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Der SPD graut es vor Schwarz-Rot

Berlin. Bei der Analyse des Wahlergebnisses und den zu ziehenden Konsequenzen bleiben die Sozialdemokraten vorerst im Ungefähren. Immerhin: Es gibt keine Personaldiskussion. Stefan Vetter

Berlin. Für die Spitzen der SPD war die Nacht kurz. Schon am frühen Montagmorgen betreten Parteichef Sigmar Gabriel und Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wieder jene Bühne im Willy-Brandt-Haus, auf der sie am Abend zuvor die Wahlniederlage ihrer Partei eingestehen mussten. Zum rot-grünen Wunschbündnis hat es nicht gereicht. Kommt nun die große Koalition?
Darüber erhoffen sich die wartenden Journalisten wenigstens etwas Aufschluss. Aber sie werden enttäuscht. Zu tief sitzt offenbar die Niederlage, um schon über strategische Szenarien zu referieren. Stattdessen nutzt Gabriel die Inszenierung, um Steinbrück noch einmal für seinen Wahlkampf zu loben ("Große Klasse") und mit einem breit interpretierbaren Satz zu bedenken: "Vielen Dank, dass Du an Bord bleibst und mit uns gemeinsam die SPD weiter stärken und führen willst."
Heute Wahl des Fraktionschefs


Bereits am Wahlabend hatte Steinbrück seine Bereitschaft betont, "auch in Zukunft" für seine Partei Verantwortung zu übernehmen. Da er einen Ministerposten in einer möglichen großen Koalition weiter ausschließt, keimten Spekulationen, Steinbrück liebäugle womöglich mit dem Fraktionsvorsitz, den Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier erneut für sich anstrebt. Die Wahl findet voraussichtlich schon heute statt. Zumindest dieses Rätselraten beendet Gabriel aber am Montagnachmittag: "Selbstverständlich" unterstütze er Steinmeiers Wiederwahl, so der Parteichef im Anschluss an die Vorstandssitzung.
Rund zweieinhalb Stunden sitzt das Führungsgremium hinter verschlossenen Türen zusammen, um über den schlechten Wahlausgang zu beraten. Teilnehmern zufolge kommen Personalfragen nicht zur Sprache. Wie es nun weitergehen soll, ist erst recht unklar. Schon am Sonntagabend war im Willy-Brandt-Haus deutlich geworden, dass die meisten Genossen eine Neuauflage der großen Koalition fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Als sich die Union zwischenzeitlich der absoluten Mehrheit zu nähern schien, gab es sogar Beifall. Immer noch besser so, als Angela Merkel erneut zur Macht zu verhelfen, lautete die Devise.
Das 23-Prozent-Desaster aus dem Jahr 2009 wirkt nach. Dabei waren Union und SPD vordem fast gleich stark gewesen. Diesmal, das schwant jetzt vielen Genossen, wäre es keine Koalition auf Augenhöhe. Die Union verfügt im neuen Bundestag über satte 311 Sitze, die SPD nur über 192.