Einzelhandel, Windkraft und dicke Luft

Einzelhandel, Windkraft und dicke Luft

Drei Kandidaten, viele Sachthemen und noch mehr Emotionen. Das wurde beim TV-Forum zur Stadtbürgermeisterwahl in Hermeskeil geboten. 170 Menschen haben die Chance genutzt, um sich ein Bild zu machen.

Amtsinhaber und Herausforderer (von links) beim Volksfreund-Forum vor der Wahl: Udo Moser (BFB), Paul Gemmel (SPD) und Mathias Queck (CDU). Foto: Friedemann Vetter

Hermeskeil. Paul Gemmel (SPD), Udo Moser (BFB) und Mathias Queck (CDU) wollen am 25. Mai zum Stadtbürgermeister von Hermeskeil gewählt werden. Bei der von den TV-Redakteuren Marcus Hormes und Axel Munsteiner geleiteten Veranstaltung in der Hochwaldhalle nutzten sie am Mittwochabend die Gelegenheit, für die eigenen kommunalpolitischen Positionen zu werben. In der äußerlich zwar von allen Seiten in ruhigem und höflichem Ton geführten Diskussion wurde allerdings sehr schnell klar, wie tief die Gräben zwischen dem Amtsinhaber Udo Moser und den Kandidaten von CDU und SPD sind.

Kommunalwahl
2014

Der Trierische Volksfreund verzichtet auf die Wiedergabe der im Verlauf des Abends immer stärker von Emotionen und Polemik geprägten Redebeiträge und konzentriert sich auf die Inhalte. Denn die geplanten Schwerpunkte der politischen Arbeit aller drei Kandidaten liegen oft eng beieinander.

Stadtentwicklung: "Es geht darum, die Aufenthaltsqualität in der Stadt Hermeskeil zu verbessern", sagt der 62-jährige Immobilienwirt Udo Mosel und nennt Projekte wie den Donatusplatz, die Ansiedlung einer Privatklinik und ein Stadthotel im Bereich des ehemaligen Gefängnisses.
Die Attraktivität der Innenstadt steigern will auch der 63-jährige Finanzbeamte und Journalist Paul Gemmel. Der verspricht, bei allen Projekten mehr Bürgerbeteiligung anzustreben.
Der Notar Mathias Queck (44) sieht in Hermeskeil ein "Mittelzentrum mit großem Entwicklungspotenzial". Das funktioniere allerdings nur, wenn es gelinge, private Investoren "an die Stadt zu binden".

Einzelhandel: Das gilt laut Queck auch für den Einzelhandel, ein weiterer Diskussionsschwerpunkt des Abends. Dabei eint alle Kandidaten der Wunsch nach einem Drogeriefachmarkt für Hermeskeil. Während sich Paul Gemmel und Udo Moser bei der Frage nach dem Standort klar auf die Innenstadt oder den Bereich Dörrenbach festlegen, schließt Mathias Queck auch eine Ansiedlung an der Alten Römerstraße im Stadtteil Abtei nicht aus. "Dörrenbach, Innenstadt und Abtei sind keine Konkurrenz."
Dem widersprechen Udo Moser und Paul Gemmel vehement. Der Amtsinhaber tut dies mit dem Verweis auf das Einzelhandelskonzept. Und auch der SPD-Kandidat appelliert mit Blick auf die einstige Aussiedlung von Hela nach Abtei und deren Folgen für die Innenstadt, "aus Fehlern zu lernen".

Windkraft: Eine große Bedeutung für Hermeskeil hat nach Meinung aller Kandidaten das Thema Windkraft. Denn vor allem damit sollen Erlöse erzielt werden um den defizitären Finanzhaushalt der Stadt auszugleichen und vielleicht sogar Schulden abzubauen. Allerdings gibt es bei keinem anderen Thema so großes politisches Engagement aus den Reihen der Bürger.

Reicht beim Bau neuer Windräder ein fester Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohngebieten? Oder sollte dabei eine flexible Distanz eingehalten werden, die sich an der zehnfachen Nabenhöhe einer Anlage orientiert, was in etwa 1400 Meter bedeutet. Über diese Frage stimmen die Hermeskeiler Wähler am 25. Mai ebenfalls ab.
Amtsinhaber Udo Moser hat zwar die Umfrage initiiert und verspricht, sich an das Votum zu halten. Seine Sorge, die Stadt könnte durch eine größere Abstandsvorgabe Investoren, Windkraftanlagen und damit Einnahmen verlieren, formuliert er an diesem Abend aber noch einmal deutlich. Zudem sei unklar, wie sich eine Entscheidung auf bereits auf geschlossene Verträge auswirke. Letztlich könne die Stadt allerdings Abstandsvorgaben über Bebauungspläne festschreiben.

Mathias Queck ist für flexiblere Abstände und setzt darauf, mit weniger aber größeren Windrädern mehr Gewinn zu machen. "Wenn wir mit den Investoren vernünftig reden, wird die Verwaltung nicht über die Bauleitplanung aktiv werden müssen."
Paul Gemmel setzt ebenfalls auf die flexible Abstandslösung. Die SPD dränge darauf, dass sich die Stadt unmittelbar an einer Betreibergesellschaft für Windkraftanlagen beteilige und dadurch höhere Einnahmen erziele. "Möglich wäre sogar eine Bürgerbeteiligung."

Probeabstimmung: Bei der Testwahl an diesem Abend wurden 31 Stimmen abgegeben. 14 Gäste (45,16 Prozent) votierten für Mathias Queck (CDU), Udo Moser (BFB) erhielt 10 Stimmen (32,26 Prozent). 7 Gäste machten ihr Kreuz bei Paul Gemmel (SPD).

Meinung

Von
Rainer
Neubert

Die Menschen in Hermeskeil haben die Wahl. Drei Kandidaten gehen um den Posten des ehrenamtlichen Stadtbürgermeister ins Rennen. Möglicherweise gibt es eine Stichwahl. Das gehört zu einer Demokratie.
Wer auch immer am Ende das Büro im Rathaus nutzen darf: Spätestens seit dem TV-Forum in der Hochwaldhalle ist klar, was die wichtigste Aufgabe des neuen Bürgermeisters und auch des neu zusammengestellten Stadtrats sein muss: Schütten Sie die Gräben zu!
Es schadet der Stadt, wenn Bürgermeister und Stadtrat sich bei jeder Gelegenheit beschimpfen und die Kompetenz absprechen. Die Zukunft Hermeskeils liegt nicht in der Vergangenheit, schon gar nicht in personellen und parteipolitisch geprägten Entscheidungen, die lange zurückliegen. Daran müssen alle denken, die Bürgermeisterkandidaten ebenso wie die potenziellen Mitglieder des neuen Stadtrats und besonders die Wählerinnen und Wähler, wenn sie ihre Kreuzchen setzen. Es ist höchste Zeit für eine sachorientierte Kommunalpolitik.
r.neubert@volksfreund.de

Prüfende Blicke: Die Gäste beim TV-Forum in Hermeskeil haben zwei Stunden Zeit, um sich von den Kandidaten ein Bild zu machen. TV-Fotos (2): Friedemann Vetter

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