| 20:38 Uhr

Die "Kleinen" haben das Wort

Der Rathaussaal in Trier ist das Wahlbüro der Stadt. Viele der stimmberechtigten Bürger werden hier am Ende der Woche ihr Kreuzchen machen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Der Rathaussaal in Trier ist das Wahlbüro der Stadt. Viele der stimmberechtigten Bürger werden hier am Ende der Woche ihr Kreuzchen machen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. Nur noch wenige Tage bis zur Bundestagswahl am 22. September. Der TV stellt heute weitere Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 204 vor. Michael Schmitz

Trier. Die großen Parteien bestimmen im laufenden Bundestagswahlkampf das Bild in vielen Städten und Dörfern mit der Unmenge von Plakaten, Großflächenplakaten und Infoständen in den Fußgängerzonen. Doch neben den großen Parteien treten auch zahlreiche kleinere zur Wahl an.
Nachdem wir in der vergangenen Woche die Direktkandidaten der bereits im Bundestag vertretenen Parteien von CDU (Bernhard Kaster), SPD (Katarina Barley), Corinna Rüffer (Grüne), Henrick Meine (FDP) und Katrin Werner (Linke) vorgestellt haben, sind heute die Bewerber dreier weiterer Parteien dran.Bundestagswahl 2013


Wir haben Luda Adéle Liebe von den Freien Wählern, Andreas Brühl von den Piraten und Christian Nicolay von der Partei "die Partei" gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, bei dem es um ihr politisches Engagment, ihre politischen Ziele und einige Angaben zur Person geht. Ein paar Hinweise noch zu ihren Parteien:

Die Piraten sind unter den "kleinen" mittlerweile die größten. Sie sind nach eigenen Angaben mit 45 Abgeordneten in vier Landtagen und 157 Mandaten in kommunalen Parlamenten vertreten.

Die Freien Wähler streben den Einzug in den Bundestag an. Dabei handelt es sich nicht um den Dachverband der in vielen Kommunalparlamenten vertretenen Freien-Wähler-Gruppierungen, sondern um die bislang noch deutlich mitgliederschwächere Landesvereinigung Freie Wähler Rheinland-Pfalz (FW).

Die Partei: "Partei" steht als Abkürzung für Partei für Arbeit, Rechtsschutz, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Wer sich über die doch eher ungewöhnlichen politischen Ziele wundert, sollte sie vor allem mit Humor nehmen: An der Spitze der Partei steht der ehemalige Chef der Satire-Zeitschrift Titanic, Martin Sonneborn (auch bekannt aus der ZDF-Heute-Show), und einer der Haupt-Werbeslogans lautet in Abwandlung der SPD-Werbung "Das Bier entscheidet".
Luda Adéle Liebe, Freie Wähler

Ich engagiere mich bei den Freien Wählern auf Bundesebene, weil ... immer mehr Gesetze, die von Kommunen und Bürgern ausgebadet werden müssen, in Berlin und Brüssel gemacht werden. Das sind meine drei wichtigsten politischen Forderungen :
1. Nachhaltige Finanz- und Haushaltspolitik im Sinne einer Gemeinwohlökonomie, mit Verschärfung der Bankenaufsicht.
2. Eine starke Stellung der Kommunen mit mehr eigener Finanzhoheit.
3. Mehr Bürgerbeteiligung auf Bundesebene, zum Beispiel über Volksbegehren, Direktwahl des Bundespräsidenten.

Dieses Erlebnis aus dem Wahlkampf bleibt mir in Erinnerung : Es ist für mich eine besondere Erfahrung, mir selbst auf Plakaten in meiner Heimatstadt und der Region zu begegnen :-)

Alter: keine Angabe
Beruf: Unternehmerin, Trainerin, Galeristin.
Familienstand: verwitwet, ein Sohn.
Hobbys: Meine Interessen sind breit angelegt - Menschen, Kunst, Kultur, Natur, Forschung, Technik, Wissenschaft genauso wie eigene körperliche Bewegung, Fußball (BVB), Formel 1, Kulinarisches und alles für meine Sinne und mein Wohlbefinden.
Bei den Freien Wählern seit : 2013

Andreas Brühl, Piraten

Ich engagiere mich bei den Piraten, weil ... die im Bundestag vertretenen Parteien meine Interessen nicht ver- treten und sich von selbst nichts daran ändert.

