1. Dossier

Ein Fluss, ein Ort, ein Name: Ruwer

Ein Fluss, ein Ort, ein Name: Ruwer

Ausonius sei Dank! In seinem vor fast 1650 Jahren verfassten Gedicht "Mosella" beschreibt er auch den Mosel-Nebenfluss Erubris. Deshalb kennen wir den Namensursprung des Orts an dessen Mündung. Ein Fluss, ein Ort, ein Name: Ruwer.

Trier-Ruwer. Eine Erwähnung in der antiken Weltliteratur - das kann außer Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, sonst weit und breit kaum jemand aufweisen. Doch Dichter Ausonius bedachte auch einen Ort, der damals noch gar nicht als zusammenhängende Siedlung existierte. In seinem 483 Verse umfassenden Werk "Mosella" von 371 heißt es übersetzt: "Die Ruwer dreht in schwindelnden Wirbeln die kornzermahlenden Steine und zieht die kreischenden Sägen durch glatte Marmorblöcke."
Auch mit einer frühen erstmaligen Nennung als Ort in mittelalterlichen Urkunden kann Ruwer dienen. Sie stammt von 646: Villa (Dorf) Ruobera.
Späte Eintracht


816 ist erstmals von Rubera die Rede. Aus Ruuere, Revern, Rofere und Ruver wird im Lauf der Jahrhunderte Ruwer. Aber bis zur Eintracht, die der 1945 gegründete Ruwerer Sportverein im Namen trägt, floss viel Wasser die Ruwer runter. Ruwer war seit dem frühen Mittelalter bis zur napoleonischen Säkularisation 1802 geteilt - mit ausgerechnet der Ruwer als Grenze. Das Gebiet links des Flüsschens gehörte zur Trierer Abtei St. Maximin, die andere Seite dem Stift St. Paulin. Die Trennung blieb auch nach 1815 bestehen, als das Trierer Land Teil der preußischen Rheinprovinz wurde. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hatten Ruwer-Maximin und Ruwer-Paulin eigene Bürgermeister und Gemeinderäte. Erst 1930 kam zusammen, was zusammengehört. Die beiden Ortsteile vereinigten sich zur Gemeinde Ruwer.
Der Weinort Eitelsbach gehörte bis ins 19. Jahrhundert zum kurtrierischen Amt Pfalzel. Mit Beginn der preußischen Herrschaft 1815 wurde das Dorf zunächst der Bürgermeisterei Casel zugeordnet, später der Bürgermeisterei Ruwer.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Eingemeindung nach Trier gehörte Eitelsbach zur Verbandsgemeinde Ruwer. Den dortigen Karthäuser Hof schenkte im 14. Jahrhundert Erzbischof Balduin den Herren der Karthause bei Trier.
Nachdem Napoleon kirchliche Besitztümer verstaatlicht hatte, ersteigerte der Trierer Kaufmann Valentin Leonhardy den Karthäuser Hof samt zugehörigen Liegenschaften. Bis heute ist der Karthäuser Hof ein renommiertes und international bekanntes Weingut.
Ebenfalls auf Eitelsbacher Boden liegt der Duisburger Hof. Er befindet sich im Besitz des Bischöflichen Konvikts und beherbergt einen Teil des Bistumsarchivs. Die Weine aus den Lagen des Duisburger Hofs (20,2 Hektar) werden von den Bischöflichen Weingütern vermarktet.
Seit 1974 Ruwer/Eitelsbach


Seit 1969 gehören Ruwer und Eitelsbach zur Stadt Trier, das Stadtteil-Konstrukt Ruwer/Eitelbach gibt es seit 1974. Die Eingemeindung erfolgte gegen den Willen der Ruwerer. Die aber kennen sich mit Schicksalskapriolen der Marke "höhere Gewalt" bestens aus. Bei Mosel-Hochwasser ist ihr Stadtteil als erster von Überflutungen bedroht. Ab einem Pegelstand von 9,20 Meter laufen an der Rheinstraße nahe der Ruwermündung die ersten Keller voll. Beim Jahrhunderthochwasser 1993 erreichte der Pegel am 22. Dezember 11,27 Meter.
Bekannte Söhne Ruwers sind der frühere "Mister Sportschau" Ernst Huberty (87) und der in Eitelsbach geborene Schauspieler Udo Samel (61), Fernsehgröße und seit 2004 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Falls er noch einmal in einem "Tatort" mitspielt, kann er sich Tipps von seinem jüngeren Bruder Eric holen: Der ist Staatsanwalt.