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CDU und FDP gegen Verbot von Alkohol an Fastnacht

CDU und FDP gegen Verbot von Alkohol an Fastnacht

CDU und FDP wollen erreichen, dass es an Weiberdonnerstag 2015 kein Alkoholverbot in der Trie rer Innenstadt mehr gibt. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am Donnerstag zustimmen. Die Stadtverwaltung setzt derweil auf das Präventionsprogramm "Hart am Limit".

Trier. 63 Punkte - zum Teil mit weiteren Unterziffern - stehen auf der Tagesordnung des Trierer Stadtrats am Donnerstag, 3. April. Trotz der Mammutsitzung und des dringenden Aufrufs des Oberbürgermeisters, sich auf das Wesentliche zu beschränken, wollten sich FDP und CDU die letzte Gelegenheit vor der Kommunalwahl am 25. Mai für ein publikumswirksames und emotional besetztes Thema nicht entgehen lassen: Weiberfastnacht und Alkohol.
Die FDP fordert den Rat auf, bereits am Donnerstag zu beschließen, dass es an Weiberfastnacht 2015 in der gesamten Stadt kein Alkoholverbot geben soll. FDP-Fraktionschef Tobias Schneider argumentiert: "Trier muss 2015 wieder als Karnevalsstadt und nicht als Hochburg gewalttätiger Trinker und spaßbefreiter Prohibitionsbefürworter wahrgenommen werden." Daher müsse ein neues Konzept her, das "ohne ein Alkoholverbot auskommt".
Die CDU will das offenbar auch, drückt sich aber verklausuliert aus. Fraktionschef Ulrich Dempfle fordert, dass ein "für alle Seiten akzeptables Konzept" entwickelt werde, das "den abgesperrten Bereich auf dem Hauptmarkt ersetzen soll". 2012 habe das generelle Alkoholverbot (siehe Chronik) zu "miserablen Besucherzahlen" auf dem Hauptmarkt geführt, der sogenannte Narrenkäfig in diesem Jahr sei "ebenfalls zu Recht auf Kritik gestoßen".
Fall auch vor Gericht


Die FDP hatte schon im Vorfeld vehement gegen das Alkoholverbot zwischen Ostallee, Porta Nigra und Viehmarkt gekämpft und war schließlich vors Verwaltungsgericht gezogen. In einer Eilentscheidung hatte das Gericht Tobias Schneiders Ansinnen zwar abgelehnt. Juristisch geklärt werden müsse jedoch, ob das Alkoholverbot "möglicherweise räumlich zu weit gefasst" sei. Das Hauptverfahren dazu ist allerdings noch nicht terminiert.
Triers zuständige Sozialdezernentin Angelika Birk war mit dem Narrenkäfig offenbar zufrieden. "Die Lösung hat sich bewährt", lautete ihre erste Bilanz in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses (der TV berichtete).
Suchtberater im Einsatz


Die Stadtverwaltung will allerdings nicht nur punktuell gegen Alkoholmissbrauch kämpfen. Ebenfalls in der Stadtratssitzung stellt Birk vor, wie das Bundesmodellprogramm zur Alkoholprävention "Halt - Hart am Limit" in Trier umgesetzt werden soll. Speziell auf Karneval oder andere Gefahrenlagen wie Altstadt-, Wein- oder auch Stadtteilfeste geht das Programm nicht ein.
Konkrete Ziele gibt es schon: Fällt ein Jugendlicher wegen Alkoholmissbrauch auf, zum Beispiel nach Einlieferung in ein Krankenhaus, soll künftig ein Suchtberater möglichst noch im Krankenhaus Kontakt aufnehmen und auch mit den Eltern persönliche Gespräche führen. Zudem sollen diese Jugendlichen an einem acht- bis zwölfstündigen Gruppenprogramm zu Suchtproblematiken teilnehmen. Auch Fortbildungen für Lehrer, Erzieher, Ausbilder und das Verteilen von Infomaterialien gehören zum Konzept.
Dieses wird zunächst drei Jahre lang getestet, anschließend soll der Erfolg bewertet werden.
Die Gespräche mit Betroffenen und die Gruppenprogramme soll die Trierer Suchtberatungsstelle "Die Tür" umsetzen. Um Strukturen wie die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Beratungsstellen, Schulen und Ausbildungsbetrieben zu verbessern, soll eine 40-Prozent-Stelle mit einer erfahrenen Fachkraft besetzt werden.Extra

2012: An Weiberdonnerstag herrscht in den Trierer Krankenhäusern Ausnahmezustand: Rund 20 Jugendliche werden mit teils schweren Alkoholvergiftungen eingeliefert. Der Jüngste ist 15 Jahre alt. Mehrere volltrunkene Jugendliche müssen auf den Intensivstationen betreut werden. "Es war eine Katastrophenlage. Wir hatten großes Glück, dass es keine Toten gab", kommentiert Triers Sozial- und Jugenddezernentin Angelika Birk damals die Lage. Am Abend und in der Nacht häufen sich die Schlägereien in der Stadt. Die Polizei, die mit mehr als 100 Kräften im Einsatz ist, spricht von "unzähligen Konflikten". 2013: Kein Alkohol auf der Straße - mit diesem Verbot will die Verwaltung eine Wiederholung der Exzesse verhindern. An Weiberfastnacht dürfen auf Straßen und Plätzen der City zwischen 9 und 19 Uhr keine alkoholischen Getränke mitgeführt oder getrunken werden. Es gibt kaum auffällige Betrunkene - aber auch keine Fete in der Innenstadt. Sogar das Fernsehen berichtet über das angeblich spaßfreie Trier. 2014: Wieder gilt an Weiberdonnerstag von 9 bis 19 Uhr ein Alkoholverbot zwischen Porta Nigra, Ostallee und Viehmarkt. Auf dem Hauptmarkt gibt es allerdings eine Ausnahme: In einer blickdicht eingezäunten Festmeile, dem sogenannten Narrenkäfig, dürfen Besucher ab 16 Jahren leichten Alkohol trinken. Es gibt allerdings viele Kritiker dieser Variante. red/woc