Dockweiler Bäcker will Fastnachts-Tradition vor dem völligen Verschwinden retten

Dockweiler Bäcker will Fastnachts-Tradition vor dem völligen Verschwinden retten

Weil immer weniger Kinder "singen" gehen, möchte Bäckermeister Josef Utters die Tradition des "bokere john" wiederbeleben. Die Werbetrommel hat er nun auch in der Grundschule in Dockweiler gerührt. Die Aktion soll nicht nur Spaß machen, sondern hat auch einen caritativen Zweck.

Schüler der Grundschule Dockweiler versammeln sich an diesem Morgen und warten auf einen, den sie gut kennen - Josef Utters. Der ist hauptberuflich Bäcker, der Stammsitz seiner Firma ist nur wenige Meter vom Schulgebäude entfernt. Deshalb kommt er zu Fuß, unterwegs ist er an diesem Morgen allerdings nicht als Bäcker, sondern als bekennender Karnevalist und einer, dem der Erhalt des Fastnachtsbrauchtums ein besonderes Anliegen ist. Er bedauert, dass auch in den Dörfern die Tradition des "bokere john" immer mehr verschwindet. Der alte Eifeler Ausdruck kommt von "Boken" (Maske) und "Bokert" (Maskenträger), "bokere john" bedeutet also "maskiert gehen".Eine Spende für jeden Bokert


Schon seit Längerem versucht Utters, unterstützt von seiner Frau Viktoria, das Brauchtum zu erhalten und ihm möglichst neuen Schwung zu verleihen.

Bei ihm hat es schon seit Jahren Tradition, dass er für jeden Bokert, ob groß oder klein, der bis einschließlich Karnevalsdienstag in seinen Geschäften kostümiert ein Ständchen vorträgt, einen Betrag für einen guten Zweck gespendet hat. Utters hat sich zum Ziel gesetzt, dass das nicht mehr nur auf Dockweiler beschränkt ist, sondern in möglichst vielen Orten in der Verbandsgemeinde (VG) Daun die Tradition wieder auflebt. Damit die Kinder (und auch die Erwachsenen) sehen, welche Häuser und Geschäfte mitmachen, gibt es einen von der Firma Heller Kunst aus Dreis-Brück gestalteten kostümierten Hampelmann. Der signalisiert: "Bokerten willkommen".

160 Hampelmänner sind in Geschäften in Daun und Umgebung verkauft worden. Sie haben zehn Euro gekostet, 3,50 Euro davon gehen an einen guten Zweck. Mit dem Erlös wird der Verein Little Prinz unterstützt, der Projekte in Kenia fördert. Mit dem Leiter der Grundschule, Jürgen Köhler, hat Utters einen Unterstützer, der den Kindern eine besondere Hausaufgabe gibt: Sie sollen das Lied "Ich bin ein kleiner König, gebt mir nicht zu wenig…" intensiv einstudieren, um gut vorbereitet zu sein auf den bevorstehenden Besuch in der benachbarten Bäckerei.
Gelungenes Heimspiel


Josef Utters freut sich über den großen Anklang bei den Kindern, die durchaus schon "textsicher" sind und immer wieder gern mitsingen. Unterstützt wird die Initiative des Bäckermeisters von Lions-Club und Gewerbe- und Verkehrsverein Daun, den Dauner Möhnen sowie VG-Bürgermeister Werner Klöckner. Der Besuch bei den Grundschülern in Dockweiler ist für Utters ein gelungenes Heimspiel, er weiß aber auch, dass es einen langen Atem braucht, um einen fast vergessenen Brauch wiederzubeleben. Deshalb will er weitermachen und auch in der nächsten Session wieder die Werbetrommel rühren. Denn für ihn gilt: "Halloween? Nein danke!"Extra

Das Kinderhilfsprojekt "Little Prinz Kenya - Kindern wieder ein Lächeln schenken" ist 2009 von Sabine Kapell aus Betteldorf ins Leben gerufen worden. Es unterstützt vernachlässigte und hilfsbedürftige Kinder und Waisen im Westen Kenias. Unterstützen kann man das Projekt mit Geldspenden, Kinder- und Schulpatenschaften oder durch die Mitgliedschaft im Verein. sts Kontakt: Sabine Kapell, Betteldorf, Telefon 0160/99882613, Internet: www.kinderhilfsprojekt-littleprinz.de

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