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Dicker Denkzettel für die CDU

Dicker Denkzettel für die CDU

Denkzettel für die Platzhirsche: Die CDU hat bei der Kreistagswahl im Landkreis Vulkaneifel die bisherige absolute Mehrheit verloren. Neu im Dauner Parlament: die Bürger Union Vulkaneifel und die Linke.

Daun. Kreisverwaltung Daun, Sonntag um 22.07 Uhr: Noch sind zwar erst knapp 100 der 156 Stimmbezirke ausgezählt. Aber eine Entwicklung, die sich bereits den ganzen Abend lang abzeichnete, setzt sich fest: Die CDU verliert ihre absolute Mehrheit. Die Christdemokraten rutschen von 55,1 Prozent Stimmenanteil im Jahr 2004 auf unter 40 Prozent ab.

Nach Stand der Dinge bei Redaktionsschluss verliert die CDU damit sieben ihrer bisher 21 Mandate. Außerdem sind wahrscheinlich zwei neue Gruppierungen im Kreistag vertreten: die Bürger Union Vulkaneifel (BUV) mit voraussichtlich fünf Sitzen und die Linke mit einem Sitz. "Der neue Kreistag wird schön bunt aussehen", sagt Günter Willems, Chef der Kommunalabteilung in der Kreisverwaltung.

Bunt - und mit deutlich weniger Schwarz-Anteil: Viele werten das als Ohrfeige der Wähler für die gescheiterte Bankenfusion des Vorjahres (der TV berichtete). "Das ist wirklich eine Quittung allererster Sahne", sagt SPD-Spitzenkandidatin Astrid Schmitt, "für den Umgang mit den Bürgern bei der Sparkassengeschichte."

"Ein spannender Abend"



Das Ergebnis der Sozialdemokraten (22,2 Prozent) läuft auf ein knappes Stimmen-Plus von etwa 1,5 Prozent hinaus (8 statt 7 Sitze). "Offensichtlich haben wir leicht dazugewonnen", sagt As-trid Schmitt. Aber noch sind ja nicht alle Bezirke ausgezählt: "Es wird ein spannender Abend."

Das Sparkassen-Argument will CDU-Spitzenkandidat Herbert Schneiders nicht als einzigen Grund für die herben Verluste seiner Partei gelten lassen: "Eine endgültige Beurteilung fällt mir noch schwer. Aber schauen Sie sich die Ergebnisse landes- und bundesweit an. Da passt das irgendwo schon dazu. Wobei das auch nicht tröstet. Natürlich ist das ein enormer Verlust, da gibt es nichts zu beschönigen."

Stattdessen gebe es jetzt eben eine "bunte Vielfalt" im neuen Kreistag - "und ich hoffe, dass diese Vielfalt die künftige Arbeit nicht erschwert."

Karin Pinn, Kreisvorsitzende und Fraktionssprecherin der FWG: "Wir sind sehr enttäuscht: Wir haben unser erstes Ziel zwar erreicht - die CDU-Herrschaft zu brechen. Wir haben aber wohl deutlich an die BUV verloren." Zur künftigen Arbeit im Kreistag sagt sie: "Wir für unsere Seite werden weiterhin sachlich und konstruktiv arbeiten. Wir werden uns aber alle zusammenraufen müssen."

"Absolut zufrieden" ist hingegen Elmar Möller, der 3. Vorsitzende der neu angetretenen BUV, die zu diesem Zeitpunkt drittstärkste Kraft zu werden scheint. "Das ist für uns erst einmal ein ganz großer Erfolg. Jetzt werden wir versuchen, die bestmögliche Arbeit für die Bürger im Vulkaneifelkreis zu leisten."

Sonntagabend, 22.45 Uhr: 117 Bezirke sind ausgezählt. Die Sitzverteilung zu diesem Zeitpunkt: CDU 14, SPD 8, BUV 5, FDP 4, FWG 4, Bündnis 90/Die Grünen 2, die Linke 1.

Schlusswort von Landrat Heinz Onnertz: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich ein Gegner von absoluten Mehrheiten bin."