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Eine Verbindung mit der Kirche in der ganzen Welt

Eine Verbindung mit der Kirche in der ganzen Welt

Die Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier und die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 waren die zentralen Themen beim „Tag der Priester“ am Donnerstag, 21. April, bei den Heilig-Rock-Tagen in Trier.

(red) Prälat Werner Rössel sprach vor rund 220 Priestern über das Leitwort des Bolivienjubiläums „Unsere Mission: Miteinander Zukunft gestalten“. Er rief die Anfänge der Verbindung ins Gedächtnis, als sich die „Gemeinschaft brüderlicher Hilfe der Diözese Trier mit der Erzdiözese Sucre-Bolivien“ von einer Patenschaft zur Partnerschaft entwickelte. Rössel zitierte aus einem Hirtenbrief von 1961 des damaligen Trierer Bischofs Matthias Wehr, der vorhergesehen hatte, „dass wir nicht einseitig die Geber“, sondern die „vielleicht reichlicher Beschenkten“ sein würden.

In diesem Zusammenhang stellte Rössel die Grundlagen des weltkirchlichen Engagements unter sich wandelnden Umständen heraus: „Kirche in Deutschland können wir nur sein, wenn wir uns verbunden wissen mit der Kirche überall in der Welt.“ Er beobachte jedoch, dass das Thema „Weltkirche“ eher abnehmende Bedeutung erfahre und das „Reservoir der aktiven Katholiken für weltkirchliches Engagement“ rückläufig sei. Daher sei es wichtig, dass das „Bemühen um eine Erneuerung des weltkirchlich-missionarischen Bewusstseins der Kirche in Deutschland“ zum Ausdruck gebracht werde.

Das 2009 gegründete „Institut für Weltkirche und Mission“ an der Hochschule der Jesuiten in St. Georgen und das im gleichen Jahr verabschiedete Papier der Bischofskonferenz „Zur Zukunft der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland“ seien hierfür wichtige Schritte. Rössel schlug erneut den Bogen zum Partnerschaftsjubiläum und erklärte, er wolle den „Geschmack an unserer weltkirchlichen Arbeit auffrischen“. Das Leitwort „Unsere Mission: Miteinander Zukunft gestalten“ sei nicht nur eine Überschrift, sondern „wesentliche Äußerung eines Engagements in unserem Bistum“.

Monsignore Georg Bätzing, Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012, sprach über die Wallfahrt als „pastorale Chance in herausfordernden Zeiten“. Seit der letzten Wallfahrt 1996 hätten die Sorgen zugenommen, auch die Lage der Kirche habe sich rasant gewandelt: „Ein neuer Atheismus erhebt selbstbewusst seine Stimme und respektiert keine Grenzen mehr.“ Die Priester seien von diesen Veränderungsprozessen dienstlich und persönlich betroffen, erlebten diese als kräftezehrend.

Bätzing griff ein Zitat von Bischof Felix Genn aus dem Jahr 2003 auf: „Eine bestimmte Sozialgestalt von Kirche geht zu Ende.“ Es falle immer schwerer, Akzeptanz für das Alleinstellungsmerkmal als religiös motivierte und religiös agierende Gemeinschaft zu gewinnen. Bätzing ermutigte, die Wallfahrt als Chance zu verstehen. Ein Schlüssel liege darin, die erhoffte „neue Gestalt“ der Kirche in ihrem Wachstum zu fördern, „während wir die zu Ende gehende pflegen und ‚bedienen’ so gut wir können, weil sie natürlich immer noch vielen Gläubigen Heimat ist und Halt im Leben gibt.“

Um der Zukunft der Kirche willen brauche es eine klare Option für „Biotope des Glaubens“, im Sinne von Orten, und „Glaubensereignisse“, die etwa Suchenden Möglichkeiten zu Berührung mit christlicher Zeugengemeinschaft geben und einen „biographieorientierten Zugang“ ermöglichen. Die Wallfahrt könne in herausragender Weise „Ort“ und „Ereignis“ des Glaubens in diesem Sinne sein.

Ein Schwerpunkt im Programm werde daher die Begegnung mit geistlichen Gemeinschaften sein, denn die „Präsenz solcher Zeugenschaft“ stelle eine „geistgewirkte und gute Gesellschaft“ für die Herrenreliquie dar. Bätzing bediente sich eines Ausdrucks der Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller und äußerte die Hoffnung, dass der Heilige Rock schon auf dem im kommenden Jahr beginnenden geistlichen Vorbereitungsweg zum „Leib- und Seelgewand“ werde. Dementsprechend solle das Vorbeitungsjahr auch kein „Aktionspotpourri“ werden, sondern zu geistlicher Erfahrung einladen. Dann, so wünschte Bätzing, werde die Heilig-Rock-Wallfahrt zu einem „Wink des Himmels“.