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Ein Rückkehrer, der nie weg war

Ein Rückkehrer, der nie weg war

Paul Gemmel will die Seiten wechseln. Der SPD-Kandidat bei der Wahl am 25. Mai hat 23 Jahre lang als Redakteur der Wochenzeitung Rund um Hermeskeil intensiv das kommunalpolitische Geschehen verfolgt und darüber berichtet. Nun möchte der 63-jährige Gemmel, der im Hauptberuf Betriebsprüfer beim Finanzamt Trier ist, aber im Sommer in Rente geht, selbst die Verantwortung übernehmen und Stadtchef werden.

Hermeskeil. Wer Bürgermeister werden will, muss leidensfähig sein. Im Wahlkampf hat Paul Gemmel jedenfalls eine schmerzhafte Erfahrung gemacht. Beim Aufhängen seiner Plakate, auf denen er für "eine l(i)ebenswerte Stadt" wirbt, ist der SPD-Kandidat von der Leiter gestürzt und hat sich den Rücken lädiert. "Es geht aber schon", sagt Gemmel beim Treffen mit dem TV.Kommunalwahl 2014


"Es ging einfach nicht", betont der 63-Jährige kurz darauf in einem anderen Zusammenhang. Den Wunsch, Stadtchef zu werden, habe er schon lange gehabt. Doch es gab für Gemmel ein Hindernis. "In einer Stadt wie Hermeskeil ist der Bürgermeisterposten mehr als ein Halbtagsjob. Wenn man einen Hauptberuf hat, kann man das nicht noch nebenbei machen." Als Betriebsprüfer beim Finanzamt Trier, der zudem noch häufig im Außendienst tätig ist, sei eine Kandidatur als Stadtchef bisher nicht möglich gewesen. Jetzt ist das anders. Denn am 1. Juli geht Gemmel in Ruhestand.
Wer seine politische Vita betrachtet, könnte auf den ersten Blick meinen, dass die SPD einen Bewerber nominiert hat, der aus der Versenkung kommt. Denn Gemmel tritt nach langer Pause zurück ins politische Rampenlicht (siehe Extra). Als Redakteur der Wochenzeitung Rund um Hermeskeil war er aber seit 1991 kritischer Begleiter der Geschehnisse in der Stadt und dem Umland. Deshalb betont der SPD-Bewerber: "Ich war immer eng mit der Kommunalpolitik verbunden und auf dem Laufenden."
Seine Einschätzung über Hermeskeil, wo er seit dem achten Lebensjahr zu Hause ist, lautet: "Die Stadt hat Probleme. Um das zu sehen, muss man nur durch die Fußgängerzone gehen. Wenn ich in den nächsten fünf Jahren nur einen Teil der Probleme aus der Welt schaffen könnte, hätte ich schon viel erreicht." Ein großes Handicap sei jedoch die schlechte Finanzlage: "Die Stadt hat Ende des Jahres zehn Millionen Euro Schulden. Daher gibt es nur noch einen sehr eingeschränkten Handlungsspielraum." Auf Großprojekte müsse in Zukunft verzichtet werden. Gemmel: "So etwas wie den Bau des Feuerwehrmuseums loszutreten, ist in den nächsten 25 Jahren nicht mehr drin."
Gleichwohl gebe es gerade in der Innenstadt dringenden Bedarf, etwas zu tun. Dabei nennt Gemmel die Neugestaltung des Donatusplatzes an erster Stelle. In diese Pläne müssten aber Bürger und Anwohner mit ihren Ideen stärker eingebunden werden. Wie seine Kontrahenten setzt auch Gemmel auf privates Invest - etwa die Ansiedlung eines Drogeriemarkts. Als Standort kommt für ihn aber nur die Innenstadt oder der Dörrenbach infrage, nicht das Sondergebiet Abtei.
Bei der Windkraftdiskussion tritt Gemmel für flexible Mindestabstände ein. Zur Kritik von Amtsinhaber Udo Moser (BFB), dass die SPD nicht mehr zu früheren Stadtratsbeschlüssen steht, sagt Gemmel: "Wenn man sieht, welches Ausmaß die Errichtung von Windrädern rund um Hermeskeil annehmen soll und dann einem die Bevölkerung wegläuft, muss man auch in der Lage sein, frühere Beschlüsse zu überdenken." Dem Argument, dass der Stadt durch den Wegfall von Rädern mehrere Millionen Euro an Pacht verloren gehen, hält Gemmel entgegen. "Die eigentliche Einnahmequelle wurde bisher bei den Verhandlungen vernachlässigt. Die Stadt muss alles daran setzen, dass sie direkt an der Betreibergesellschaft für den Windpark beteiligt wird."

Paul Gemmel und seine beiden Mitbewerber Udo Moser (BFB) sowie Mathias Queck(CDU) stellen sich am Dienstag, 13. Mai, beim TV-Bürgermeisterforum ab 19 Uhr in der Hermeskeiler Hochwaldhalle den Fragen der Moderatoren und des Publikums. Der Eintritt ist frei.Extra

Foto aus Paul Gemmels Privatalbum: 2012 war das berühmt-berüchtigte Loch Ness eine Station beim Schottland-Urlaub des SPD-Kandidaten. Foto: privat
Mit Bernd Willems (links) und Reinhard Bäumler, seinen Redaktionskollegen bei Rund um Hermeskeil, macht Gemmel eine Radtour entlang der Mosel. Vor der Kulisse der Cochemer Reichsburg genehmigt sich das Trio eine wohlverdiente Pause. Foto: privat

Paul Gemmel wurde 1951 in Morbach-Gutenthal geboren. 1959 zog seine Familie nach Hermeskeil. Zusammen mit seiner Frau Inge hat Gemmel eine erwachsene Tochter und ein Enkelkind. Er ist seit 1976 SPD-Mitglied. Bei der Hermeskeiler SPD war Gemmel in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren acht Jahre lang Vorsitzender des Ortsvereins. Von 1979 bis 1990 hatte er zudem ein Mandat im Stadtrat inne. Danach wechselte Gemmel die Perspektive und wurde 1991 Mitglied in der Redaktion von Rund um Hermeskeil. Seit 2010 ist Gemmel wieder stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. ax