1. Dossier

Eifelkreis: Der Wolf ist zurück und reißt zahlreiche Nutztiere

Wölfe in der Region : Da wären wir wieder

Der Sommer der Wölfe: Geahnt, erhofft oder befürchtet hatten es viele, Ende Juli war der Nachweis erbracht. Nach mehr als 150 Jahren sind die grauen Jäger zurück in der Eifel.

Die Wölfe sind zurück in der Eifel, nach 160 Jahren: Der erste von ihnen tötete im Sommer in Roscheid, in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld, zwei Kälber. Den Nachweis, dass die Tiere von einem Wolf gerissen worden waren, erbrachte eine DNA-Probe, analysiert beim Senckenberg-Institut im hessischen Gelnhausen.

Wenige Tage darauf verendeten insgesamt zehn Schafe an schweren Bissverletzungen – in Großkampenberg und dann in weiteren Orten der VG Arzfeld. Auch bei diesen Tieren ließ die zuständige Stiftung Natur und Umwelt (SNU) Rheinland-Pfalz DNA-Proben entnehmen und sandte sie nach Gelnhausen. Und bei allen, wie später auch nach dem Tod von zwei Schafen in Körperich-Niedersgegen (VG Südeifel), lautete das Ergebnis eindeutig: Wolf.

Und zwar ein ganz bestimmter: GW1554m (GW steht für Grauwolf, das m für männlich). Und der stammte aus einem Rudel in Niedersachsen, von wo aus er zunächst nach Westen gewandert war, in die Niederlande. Dann zog er weiter über Belgien und in die Eifel.

Mittlerweile hatte er auch nicht mehr nur eine Bezeichnung, sondern einen Namen: Billy. Und Billy wurde nicht von jedem willkommen geheißen. Für Michael Horper aus Üttfeld, den Präsidenten des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, läuft es auf eine Entscheidung hinaus: Wolf oder Nutztierhaltung. Keine Frage, was die Bauern bevorzugen würden.

Die Sorge wuchs, nicht nur bei den Bauern, Schäfern, Pferdehaltern – wenn auch in den 20 Jahren, in denen wieder Wölfe durch Deutschland streifen, noch kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Trotzdem forderten bald die Ersten, der Wolf gehöre „abgeknallt“. Anderen reicht es, ihm die Beute so schwer wie möglich zu machen.

Was hilft auf jeden Fall? Aufrüsten: Der Eifelkreis erhielt den Status „Wolfspräventionsgebiet“. Das heißt: Wer seine Herden mit hohen, elektrisch geladenen Zäunen oder anderen Mitteln schützen will, erhält dafür Förderung. In der Eifel haben bereits viele Halter diese Möglichkeit ergriffen.

„Billy“ übrigens ließ sich schon bald nicht mehr blicken: Offenbar zog es ihn weiter in Richtung Südwesten, nach Frankreich. Im November hieß es bislang unbestätigten Informationen zufolge, er sei in den Vogesen erschossen worden. Ein zweiter Wolf starb ebenfalls, und zwar auf der Bundesstraße 51, Anfang November, in der Nähe des Flugplatzes Bitburg: Das Tier lief, nachdem es aus den Alpen hergewandert war, in ein Auto. Dieser Wolf – „GW 1835m“ – soll übrigens ins Naturhistorische Museum in Mainz kommen, als Präparat, das vom nächsten Jahr an dort ausgestellt sein wird. Und als dritter von insgesamt vier Wölfen, die bisher in Rheinland-Pfalz tot gefunden wurden.

Dass weitere Tiere auf dem Weg durch oder in die Region sind, bezweifelt kaum jemand.