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"Eine bittere Enttäuschung" - FDP-Landeschef Wissing im TV-Interview

"Eine bittere Enttäuschung" - FDP-Landeschef Wissing im TV-Interview

Die rheinland-pfälzischen Liberalen hatten am Sonntag ein Déjà-vu-Erlebnis: alles vor zwei Jahren schon mal miterlebt. Was nun, Volker Wissing?, hat Volksfreund-Redakteur Rolf Seydewitz den FDP-Landesvorsitzenden gefragt.

Was haben Sie am Sonntagabend gedacht, als Sie vom miserablen Abschneiden der FDP erfahren haben?
Wissing: Nicht schon wieder! Ich habe das ja in Rheinland-Pfalz schon im März vor zwei Jahren erlebt. Es war mir zwar bewusst, dass so etwas passieren kann. Aber als es dann tatsächlich eingetreten ist, war dies natürlich eine bittere Enttäuschung.
Inwiefern war die Mitleidskampagne der letzten Wahlkampfwoche an dem Desaster mit schuld?
Wissing: Ich bin kein Hellseher, kann das nicht beurteilen. Die Entscheidung haben wir am vergangenen Montag gemeinsam im FDP-Bundesvorstand getroffen. Und ich halte es für müßig, gemeinsam getroffene Entscheidungen im Nachhinein infrage zu stellen.
Aber rückblickend gesehen: War es ein Fehler?
Wissing: So wie es interpretiert worden ist, hat es uns nicht genutzt.
Wer trägt für das schlechte Abschneiden der Liberalen die Verantwortung?
Wissing: Wir alle gemeinsam.
Wie bewerten Sie denn die angekündigten Rücktritte in Ihrer Partei?
Wissing: Die Parteiführung, sprich das Präsidium, hat angekündigt, die Ämter zur Verfügung zu stellen. Bis zum nächsten Parteitag bleiben die Mitglieder aber im Amt. Dann werden die Weichen für einen personellen Neuanfang gestellt.
Wer soll die Partei jetzt aus der Krise führen?
Wissing: Wir haben gute Leute. Und ich bin froh, dass FDP-Vize Christian Lindner signalisiert hat, dass er an der Spitze zur Verfügung steht.
War es rückblickend ein Fehler, Westerwelle als Vorsitzenden abzusägen und durch Philipp Rösler zu ersetzen?
Wissing: Ich halte nichts davon, fast einstimmig getroffene Personalentscheidungen im Nachhin-ein wieder infrage zu stellen. Wenn wir es damals nicht für richtig gehalten hätten, hätten wir nicht so entschieden.
Wie schwierig es ist, wenn eine Partei plötzlich in der außerparlamentarischen Opposition ist, kennen Sie aus eigener Erfahrung. Die FDP findet in der öffentlichen Wahrnehmung in Rheinland-Pfalz kaum noch statt. Inwiefern droht dieses Schicksal jetzt auch auf Bundesebene?
Wissing: Das muss man sehen. Wir sind ja in vielen deutschen Landesparlamenten noch vertreten. Und daher werden wir uns darum bemühen, öffentlich weiter wahrgenommen zu werden. Das ist natürlich ungleich schwieriger, als wenn man im Bundestag vertreten ist, das wissen wir. Aber bei der nächsten Bundestagswahl werden die Karten neu gemischt. Und unsere Aufgabe ist es, den Wählern dann wieder ein neues liberales Politik-Angebot zu machen.
Die Landesliberalen haben bei der Bundestagswahl noch stärker Federn gelassen als die FDP auf Bundesebene: Das muss Sie als Landesvorsitzender doch besonders wurmen?
Wissing: So kann man es sehen. Man kann aber auch sagen: In Rheinland-Pfalz lag die FDP klar über der Fünf-Prozent-Hürde.
In Rheinland-Pfalz krebst die FDP in Umfragen bei zwei bis drei Prozent: Warum gelingt Ihnen die Reanimation auf Landesebene offenbar nicht?
Wissing: Wir haben ja jetzt mal gezeigt, was wir im Wahlkampf können. Wir haben am Sonntag in Rheinland-Pfalz 5,5 Prozent geholt und damit mehr erreicht, als Umfragen uns vorausgesagt haben. Und wir haben in Rheinland-Pfalz jetzt auch eine klare schwarz-gelbe Mehrheit geschafft. Genau das streben wir bei der Landtagswahl 2016 an.
Mit Volker Wissing an der Spitze?
Wissing: Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um Personalentscheidungen für die Landtagswahl zu treffen.
Wie sieht jetzt Ihre berufliche Zukunftsplanung aus, Herr Wissing?
Wissing: Da muss sich niemand Sorgen machen. Ich habe schließlich einen anständigen Beruf. Noch ist aber gar nichts entschieden. seyExtra

Der promovierte Jurist Volker Wissing (43) ist Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen FDP und stellvertretender FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzender. Vor seinem Wechsel in den Bundestag 2004 war Wissing Referent des damaligen Mainzer Justizministers Herbert Mertin. Davor war der aus Landau in der Pfalz kommenden Politiker Richter. sey