra).Bundestagswahl 2013


Das Bundeskriminalamt (BKA) stellt den Personenschutz für die Kanzlerin, die Minister, den Bundespräsidenten und die Mitglieder des Bundestages, Bundesrates und Bundesverfassungsgerichts. Das BKA hat dafür eine Spezialeinheit eingerichtet: die Sicherungsgruppe (SG) in Berlin. Spitzenpolitiker haben ein großes Team von festen Bodyguards. Wie viele genau es sind, ist ebenso Geheimsache wie jeder Aspekt des Personenschutzes. Nur soviel verrät das BKA: "Die Gewährleistung eines sicheren Raumes als Ergebnis professionellen Personenschutzes erfordert eine breite Palette ineinander greifender Maßnahmen."
Deshalb steht fest: Am 4. September herrscht in Trier eine Ausnahmesituation. Die Sicherungsgruppe ist nicht nur während des für 17 Uhr geplanten Auftritts der Kanzlerin in höchster Alarmbereitschaft. Schon lange vorher wird das Porta-Umfeld unter die Lupe genommen, Sprengstoffhunde werden das Gemäuer untersuchen. Die Strecke, die Angela Merkel im Auto und zu Fuß in Trier zurücklegt, wird festgelegt und analysiert. Auch die Polizei Trier ist im Einsatz, gibt aber keine Einzelheiten preis. Wenn Frank-Walter Steinmeier, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, am 7. September auf dem Viehmarkt auftritt, wird das BKA ebenfalls in höchster Alarmbereitschaft sein.
Trotz aller Vorbereitung ist der Auftritt vor Tausenden ein hohes Risiko. Im Ernstfall sind die Profis des BKA trainiert, ohne Schrecksekunde abgeklärt zu handeln. Es ist trotzdem nur ein Mythos, dass sich der Personenschützer in die Kugel eines Attentäters werfen muss. Der Bodyguard ist verpflichtet, das Leben seines Politikers unter hohem Risiko für sich selbst zu schützen. Aber der Job zwingt ihn nicht, sein Leben bewusst zu opfern. Unberechenbar sind geistig verwirrte Angreifer. "Hier helfen nur direkte und konsequente Aktionen", sagt ein Beamter aus dem Umfeld des Personenschutzes.Extra

25. April 1990: Eine geistig verwirrte Frau greift den saarländischen Ministerpräsidenten und SPD-Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine während einer Wahlkampfveranstaltung in Mühlheim mit einem Fleischermesser an und verletzt ihn schwer. 12. Oktober 1990: Während einer Wahlkampfveranstaltung in Oppenau schießt ein psychisch kranker Mann auf Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Zwei Kugeln treffen Schäuble, eine fängt der Personenschützer Klaus-Dieter Michalsky ab. Schäuble ist seitdem gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. 10. Mai 1991: In Halle bewirft ein Jurastudent Bundeskanzler Helmut Kohl mit Eiern. Weltberühmt werden die Bilder des Vorfalls: Der wütende Regierungschef flüchtet nicht, sondern geht auf den Werfer los. 13. Mai 1999: Auf einem Sonderparteitag der Grünen trifft ein Farbbeutel Bundesaußenminister Joschka Fischer am Ohr. Fischer erleidet Risse im Trommelfell. jp


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