Das sind meine drei wichtigsten politischen Forderungen:

1. Mehr soziale Gerechtigkeit: Ich will eine Grundversorgung erreichen, die jedem Bürger auch eine Teilhabe an Kultur und Gesellschaft ermöglicht. Dazu gehören freier Eintritt in Museen, fahrscheinloser ÖPNV, ein bedingungsloses Grundeinkommen und solidarische Krankenversicherung.

2. Mehr Transparenz: Politik in Hinterzimmern führt zu Macht- missbrauch. Nur wenn man den Politikern jederzeit auf die Finger schauen und alle Entscheidungen nachvollziehen kann, ist ein Vertrauen in ihre Arbeit möglich. Dazu gehört auch der freie Zugang zu öffentlichen Daten.

3. Mehr Privatsphäre: Die NSA- Affäre offenbart, dass jetzt schon jeder im Namen des "Kampfs gegen den Terror" umfassend überwacht wird. Die dahingehenden Entwicklungen und Gesetze der letzten Jahre müssen zurückge- nommen werden. Auch das Internet ist Sache des Verbraucherschutzes.

Dieses Erlebnis aus dem Wahlkampf bleibt mir in Erinnerung: Während des Stadtlaufs in Bitburg wollte ein Teilnehmer von unserem Infostand ein Fähnchen mitnehmen. Mir fiel es bei der hektischen Übergabe herunter, und er kam extra zurück, um es aufzuheben und mitzunehmen. Ich dachte nur: Wow!

Alter: 38
Beruf: Informatiker
Familienstand: verheiratet
Hobbys: Politik, Yoga und alles, was das Gehirn beschäftigt.

Bei den Piraten seit: Januar 2012

Christian Nicolay, die Partei

Ich engagiere mich bei der Partei weil, ... ich hoffe, eine schöne Pension zur Sicherung meines mondänen Lebensstils im Alter zu beziehen, obwohl Politiker grotesk unterbezahlt sind.

Das sind meine drei wichtigsten politischen Forderungen:

1. Erbauung der Moselautobahn: als Politiker sollte man immer Autobahnen bauen, das bleibt im Wählergedächtnis. Die naturnahe Betonierung eines Flussbettes erhöht den Erinnerungsfaktor.

2. Öffnung der Innenstadt Triers für den Durchgangsverkehr: vierspuriger Ausbau der Simeonstraße bei gleichzeitiger Errichtung eines "Drive-through"- Schnellimbisses in der Porta Nigra (diese latent rassistische Be- zeichnung werden wir ändern in "Porta Pigmentata Maxima"). Mit der neuen Bezeichnung des Win- tersportgebietes "Schwarzer Mann" werden wir uns nach der Machtübernahme beschäftigen.

3. Inhalte überwinden: Politik darf nicht durch Inhalte gekenn- zeichnet sein, dies haben mittlerweile auch die "etablierten" Parteien verstanden. Viel wichtiger ist es, sympathisch rüberzukommen. Dieses Erlebnis aus dem Wahl- kampf bleibt mir in Erinnerung: Ein augenscheinlich in Ostdeutschland beheimateter Mann erboste sich lautstark über unser Vorhaben, die neuen Bundeslän- der baulich vom Rest der Republik abzutrennen. Wenigstens haben wir so Werbemittel eingespart.

Alter: 39
Beruf: Pädagoge
Familienstand: ledig, Kinder sind mir zu teuer.
Hobbys: wenn ich ausnahmsweise über Tagesfreizeit verfüge: Peddigrohrflechterei, Kraftsport, Lautmalerei

In der "Partei" seit: ich denken kann.