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Die Hoffnungsträgerin will hoch hinaus

Die Hoffnungsträgerin will hoch hinaus

Sie macht kein Hehl aus ihren Ambitionen: "Ich will den Wahlkreis gewinnen", sagt Katarina Barley. Sollte die Operation Direktmandat fehlschlagen, hat die 44-jährige Schweicherin als Siebtplatzierte der SPD-Landesliste dennoch gute Chancen auf den Einzug in den Bundestag.

Trier/Schweich. Die SPD-Kandidatin sorgt auch jenseits von Politikthemen für Gesprächsstoff: "Dr. Katarina Barley" steht auf den Wahlkampfplakaten, mit denen sie nicht ganz glücklich ist. "Das Foto gefällt mir nicht wirklich." Aber zum "Dr." steht sie, auch wenn ihr das schon mal als "Arroganz" angekreidet wird. "Ich baue auf den Wiedererkennungseffekt. Der Doktortitel ist Namensbestandteil und steht deshalb auch auf dem Wahlzettel. Und ich bin eben die einzig Promovierte unter den Direktkandidaten unseres Wahlkreises."
Ihre Doktorarbeit hat sie vor knapp 20 Jahren über "Kommunalwahlrecht für Unionsbürger" geschrieben. Als Juristin kam die gebürtige Kölnerin - Vater Redakteur bei der Deutschen Welle, Mutter Ärztin - in die Region Trier: Dort war sie erst Referendarin, später Richterin am Landgericht Trier und am Amtsgericht Wittlich. Seit 1994 gehört sie der SPD an und wurde gleich Vorstands- und Ortsbeiratsmitglied in Trier-Nord - als politisches Talent quasi entdeckt von Klaus Schiller (83). Der damalige SPD-Platzhirsch im größten Stadtteil Triers war der erste in einer langen Reihe politischer Mentore und Fürsprecher, die aktuell bis Ministerpräsidentin Malu Dreyer reicht: "Ohne sie würde ich nicht als Triers erste SPD-Frau für den Bundestag kandidieren."
Dass sie den Sprung in den Bundestag tatsächlich schafft, sei natürlich "noch längst nicht ausgemachte Sache, aber ich bin - wie immer - optimistisch". Sollte es nicht gelingen, dem CDU-Kandidaten Bernhard Kaster das Direktmandat abzuluchsen ("Was aber mein erklärtes Ziel ist"), dann könnte es über die Landesliste klappen. Dort rangiert die SPD-Hoffnungsträgerin auf Platz sieben. So wie 2009 ihr nun aus dem Berliner Parlament ausscheidender Genosse Manfred Nink (63), der sich allerdings damals am Wahlabend als Verlierer wähnte: Er hatte sich angesichts der für seine Partei wenig verheißungsvollen ersten Hochrechnungen früh zu Bett begeben und erst am nächsten Morgen erfahren, dass er es doch geschafft hatte. "Ich gehe davon aus, dass uns diesmal eine Zitterpartie erspart bleibt", sagt Katarina Barley, die in Berlin "eine gute Abgeordnete für die Region sein" und in ihrer Fraktion "gute Arbeit machen" will. Ihr Familienleben werde von einer Abgeordnetentätigkeit nicht beeinträchtigt: Die geschiedene und in einer festen Beziehung lebende Mutter zweier Söhne (17 und neun) pendelt schon seit Jahren in ihrer Eigenschaft als Referentin im Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz zwischen ihrem Wohnort Schweich und Mainz - "und die Familie kommt gut klar damit".
Ihr Traumjob in Berlin? "Wenn ich mir einen aussuchen dürfte, dann Bundespräsidentin." Ursprünglich habe sie Diplomatin werden wollen, denn: "Ich kann in der Sache streiten, ohne persönlich zu werden." Und wie steht es mit der Arroganz, die ihr gelegentlich angedichtet wird? Da sei "rein gar nichts" dran. Für arrogant werde sie "allenfalls von Leuten gehalten, die mich nicht kennen oder mich nicht kennen lernen wollen".Extra

Bei ihrer Kür zur Bundestagkandidatin am 3. November 2012 stimmten 67 von 68 Delegierten für Katarina Barley (Schweich). Bekannt geworden ist die Juristin durch die Landratswahl 2005, bei der sie 44,6 Prozent der Stimmen erreichte. Bei der Bundestagswahl 2009 kam Direktkandidat Manfred Nink (Kenn) auf 25,9 Prozent der Erststimmen (SPD-Zweitstimmen: 22,3 Prozent), schaffte aber über die Landesliste ganz knapp doch noch den Einzug in den Bundestag. Im Juli 2012 erklärte Nink, sich aus gesundheitlichen Gründen 2013 nicht mehr zur Wahl zu stellen. rm.Extra

Der Bundestags-Wahlkreis 204 umfasst die Stadt Trier und den Kreis Trier-Saarburg. Bei der Wahl 2009 gab es bei insgesamt 191 696 Wahlberechtigten eine Wahlbeteiligung von 72,2. Prozent. Im Bundesdurchschnitt lag die Wahlbeteiligung bei 70,8 Prozent.Extra: Drei politische Forderungen

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