Die FDP-Frau mit dem Draht nach Mainz

Die FDP-Frau mit dem Draht nach Mainz

Rita Wagner will ihre kaufmännischen Kenntnisse in die Verwaltung einbringen. Die 56-Jährige setzt aber auch auf die Erfahrung, die sie in kommunalen Parlamenten und im Landtag gesammelt hat.

Hetzerath. "Das Museum zeigt 50 Millionen Jahre alte Exponate. Das ist ein Rohdiamant." Wenn Rita Wagner über das Manderscheider Maarmuseum redet, gerät sie ins Schwärmen. "Wir müssen das Museum europaweit vernetzen." Auf der ganzen Welt gäbe es nur neun Fundstätten dieser Qualität. "Das ist gigantisch!"
Rita Wagner ist ein echter Geschichtsfan. Und eine ihrer Lieblingsgeschichten ist die von Cusanus und dem Manderscheider Grafen Ulrich: "Cusanus hat für den Grafen in Rom einen Prozess geführt. Er hat verloren, weil dort ein anderes Rechtssystem galt", erklärt sie. Das sei im Prinzip wie beim Normenkontrollverfahren, das die beiden Vorgängerkommunen der neuen VG Wittlich-Land wegen der Zwangsfusion angestoßen hätten.
Wagner selbst ist eine Befürworterin der Fusion. "Gott im Himmel - Verwaltungen können heute doch zusammenarbeiten", meint die FDP-Frau: "Es ist doch legitim, Synergieeffekte zu nutzen und Geld zu sparen."
Das gelte ebenso beim Verwaltungssitz der neuen Kommune. Am Ende entscheide der neue VG-Rat, wie viele Standorte wo hinkämen. Aber ein Standort sei nun mal günstiger als zwei, sagt Wagner: "Wenn zwei billiger sind, soll man mir das vorrechnen."
Mit Zahlen kennt sich Wagner aus. Mehrere Jahre arbeitete die Diplom-Kauffrau in ganz Deutschland in verschiedenen Branchen in Marketing und Verkauf.
Das kaufmännische Handwerk lernte sie aber auch im elterlichen Betrieb in Hetzerath. "Wir hatten einen Landhandel, Baustoffe und etwas Landwirtschaft", sagt die 56-Jährige.
Wagners wichtigstes Anliegen ist das schnelle Internet. Das Netz sei heutzutage eine Grundausstattung für Innovationen und Wachstum. In der neuen VG sieht sie in Sachen Internet Nachholbedarf. "Auch die Firmen bei uns in der Region sind weltweit auf Tour", sagt sie. Wagner will ein Gesamtkonzept für die Kommune - und die Ortsgemeinden nicht alleine stehen lassen. "Da wo noch kein Internet ist, muss es hinkommen. Und da wo es schon ist, muss es schneller werden", fordert sie.
Seit 1998 ist die Hetzeratherin politisch aktiv. Sie habe damals festgestellt, dass sie mit vielen Dingen unzufrieden war: "Aber nur kritisieren hilft nicht. Wenn man etwas verändern will, muss man in die Politik gehen." Im gleichen Jahr trat sie in die FDP ein - und gründete kurze Zeit später den FDP-Verband Wittlich-Land. "Die FDP will die größtmögliche Freiheit für die Bürger und vertraut in den freien Markt. Dort habe ich mich wiedergefunden", begründet sie ihre Entscheidung für die Liberalen.
Seit 15 Jahren engagiert sie sich im Hetzerather Gemeinderat. Seit zehn Jahren ist sie zudem Mitglied im VG-Rat Wittlich-Land, seit 2004 im Kreistag. Auch in die Landespolitik mischte sie sich ein: Von 2009 bis 2011 saß sie für die FDP im Landtag. "Ich bin die Kandidatin mit der meisten politischen Erfahrung", sagt Wagner. Sie habe einen direkten Draht nach Mainz.
Ihre Stärke sei zudem, dass sie aufgrund ihrer Berufserfahrung Wirtschaft und Verwaltung verbinden könne. Dabei müsse die Politik aber behutsam vorgehen: "Politik setzt die Leitplanken. Mehr kann sie nicht sein - und mehr sollte sie nicht sein."Extra

Die neue VG soll am 1. Juli aus einer Zwangsfusion der VG Wittlich-Land und Manderscheid entstehen. Die Kommune hat dann insgesamt 45 Ortsgemeinden und 29 000 Einwohner (21 300 aus Wittlich-Land, 7500 aus der VG Manderscheid). Die Zusammenlegung wurde im Dezember 2013 vom Landtag beschlossen. Beide Kommunen haben dagegen Klage eingereicht. Eine Entscheidung des Landesverfassungsgerichts steht noch aus. 2012 standen die Verbandsgemeinden kurz vor einer freiwilligen Fusion - der Manderscheider VG-Rat legte jedoch in letzter Minute sein Veto ein. So entging der neuen Kommune auch die "Hochzeitsprämie", die das Land für freiwillige Fusionen ausgelobt hatte. senExtra

In der VG Manderscheid wurde 2009 Amtsinhaber Wolfgang Schmitz (CDU) ohne Gegenkandidat wiedergewählt. Christoph Holkenbrink (ebenfalls CDU) lenkt seit 22 Jahren als Bürgermeister die Geschicke der VG Wittlich-Land. Holkenbrink tritt aus Altersgründen nicht mehr an. senExtra

Tourismus-Ausschuss: "Es gibt in unserer neuen VG sehr unterschiedliche Auffassungen über die Wertstellung des Tourismus. In Manderscheid hat er mehr Raum - und das gilt es, zu respektieren. Aber auch die alte VG Wittlich-Land hat ihre Attraktionen. Im Ausschuss können sich die Ratsmitglieder mit dem Thema auseinandersetzen." Entlastung von Familienangehörigen: "In Reil (VG Kröv-Bausendorf) gibt es ein tolles Modellprojekt: Demenzkranke werden für einen Tag von morgens bis abends im Bürgerhaus betreut. Bei der Finanzierung ist die Pflegekasse mit im Boot. Die pflegende Familie hat einen Tag frei, um zu verschnaufen. So etwas möchte ich den Ortsbürgermeistern auch anbieten." Windkraft: "Wir haben in der VG kaum ernteträchtige Flächen, die sich rentieren. Aber wenn gebaut wird, muss das geordnet ablaufen. Die Anlagen müssen auf wenige Flächen konzentriert werden, weg von den Gemeinden. Und es braucht das Einverständnis der Bürger - und zwar auch der Bürger angrenzender Gemeinden."sen