Die Zeit der Streitereien ist zumindest für einen Abend vorbei

Die Zeit der Streitereien ist zumindest für einen Abend vorbei

Hubertus Kesselheim (CDU), Patrice Langer (SPD), Helmut Reichert (ÖDP): Einer von ihnen wird neuer Traben-Trarbacher Stadtbürgermeister. TV-Redakteur Winfried Simon und die Zuhörer prüften sie auf Herz und Nieren.

Traben-Trarbach. Jahrelang andauernder Streit in Traben-Trarbach? Beim TV-Forum zur Stadtbürgermeisterwahl ist davon nur wenig zu merken. Die Kandidaten von CDU (Hubertus Kesselheim) und SPD (Patrice Langer) sind bei den wichtigen Themen ganz nah beieinander, wie vor allem Kesselheim mehrfach betont. Den Dritten im Bunde, Helmut Reichert (ÖDP), vergessen sie dabei, was der CDU-Mann nach dem Forum auch etwas zerknirscht einräumt.
Reichert ficht das aber nicht an. Mit einigen lockeren Sprüchen sorgt der ehemalige Bauingenieur für Heiterkeit bei den 300 Zuhörern in der Lorettahalle. Der 73-Jährige beweist aber auch, dass er die Probleme in der Stadt kennt. Die sind natürlich auch den Kandidaten der beiden großen Parteien präsent.
Natürlich stellt TV-Redakteur Winfried Simon die Frage, wie Hubertus Kesselheim den Riss kitten will, der seit etwa zwei Jahren die CDU spaltet. "Man kann Zukunft nur gestalten, wenn man aus der Vergangenheit lernt", sagt der 53 Jahre alte Theologe und Reiseverkehrskaufmann. Er sehe auch keinen Streit, sondern nur neue Mehrheiten innerhalb der CDU. Wichtig sei es, miteinander zu reden. Er gesteht aber ein, dass es "sehr viele menschliche Verletzungen gab".
Ob er von dem Streit profitieren könne, fragt Simon SPD-Mann Langer. Der 60 Jahre alte frühere Mitarbeiter des Amtes für Wehrgeophysik kartet nicht nach. "Was war, ist nicht mehr existent. Wir sollten nach vorne schauen." Auch Helmut Reichert schüttet kein Öl ins Feuer. "Darüber mache ich mir keine Gedanken", sagt er.
Ob da ein Stück Normalität im politischen Umgang wieder Einzug hält? Die nächsten fünf Jahre werden es zeigen.
Ein gemeinsames Anliegen der drei Kandidaten: Die Trarbacher Altstadt muss wieder lebenswert werden. Dazu gehöre auch dass, der Schwerlastverkehr sich andere Wege suchen müsse. Hier könnte ein wichtiges Feld für einen Stadtentwickler sein. Den wollen Kesselheim und Langer auch. Reichert lehnt ihn strikt ab. Erst müssten die Bürger sagen, was sie wollen und können.
Für CDU und SPD steht auch fest: Ein Jugendpfleger soll her. Auch den lehnt Reichert ab. "Das muss von den Jugendlichen selbst kommen", sagt er. Dass man der steigenden Jugendkriminalität Herr werden muss, ist allen drei ein Anliegen.Kommunal wahl


Nach gut einer Stunde kommen auch die Besucher zu Wort. Wie so oft läuft die Fragerunde zögernd an. Doch nach und nach melden sich Leute zu Wort. Frank Assion fragt: Soll der Weihnachtsmarkt auch auf den Stadtteil Trarbach ausgeweitet werden. Für Langer und Kesselheim keine Frage. Es gehe auch um eine Entzerrung. Der Markt platze jetzt aus allen Nähten.
Reicherts Erklärung sorgt für Lacher. Er berichtet von der Eisbahn am Bahnhof. "Die haben die Alten mit Wärmflaschen erobert." Weil er gerade so schön dabei ist, wettert er noch gegen den Standort des Musikpavillons in Trarbach: "Da blasen die Musiker gegen den Wind."
Die Kassen sind leer. Gibt es Sparpotenziale? "Darüber muss der neue Stadtrat sprechen", sagt Langer. "Wir können uns nicht tot sparen", merkt Kesselheim an. "Wir sollten nicht viel einsparen, aber keine neuen Schulden machen", fordert Reichert.
Nach gut zwei Stunden ist Schluss in der Lorettahalle. Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieses Abends fassen Jürgen Kullmann und Helmut Pönnighaus gegenüber dem TV so zusammen. "Es war fair", betonen sie.Extra

TV-Redakteur Winfried Simon (links) mit den drei Bewerbern für das Stadtbürgermeisteramt: Patrice Langer (Zweiter von links), Hubertus Kesselheim (Zweiter von rechts) und Helmut Reichert (rechts). TV-Foto: Klaus Kimmling.

Am Ende des Forums haben die drei Kandidaten zwei Minuten Zeit, um zu sagen, warum gerade sie und kein anderer gewählt werden soll. Dieses Bewerbungsgespräch steht sowieso auf dem Zettel von Moderator Winfried Simon, wird aber auch vom Publikum gewünscht. Hubertus Kesselheim schöpft die Zeit aus und gibt sich selbstbewusst. Er könne gut zuhören, auf Menschen zugehen, habe eine ausgeprägte Führungskompetenz und könne Sitzungen leiten. Durch seine lange Erfahrung als Reiseverkehrskaufmann sei er außerdem ein Touristikfachmann. Die Zeit für das Amt nehme er sich, indem er die Stundenzahl in seinem Hauptberuf reduziere. Patrice Langer kommt mit wesentlich weniger Zeit aus und gibt sich zurückhaltender als sein Vorredner. Er bringe die Zeit für das Amt mit. Er wolle die Bürger nicht nur informieren sondern in sein Handeln einbeziehen. Das Wissen und das Engagement der Mitmenschen sei ein Schatz. Helmut Reichert hat die Lacher auf seiner Seite. Die Bürger könnten mit seiner Zuverlässigkeit rechnen. Er werde Traben-Trarbach bestimmt nicht auf den Kopf stellen. Er wolle arbeiten und nicht repräsentieren. Dafür gebe es Zeremonienmeister, die das für ihn machen würden. cb