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Eine Art Endspurt im Stehen

Eine Art Endspurt im Stehen

Plakate zeigen ihn seit dieser Woche, Kandidaten-Flyer mit seinem Foto kursieren, er verteilt sie zum Teil persönlich. Dazu gibt es den obligatorischen Internetauftritt: Michael Geisbüsch will Bürgermeister werden und "macht" Wahlkampf. Der TV hat ihn bei einem Wahlklassiker begleitet: Dem Infostand in der Stadt.

Wittlich. Die einen schenken Sekt ein, der andere verschenkt ein Faltblatt. Michael Geisbüsch will ja auch nicht heiraten, sondern Bürgermeister werden. Er hat seinen Stand mit Stehtisch vor dem Alten Rathaus längst aufgebaut, da kommt sie, die Hochzeitgesellschaft zur Trauung. "Da kann ich ja gleich üben. Der Bürgermeister ist ja automatisch auch Standesbeamter", sagt der Wahlkämpfer und gratuliert Heinz-Friedrich Lütticken, den die Wittlicher als kirmesbegeisterten "Heinza" kennen, und dessen Braut Sabine. Ein anderer Wittlicher bleibt stehen, nimmt einen Flyer und sagt: "Ich kenne die meisten Kandidaten. Es hat aber noch keiner bei mir geklingelt.

Und das lese ich mir mal zu Hause durch."

"Aha, Wahlpropaganda!" kommentiert der Nächste den Stand, schüttelt Michael Geisbüsch die Hand und sagt: "Das ist nicht nur wichtig für die Kandidaten, dass sie sich zeigen, sondern auch für die Leute, die die mal in natura sehen und mit ihnen sprechen wollen." Beeinflussbar ist seine Wahlentscheidung nicht mehr: "Ich habe schon Briefwahl gemacht." Und was wünscht sich der Bürger? "Ein neuer Bürgermeister sollte mal die Cliquenwirtschaft unterbinden." Das ist ein Stichwort für den Bewerber: "Als unabhängiger Einzelbewerber sehe ich die vornehme Aufgabe eines Bürgermeisters darin, mehr Moderator als Macher zu sein. Und für meinen unparteiischen Ansatz bekomme ich positive Resonanz."

Sein Blick streift die Passanten: "Und noch ein Bekannter, Maju nee!", lacht er und sagt Hallo. Am Rathaussockel lehnt eins von Michael Geisbüschs Wahlplakaten. Sie sind neben denen der anderen Bewerber erst diese Woche im Stadtbild aufgetaucht. Warum erst jetzt? "Eigentlich ist das ja inhaltsfreie Werbung. Darauf wollte ich verzichten. Dann hat mich der Rat eines altgedienten CDU-Mitglieds doch noch bewogen, mich diesem Trend anzuschließen", erklärt er. Er hat noch ein paar freie Stellen gefunden.

Auch der Ur-Wittlicher Willi Waxweiler hat den Stand des Bürgermeisterbewerbers und damit das Brautpaar beim Stadtspaziergang gefunden. Er gratuliert dem Paar: "Vor dem Essen, nach dem Essen: lieben Heinrich nicht vergessen!" Es handelt sich dabei um ein Spezialgetränk, das der Großvater des Bräutigams erfunden hat. Willi Waxweiler hat noch etwas von dem Wundertrunk: "Den gibt es nur in Ausnahmefällen!" Ob Hochzeit und Bürgermeisterwahl dazuzählen?