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Der lange Weg zum schnellen Internet

Der lange Weg zum schnellen Internet

Ob privat genutzt oder für den Beruf, schnelles Internet kann heute entscheidend sein bei der Wahl des Wohnortes. In Bruch sind jetzt die Bagger angerückt, um die Leitungen für die Breitbandkabel zu legen. Für Ortsbürgermeister Fritz Kohl und seine Mitstreiter ist damit eine weitere Etappe auf einem langen Weg geschafft.

Bruch. Schon wieder warten: Die Bagger, die den Weg für ein schnelles Internet in Bruch freimachen sollen, kommen fünf Tage später als angekündigt. Doch Hauptsache sie sind da, damit mit der Verlegung der Internetleitungen begonnen werden kann. Auch bei dieser Verzögerung hat Ortsbürgermeister Fritz Kohl Geduld gezeigt. Darin hat er mittlerweile viel Übung.
Denn die ersten Anträge auf eine Breitbandversorgung der Gemeinde mit rund 500 Einwohnern sind schon im Jahr 2005 gestellt worden. Hartnäckigkeit und Ausdauer war notwendig, gibt der Ortsbürgermeister zu. "Wir wollten das haben, ohne Wenn und Aber", macht Kohl seine Entschlossenheit deutlich. Denn für ihn ist ein schnelles Internet eine wichtige Strukturmaßnahme für das Dorf.
Dass es nach langer Zeit nun doch endlich klappt, ist auch dem großen Engagement und der Einigkeit des Gemeinderates zu verdanken. Auch alle Dorfbewohner mussten dahinterstehen, um die gewünschte Förderung zu erhalten. Also gingen Kohl, die beiden Beigeordneten Günter Esch und Manfred Follmann sowie Gemeinderatsmitglieder von Haus zu Haus, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Mit Erfolg, auch wenn gerade bei den älteren Menschen nicht jeder direkt von der Notwendigkeit überzeugt war. Den entscheidenden Schub aber erhielt das Vorhaben beim Besuch von Innenminister Roger Lewentz anlässlich des Sonderpreises Innenentwicklung im Wettbewerb Anfang 2012, berichtet Kohl. Dort versprach der Minister: "Ein Dorf, das sich als besonders zukunftsfähig erwiesen hat, fördern wir auch besonders."
Eine solche Förderung ist wichtig, denn die Breitbandversorgung kostet Geld. 145 000 Euro müssen aufgebracht werden. 95 000 Euro werden jetzt vom Land gefördert. Den Rest von 50 000 Euro muss die Gemeinde aufbringen. Um an die Landesförderung zu kommen, musste der Ortsbürgermeister glaubhaft nachweisen, dass die Verbindungsgeschwindigkeit im Ort unter der Marke von 1 Mbit pro Sekunde liegt, was derzeit die Messzahl für die Grundversorgung ist. Wie Kohl sagt, werden derzeit in Bruch aber nur um die 500 Kbit erreicht.
Um die Sache voranzutreiben, brachte er sein Anliegen auch bei den Landtagsabgeordneten der Region vor, um so besser in Mainz vertreten zu werden.
In Bruch ist man jetzt ein ganzes Stück weiter. Doch noch geht es langsam beim Internetsurfen, denn wenn die Leitungen liegen, kann es noch eine Weile dauern, bis schließlich alles geschaltet ist. Aber auch hier sind Kohl und die beiden Beigeordneten Esch und Follmann optimistisch. Es sei von der Telekom vertraglich zugesichert, dass innerhalb eines Jahres alles läuft. Kohl ist optimistisch und hofft sogar auf den Frühsommer.
Für andere Gemeinden hat Kohl einen Ratschlag: Hartnäckig bleiben und das persönliche Gespräch suchen.Extra

Eine eindeutige Definition von Breitband gibt es nicht. Grundsätzlich wird bereits von Breitband gesprochen, wenn Datenempfangsgeschwindigkeiten über dem ISDN-Standard (128 Kbit/s) liegen. Lange Zeit galt 1 Mbit/s als tatsächlicher DSL-Standard und wurde auch bei der Beantragung von Fördermitteln als Schwelle der Interversorgung definiert. Aufgrund der gewachsenen Ansprüche an die Online-Nutzung wurde diese Schwelle im Förderprogramm im Jahr 2010 auf 2 Mbit/s im Datenempfang angehoben. Grundsätzlich lassen sich die Anschlusstechniken unterscheiden in leitungsgebundene (Festnetz) und drahtlose Anschlüsse. Die Anschlussleitung kann aus Kupfer (Telefon- oder Stromleitung, TV-Kabel) oder Glasfaser bestehen, die Funkverbindung per Mobilfunk, Richtfunk, WLAN oder Satellit aufgebaut werden. Quelle: Sachstandsbericht der Kreisverwaltung aus dem Jahr 2011Extra

Während ältere Menschen sich eher langsam ans Internet herantrauen, gehört es für junge Menschen einfach dazu. Auch in Bruch. "Es ist schon sehr langsam", sagen Nadine Remmy (15) und Annalena Schmitz (16). Auch Benedikt Zwang (13) freut sich auf eine schnellere Verbindung, er spielt gern am Computer. "Manchmal ist das auch wichtig für die Schule", ergänzt Theresa Zwang (16). Einig sind sich die vier und auch die 14-jährige Kerstin Weirich, die das Internet auch übers Handy nutzen: Wegziehen aus Bruch würden sie nicht, zumindest nicht wegen zu langsamen Internets. noj