1. Dossier

Drei Verlierer und nur ein Gewinner

Drei Verlierer und nur ein Gewinner

Zuwächse für die CDU, ein stabiles Abschneiden der SPD, lange Gesichter bei der Linken, der FWG und den Bürgern für Bürger (BFB) sowie ein alter Bekannter, der nun als Pirat weiter politisch mitmischt: So lässt sich in Kurzform das Ergebnis der Stadtratswahl in Hermeskeil zusammenfassen.

Hermeskeil. Wer künftig als Bürgermeister die Sitzungen des Stadtrats leitet, entscheidet sich zwar erst am 8. Juni in der Stichwahl zwischen Amtsinhaber Udo Moser (BFB) und CDU-Kandidat Mathias Queck. Aber über die Zusammensetzung des 22-köpfigen Gremiums herrscht nach Auszählung der sechs Stimmbezirke bereits Klarheit.
Laut dem vorläufigen Endergebnis ist die CDU der einzige wirkliche Wahlgewinner in der Hochwaldstadt. Nach den herben Verlusten vor fünf Jahren legt sie diesmal wieder um 4,6 Prozentpunkte zu. Sie landet insgesamt bei 39,5 Prozent. Damit gewinnt sie ein Mandat hinzu. Künftig sitzen neun Christdemokraten im Gremium. "Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Zum einen ist die CDU überall im Land im Aufwind. Zum anderen denke ich, dass speziell in Hermeskeil die Leute eine Wende haben wollen", kommentiert der bisherige Fraktionssprecher Bernd Mende das Ergebnis. Für einen CDU\'ler endete die Wahl aber enttäuschend. Der Stadtverbandsvorsitzende Markus Forster schafft trotz Listenplatz vier nicht den Einzug in den Rat.
Bei der SPD, deren Kandidat Paul Gemmel in der ersten Runde der Bürgermeisterwahl gescheitert ist, gab es beim Urnengang für den neuen Stadtrat so gut wie keine Veränderungen. Die Genossen erreichen 25,3 Prozent (2009: 25,2 Prozent) und behalten ihre fünf Mandate. In den Reihen der SPD findet sich auch einer der großen Aufsteiger unter allen Bewerbern. Der frühere Fraktionssprecher Sigurd Hein, der sich zwischenzeitlich aus der Politik zurückgezogen hatte, katapultiert sich durch 664 Einzelstimmen von Platz 18 bis auf Position vier der SPD-Liste nach vorne und ist damit wieder in den Stadtrat gewählt.Kommunalwahl 2014


Verlierer sind die drei kleineren politischen Gruppen.
Die BFB fällt von 19,5 auf 15,7 Prozent zurück und büßt damit ein Mandat ein. Künftig schickt sie nur noch drei Vertreter in den Rat. Vor allem in den Stadtteilen Abtei und Höfchen gibt es für sie mit 8,2 beziehungsweise 8,9 Prozent wenig zu ernten. Nur Christoph König darf sich persönlich freuen. Der Vorsitzende des Vereins Yes Angels erhält 561 Einzelstimmen und schießt von Rang 18 auf die zweite Stelle der BFB-Liste vor.
Fraktionssprecher Joachim Trösch sagt zum Resultat der Gruppe: "Wir hätten uns mehr versprochen und hatten gedacht, dass die Bürger es honorieren würden, dass in der Stadt in der Amtszeit von Udo Moser viel passiert ist." Es könne aber sein, dass die BFB, die in der Windkraftdiskussion am vorher im Rat beschlossenen 1000-Meter-Mindestabstand festgehalten hatte, für diese Position "möglicherweise abgestraft wurde", so Tröschs Einschätzung.
Auch die FWG hatte sich für die 1000-Meter-Regel ausgesprochen. Sie fällt von 13,1 auf 11,4 Prozent, verliert ein Mandat und schickt künftig nur noch ein Duo in den Rat.
Schlecht ist es zudem für die Linken gelaufen. Sie landen nur noch bei 3,8 Prozent (2009: 7,3 Prozent) und verlieren ihren Fraktionsstatus. Statt mit zwei Sitzen sind sie im künftigen Rat nur noch mit Klaus-Peter Breuer als Einzelkämpfer vertreten. "Wir haben wahrscheinlich einige Wähler an die Piraten verloren", so Breuer. Die neu angetretene Piratenpartei erreicht 4,2 Prozent. Somit erbeutet sich Ottmar Muno einen Sitz im neuen Rat. Der Mann aus Höfchen saß nach dem Bruch mit der BFB als fraktionsloses Mitglied im Gremium. In Munos Stadtteil gibt\' s für die Piraten 18,4 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag bei mageren 53,4 Prozent.Meinung

Komplizierte Situation
Angesichts des noch ungewissen Ausgangs der Stadtbürgermeisterwahl lässt sich derzeit nur schwer abschätzen, wie sich die Arbeit und die Lagerbildung im künftigen Stadtrat verändern werden. Zu Beginn der Amtszeit von Udo Moser war die Sache noch klar: Da bildeten CDU und FWG einen eindeutigen Oppositionsblock. Doch gerade in jüngster Zeit haben sich die Dinge verändert, fallen Festlegungen nicht mehr so leicht. Bei der zurzeit alles beherrschenden Streitfrage um die Mindestabstände von Windrädern zu Wohnhäusern lag die BFB nun auf einer Linie mit der FWG und der Linken. Stattdessen kühlte das Verhältnis zwischen Moser und der SPD, die ihm bis dahin eher freundlich gesonnen war, spürbar ab. Das macht es unwahrscheinlich, dass künftig eine Koalition aus SPD, BFB und Linken zustande kommt. Sie hätte ohnehin nur neun von 22 Stimmen. Die CDU ist zwar mit neun Sitzen Wahlgewinnerin. Das reicht aber auch nicht für die Mehrheit, und die jüngsten Erfahrungen haben ja gezeigt, dass die FWG sehr wohl eigene Überzeugungen vertritt, die sich nicht mit dem CDU-Kurs decken. Kurzum: Es dürfte kompliziert werden, im künftigen Stadtrat sichere Mehrheiten fürs Regieren zu finden. Es sei denn - es kommt zu einer großen Koalition zwischen SPD und CDU, was gar nicht mehr so ausgeschlossen scheint. Denn zumindest bei der Windkraft gibt es da bei den zwei stärksten Parteien Konsens. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Sie wurden in den Stadtrat gewählt: CDU: Mathias Queck, Willi Auler, Tiberius Dersidan, Bernd Mende, Stefan Eiden, Frank Salm, Roland Eiden, Klaus Weber, Sigrid Schleier. SPD: Paul Gemmel, Volker König, René Treitz, Beatrix Becker, Sigurd Hein, Lena Weber. BFB: Udo Moser, Christoph König, Hans-Joachim Trösch. FWG: Thomas Museler, Berthold Grenz. Linke: Klaus-Peter Breuer. Piraten: Ottmar Muno. ax