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Gerolsteiner Karneval wird wieder politisch

Gerolsteiner Karneval wird wieder politisch

Die Burgnarren machen Ernst. Nach der Runderneuerung und Wiederbelebung des Rosenmontagszugs im vergangenen Jahr setzen sie noch einen drauf: Erstmals werden in diesem Jahr auch Gruppen prämiert, die das (lokal)politische Geschehen thematisieren und auf die Schippe nehmen.

Gerolstein. Ein tolles Comeback ist den Gerolsteiner Burgnarren im vergangenen Jahr gelungen: Mit etlichen Neuerungen haben sie es auf Anhieb geschafft, den Rosenmontagszug nach Jahren des Abwärtstrends wieder zu dem zu machen, was er über viele Jahre war: der größte und prächtigste Karnevalsumzug in der Vulkaneifel. 37 Gruppen, mehr als 500 Teilnehmer und schätzungsweise 6000 bis 7000 Besucher sind der beeindruckende Beleg dafür. Gut, das sonnige Winterwetter hat auch einen Teil zum Erfolg beigetragen. Vor allem waren es aber die drei zentralen Neuerungen:
Der Umzug nahm einen neuen Verlauf auf einer innenstadtnäheren und komprimierteren Wegstrecke - und zwar vom neuen Altstadtplatz (der bislang Endpunkt war) durch die Hauptstraße und Bahnhofstraße, unter der Hochbrücke durch und über die Postbrücke bis hin zum Vorplatz vor der Tourist-Info.
Dort sammelten sich die Gruppen und zu einer Wagenburg und feierten schon einmal bis zum Eintreffen des Prinzenpaars. Und dann ging es gemeinsam in die Stadthalle Rondell. Dort wurde nach drei Jahren ohne Abschlussfete im vergangenen Jahr erstmals wieder gefeiert. Und wie! Denn anstatt nach dem Umzug direkt nach Hause zu gehen oder ins benachbarte Hillesheim abzuwandern, zog es viele Jecken noch ins Rondell. Und dort wurden dann die schönsten Fußgruppen und Wagen prämiert: Die Sieger erhielten jeweils 150 Euro, die Zweiplatzierten 100 und die Drittplatzierten 50 Euro.
Das alles hat dazu beigetragen, dass wieder deutlich mehr Teilnehmer dabei waren und sich ins Zeug gelegt haben. Der Umzug war richtig schön bunt.
Aber nicht politisch. Und das findet nicht nur Burgnarren-Präsident Günter Perings schade. "Das ist doch das Salz in der Suppe, und etwas Würze braucht der Karneval", sagt er. An Themen fehle es jedenfalls nicht in Gerolstein. Perings: "Wir haben den ältesten Stadtbürgermeister. Wir haben hier Unternehmen, die mit komischen Werbekampagnen auf sich aufmerksam machen. Wir haben Rindviecher noch und nöcher. Und, und, und. Gerolstein bietet Steilvorlagen ohne Ende."
Und daher setzen die Burgnarren in diesem Jahr noch einen drauf: Erstmals werden auch Gruppen prämiert, die das (lokal)politische Geschehen auf die Schippe nehmen - ebenfalls mit 150, 100 und 50 Euro. "Die Leute sollen nicht nur Spaß haben und schöne bunte Wagen bauen, sondern eben auch mutig sein und die Stadtoberen aufs Korn nehmen. Und zwar nicht nur in der Bütt, sondern eben auch beim Umzug. Darüber wird doch geredet", sagt Obernarr Perings.
Für den Umzug, der sich Rosenmontag durch Gerolsteins Innenstadt schlängelt, haben bereits jetzt annähernd 30 Gruppen ihre Teilnahme angekündigt. Das ist schon nicht schlecht, doch der Burgnarrenchef gibt weiterhin ambitionierte Ziele aus: "Die 44 wäre ein Traum. Dann hätten wir es wirklich geschafft und zu alter Stärke zurückgefunden
Was ihn zuversichtlich stimmt, ist der Erfolg des vergangenen Premierenjahres - und eben noch die ein oder andere Errungenschaft. So sei die neue "Burschengarde bereits eingeschlagen wie eine Bombe", sagt der Präsi.
Das ist eine Truppe junger Burgnarren, die für den Karneval begeistert werden konnte. Während die Garden seit Jahren viele Tänzerinnen haben, war es bislang um den männlichen Nachwuchs bei den Schwarz-Gelben schlecht bestellt.
Und nicht nur da tut sich was. "Diese Session haben wir seit vier Jahren erstmals wieder eine Party an Weiberdonnerstag im Rondell", verkündet Perings.Meinung

Nur Mut, ihr Narren!
Jecken aufgepasst: Der Gerolsteiner Rosenmontagszug soll wieder politischer werden! Wer also noch keine Idee für den Wagen oder die Fußgruppe hat, hier ein paar Anregungen: Wie wäre es mit der Stadtbürgermeisterwahl, die einen erfahrenen Regenten samt einiger politischer Schwergewichte an die Spitze der Brunnenstadt katapultiert hat? Oder die Wahl generell, die ehemalige Senkrechtstarter wieder jäh hat abstürzen lassen? Und wem das Persönliche nicht so liegt, für den gibt es ja noch die Dramen ums Hotel Calluna oder die Unterburg Lissingen, das Brunnengelände oder die Kyll, in der man weit mehr als Brotkrumen versenken kann. Nur Mut, ihr Narren! Schließlich winken als Belohnung Applaus, lobende Worte und einige Taler. m.huebner@volksfreund.de