Ehrenamtliche Bürgermeister in der Region händeringend gesucht

Ehrenamtliche Bürgermeister in der Region händeringend gesucht

Bei den Kommunalwahlen am 25. Mai werden viele Wähler in den Landkreisen der Region mangels Kandidaten keinen Bürgermeister wählen können. Dass es mehrere Bewerber zur Auswahl gibt, ist inzwischen sogar ein seltener Luxus. Der ehrenamtliche Job fordert viel, bringt aber kaum Entscheidungskompetenzen.

In 552 Ortsgemeinden sind die Bürger der Region aufgefordert, ihren Bürgermeister in Personalwahl zu küren. Aber in 173 Kommunen steht kein Kandidat zur Verfügung - Tendenz steigend. Vor allem in den kleinen Eifelgemeinden will sich kaum jemand der Direktwahl stellen. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm fehlen in 94 von 234 Dörfern Kandidaten, im Vulkaneifelkreis Daun sind es 49 von 109.

Der Trend ist problematisch, auch wenn es häufig gelingt, den Posten im Nachhinein mit viel Überredungskunst doch noch zu besetzen - dann nicht per Direktwahl, sondern per Ratsbeschluss. "Wir gehen davon aus, dass alle Gemeinden wieder einen Bürgermeister haben werden", vermutet Verena Bernardy vom Vulkaneifelkreis optimistisch. Auch ihr Kollege Thomas Müller aus dem Kreis Trier-Saarburg kann sich nicht daran erinnern, dass Gemeinden längerfristig unter Zwangsverwaltung gestellt werden mussten, weil kein Bürgermeister gefunden wurde.

Dennoch rückt eine solche Gefahr näher, je größer die Lücken werden. Dazu kommt die Aushöhlung des Direktwahlrechts. Von einer demokratischen Auswahl zwischen mehreren Bewerbern, wie einst üblich, kann das Gros der Gemeinden ohnehin längst nur träumen. Der Trierer Soziologie-Professor Waldemar Vogelgesang, der das Gemeindeleben in der Region erforscht, sieht schwarz, was Kandidaten-Nachwuchs angeht. "Viele Kommunalpolitiker auf Gemeindeebene haben das Gefühl, dass die Weichen anderswo gestellt werden und sie nur noch als Marionetten handeln", beobachtet der Wissenschaftler. Struktur-Entscheidungen lägen auf höheren Ebenen, und die Finanznot lasse den ohnehin kleinen Handlungsspielraum weiter schwinden.

Ein erfahrener Praktiker wie Ralf Kierspel, Bürgermeister in Aach (Trier-Saarburg), nennt noch ein anderes Problem: "Immer mehr unserer dienstlichen Termine liegen am Nachmittag, und die nötige zeitliche Flexibilität können nur Ruheständler, Selbstständige und Lehrer aufbringen."Mehr zum Thema

Am 25. Mai sind in Rheinland-Pfalz Kommunalwahlen. Foto: Michael Kappeler/Archiv.

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