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Eine Art Wahlgeschenk für Wittlicher

Eine Art Wahlgeschenk für Wittlicher

Der Bewerber ums Bürgermeisteramt, Joachim Rodenkirch, setzt nicht nur auf Infostände, Festbesuche, Betriebsbesichtigungen: Er lud zu einem Abend zum Thema "Wirtschaft" - mit großer Resonanz.

Wittlich. Hände schütteln, Plakataktion starten, Internetauftritt gestalten, an Infoständen, bei Bürgermeister-Foren Rede und Antwort stehen, die Stadtteile besuchen, Betriebe besichtigen, zur Wanderung einladen oder zur Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Prüm reisen: Der von CDU und FDP unterstützte Bewerber um das Bürgermeisteramt zeigt derzeit allerorten Präsenz. Und er hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Am Montagabend lud er ein zur "Wahlkampfveranstaltung Joachim Rodenkirch zum Thema ,Wirtschaft' mit dem Bundeswirtschaftsminister a.D. Dr. Hans Friderichs". Offensichtlich ein Angebot, das viele neugierig machte. "Da sehen Sie, wer die stärkste Anhängerschaft hat", kommentierte ein Besucher den proppenvollen Casinosaal. Unter den 130 Zuhörern waren auch Vertreter, die keineswegs CDU und FDP zuzuordnen sind.

Ungewöhnlich: Der Bürgermeisterkandidat hielt sich zurück, ließ seinem Freund Hans Friderichs den Vortritt.

Der wiederum nutzte die Veranstaltung nicht etwa, um Joachim Rodenkichs Vorzüge zu preisen.

Was gab es dann? Nun, als profunder Kenner unterhielt der gebürtige Wittlicher das Publikum mit seiner persönlichen Erfahrung insbesondere zu wirtschaftlichen Prozessen vor dem Hintergrund der aktuellen Krise.

Hans Friderichs schlug den Bogen vom Versagen sämtlicher Kontrollen über die "laxe Kreditkultur", das schnelle Gewinnstreben, die weltweite Vergrößerung der Geldmenge ohne Deckung wie ehemals über Goldvorräte bis zu seinem Appell: "Wir müssen zurückkommen auf Werte wie Nachhaltigkeit. Die Ansprüche künftiger Generationen sind schon heute zu berücksichtigen." Das sei ein Prinzip der Forstwirtschaft, bekanntlich das Fachgebiet des Bürgermeisterkandidaten. Der zeigte nach Friderichs Exkurs mit Fragen an seinen prominenten Gesprächspartner, dass er auch auf dem Gebiet der Wirtschaft - ohne das Attribut "Forst" bewandert ist.

Vom Publikum gab es immer wieder Applaus, und es nutzte die Chance, an Hans Friderichs Kompetenz teilzuhaben. Wittlichs Bürgermeisterwahl war Nebensache. Der Abend mit dem früheren Wirtschaftsminister wurde quasi als Wahlgeschenk des Bewerbers in Form eines besonderen Ereignisses erlebt.

Jedoch Bernhard Clemens, Wittlicher Unternehmerpersönlichkeit, wandte sich an Joachim Rodenkirch und fragte, was er als Stadtchef denn als erstes unternehmen wolle? "Wir haben massive Kommunikationsprobleme nach innen und nach außen. Da möchte ich, dass wir zu einem neuen Wir kommen", war die Antwort. Und von einem solchen "Wir" erhoffte sich Rodenkirch zum Schluss dann doch, "dass Sie mir Ihr Vertrauen schenken".