Als die Fastnacht noch bei Kaienburgs im Saal stattfand

Als die Fastnacht noch bei Kaienburgs im Saal stattfand

Die Narrenzunft Rot-Weiß lädt längst ins Jugendheim St. Bernhard zu ihren legendären Sitzungen. Am Samstag, 30. Januar, ist die erste im Jahr 2010. Auf der Bühne stand auch oft die Wittlicherin Ulrike Möhn. Sie beschreibt, wie vor über 50 Jahren im Saal Kaienburg Fastnacht gefeiert wurde.

Wittlich. Inspiriert hat sie dazu eine im TV erschiene Stadtgeschichte von Willi Waxweiler über Hilarius Kranz, der ein Warenhaus in Miniaturausgabe betrieb. "Mein Onkel Juppi ist älteren Wittlichern noch als Möhns Seppl bekannt. Es war in den frühen fünfziger Jahren. Auf einem Fastnachtsball im Saale Kaienburg war Onkel Juppi als Zweitausgabe des Wittlicher Originals Hilarius Kranz verkleidet.

Das Schild für seinen Bauchladen für das "Warenhaus in Miniaturausgabe" schrieb damals kein Geringerer als Munzlingers Tony. Darauf zu lesen war: die Straße, in der Hilarius wohnte, und "Hauhsnuma näwen da Diehr" Also: die Hausnummer sei neben der Tür angebracht. Es gab dazu wirklich überaus brauchbare Waren, zum Beispiel "Tassen für Linkshänder, Hühneraugenpflaster, die man abends auflegen konnte, so dass das Hühnerauge am nächsten Morgen wie neu war." Außerdem eine ganz dolle Rasierseife "für Bartwuchs nach innen, dann konnte man die Stoppeln bequem abkauen".

Nicht zu vergessen: "Evita Perlon Gedächtnisabbrazzo" einen Topfkratzer aus einer modernen Plastikfaser. Plastik war zu der Zeit eine Neuheit, zudem gedachte man der Ehefrau des damaligen argentinischen Staatschefs Peron. Und es gab die ganze bunte Warenwelt "Ang gros", wie auf dem Schild zu lesen.

Eine Anekdote ist die von Juppis Onkel "Steins Willi". Dessen Frau Katharina hatte ihren Mann mit einem klitzekleinen Hütchen, an dem eine riesenlange Pfauenfeder wippte, karnevalistisch herausgeputzt. Der Kopfputz erfüllte seinen Zweck, denn Willi ahnte nicht, dass seine Frau ihn wegen der Feder den ganzen Abend im Blickfeld hatte. Vor langen Federn an klitzekleinen Hütchen sei also zur Fastnachtszeit gewarnt. Ulrike Möhn