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Ein süßsaures Ergebnis für die Sozialdemokraten

Berlin. Was nun, SPD? Einen Kanzler Steinbrück wird es nicht geben, Rot-Grün als Option ist erst mal passé. Soll man mit einer enorm gestärkten Union als Juniorpartner in eine große Koalition? Die Katastrophe für die SPD wäre sicher die absolute Mehrheit für die Union. Stefan Vetter

Berlin. Schon seit dem Nachmittag sitzen die Führungsleute der Sozialdemokraten im zweiten Stock des Willy-Brandt-Hauses zusammen. Doch was da intern an demoskopischen Zwischenständen für den Wahlausgang kursiert, sorgt für Ernüchterung. "Die Sektkorken knallen nicht", sagt Vorstandsmitglied Ralf Stegner zu ein paar Journalisten im proppenvollen Atrium der Berliner Parteizentrale noch vor der offiziellen Schließung der Wahllokale. Um Punkt 18 Uhr herrscht darüber auch beim großen Rest Gewissheit: Die SPD hat zwar leicht zugelegt, aber mit rund 26 Prozent fährt sie das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Nachkriegsgeschichte ein. Kommt jetzt die große Koalition? Oder am Ende doch die Opposition? Um diese Fragen kreisen die Gespräche, als die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme geflimmert sind.
Die Szene hat etwas Zwiespältiges: Aus einiger Entfernung sieht es eher nach Volksfest aus. Einige Tausend Gäste sind gekommen, um den Wahlabend mitzuerleben. Vor dem Willy-Brandt-Haus sind zahlreiche Bänke und Tische aufgestellt. In einem großen Zelt steht man in Gruppen zusammen. Daneben wird Bier verkauft. Es gibt Currywurst und Gemüsepfanne. Eng ist es und laut. Wer jedoch in die Gesichter der Genossen schaut, der kann darin Ungläubigkeit, ja Fassungslosigkeit entdecken.
Dann verstummen die Fernseher plötzlich. Im Atrium kommt Hektik auf. Die erste Riege der SPD betritt die Bühne. Hannelore Kraft ist dabei, Frank-Walter Steinmeier und natürlich Sigmar Gabriel sowie Peer Steinbrück. Da brandet Applaus auf. So viel Jubel herrschte vorher nur, als klar wurde, dass die FDP wohl nicht mehr in den Bundestag kommt. Parteichef Gabriel lobt Steinbrück in den höchsten Tönen. Einen "fantastischen Wahlkampf" habe der Kanzlerkandidat gemacht, und ein "Pfundskerl" sei er. Steinbrück ist sichtlich gerührt. Aber es ist auch so etwas wie seine Abschiedsvorstellung. Zwar wurde Schwarz-Gelb "vom Platz gefegt", wie Steinbrück süffisant anmerkt. Aber zu Rot-Grün hat es nicht gelangt. Und nur dafür stand Steinbrück. "Wir haben nicht das Ergebnis erzielt, das wir wollten", räumt er ein. Und nun? Über eine Regierungsbildung sollte die SPD jetzt nicht spekulieren, so Steinbrück. Womöglich wird die SPD auch gar nicht für eine Regierung gebraucht.