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Drei Bewerber für ein Amt

Speicher. Drei Kandidaten gehen an den Start: Manfred Rodens (CDU) sowie die beiden freien Kandidaten Agnes Tillmann-Steinbuß und Johannes Mans wollen sich zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher wählen lassen. Sie haben sich beim TV-Wahlforum am Donnerstagabend im Pfarrheim in Speicher den Fragen von Redakteurin Katharina Hammermann gestellt. Mandy Radics

Speicher. So weit voneinander entfernt wie Nordpol und Südpol: Die Ansichten der drei Kandidaten für den Bürgermeisterposten in der Verbandsgemeinde (VG) Speicher driften in einem Punkt auseinander. Manfred Rodens (CDU) will "eine gemeinsame Linie fahren, um die VG unbedingt zu erhalten". Dem stimmt Johannes Mans zu und sagt: "Ich setze mich bis zur letzten Patrone dafür ein, dass die VG erhalten bleibt." Dafür gibt es Applaus vom Publikum.
Kandidatin Agnes Tillmann-Steinbuß vertritt eine komplett gegenteilige Ansicht: "Das Land sagt, die VG Speicher ist zu klein. Deshalb sollten wir die Fusion angehen, damit uns kein Geld entgeht." Für diese Aussage erntet die 61-Jährige von einigen Zuschauern verärgertes Gegrummel.Schule, Kita, Demografie


Redakteurin Katharina Hammermann fühlt den Kandidaten beim TV-Wahlforum am Donnerstagabend im Pfarrheim Speicher mit vielen Fragen zu heißen Eisen in der VG auf den Zahn.
Was wird aus dem Schulzentrum Speicher? Wie wollen Sie die VG auf den demografischen Wandel vorbereiten? Wie stehen Sie zum teuren Neubau der Kita? Auch der noch amtierende Bürgermeister Rudolf Becker, der sich derzeit mit dem Vorwurf der Untreue auseinandersetzen muss (der TV berichtete), sitzt im Publikum. "Aber das soll heute nicht Thema sein. Heute geht es um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit", so Hammermann.
In ihren flammenden Reden, für die die Kandidaten vier Minuten Zeit haben, versuchen die Drei, die 180 Zuschauer von ihren Absichten zu überzeugen. Schon dabei werden die unterschiedlichen Sichtweisen klar. Hier treffen ein Finanzexperte, Manfred Rodens, eine Mathematikerin, Agnes Tillmann-Steinbuß, und ein Pädagoge, Johannes Mans, aufeinander.
Die einzige Dame in der Runde will mit Sachkompetenz punkten. "Eigenwerbung ist nicht meine Stärke", erklärt sie. Aber: "Ich denke, dass die Menschen mich brauchen, vor allem die Kinder", sagt sie. Das Thema Rettung des Schulzentrums will sie angehen, obwohl "ich keine Versprechungen machen kann".
Mans setzt als Verantwortlicher für die Seniorenheime in der Eifel auf seine soziale und wirtschaftliche Kompetenz: "Mein Schwerpunkt waren schon immer Kinder, Jugendliche und alte Menschen", sagt er. Er will Einrichtungen für alte Menschen schaffen und die ärztliche Versorgung auf dem Land sichern. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern habe er als Pädagoge eine andere Sicht auf die VG, die viel Potential habe. Auch die Vereinsarbeit habe eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung, sagt er.
Rodens kennt als Filialleiter der Sparkasse Speicher "das Umfeld, die Vereine, das Gewerbe und die Menschen". Durch sein Amt als Ortsbürgermeister von Alsdorf habe er "große Erfahrung als kommunaler Vertreter" und viel bewegt. Einsetzen will er sich für den Erhalt des Schulzentrums, alte Menschen und mehr Gewerbe in Speicher.Kommunalwahl 2014


Auch beim Schulzentrum scheiden sich die Geister. Dort gibt es Pläne, die alte leerstehende Hauptschule abzureißen, um an deren Stelle eine 4,8 Millionen Euro teure Kita zu bauen.
Die angrenzende Schule wollen alle drei unbedingt erhalten, obwohl das Land bereits deren Auflösung in Gang gesetzt hat. Rodens: "Für die Entscheidung habe ich kein Verständnis." Es gebe die Option einer Privatschule. Aber Versprechungen könne er nicht machen. "Wenn eine Schule wegfällt, blockiert das das Wachstum der Gemeinde", sagt Mans. Tillmann-Steinbuß will "erstmal kleine Brötchen backen". Ihr Ziel: 51 Anmeldungen für zwei fünfte Klassen. Das gehe nicht, ruft ein Zuschauer, die Schüler werden direkt nach Bitburg geschickt. Deshalb brauche es ein Einlenken der Bildungsministerin, um die Erlaubnis zu bekommen, so die Kandidatin.
Und die Kita? "Es ist zu schade, die Hauptschule abzureißen, das ist solide Bausubstanz", meint Tillmann-Steinbuß. "Die Hauptschule steht leer. Der Umbau wäre genauso teuer gewesen wie der Neubau. Abreißen ist die richtige Entscheidung", sagt Rodens. Mans: "Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich das Thema nochmal überdenken." Ihm fehlen integrative Gruppen in der Planung. Die seien künftig wichtig. Außerdem sei die Bausumme von fast fünf Millionen Euro bei einem Zuschuss von nur 540 000 Euro enorm.
Jetzt sind die Zuschauer dran. "Können Sie sich vorstellen, die Niederschriften der Ratssitzungen öffentlich zu machen?" Die Drei sind sich einig. Ja, befinden alle einhellig. "Frau Tillmann-Steinbuß, ist es nicht eine Schande, dass Sie als Bürgermeisterin als erstes die Auflösung der VG anstreben?" Man müsse sorgsam mit Steuermitteln umgehen, sagt die Angesprochene. "Wir können viel Geld sparen, wenn kleine Verbandsgemeinden fusionieren." Rund anderthalb Stunden hört das Publikum den Kandidaten aufmerksam zu. Ruhig und fair geht die Podiumsdiskussion schließlich zu Ende.