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Heute ist Weiberdonnerstag: Die Dreiser Möhne Elfriede Grün erzählt, wie der Tag abläuft

Heute ist Weiberdonnerstag: Die Dreiser Möhne Elfriede Grün erzählt, wie der Tag abläuft

Die Möhnen übernehmen heute wieder die Macht! Sie tanzen, lachen, halten lustige Vorträge, trinken Sekt, schneiden Schlipse ab und verteilen Erbsensuppe. Viele von ihnen machen das schon seit Jahrzehnten, auch Elfriede Grün aus Dreis (Kreis Bernkastel-Wittlich).

Dreis. Möhnenkostüm anziehen, Schere einstecken und Sekt trinken - dass das längst nicht alles ist, zeigt der Tagesablauf einer Möhne. Die 68-jährige Elfriede Grün ist, seit sie 16 Jahre alt ist, an Karneval und Weiberdonnerstag aktiv und Gründungsmitglied der Dreiser Möhnen. Und sie hat um die 100 Mitstreiterinnen. Dem TV hat sie einen Blick hinter die närrischen Kulissen gewährt.

6.03 Uhr: Wie jeden Morgen ist Elfriede Grün früh auf den Beinen. Geschlafen hat sie gut, nachdem sie gestern Abend noch mit 15 Frauen den "Saloon", das Festzelt auf dem Zunftbaumplatz, geschmückt hat. Das Thema ist in diesem Jahr Western. Hüte, Masken, Luftschlangen, Ballons und selbst gemalte Bilder verwandeln das Zelt in eine karnevalstaugliche Narrhalla. Viel Arbeit, denn die Deko muss fünf Tage bis Rosenmontag halten. Am Sonntag gibt es dort Mittagessen, Kaffee und Kuchen und am Montag ist vor, während und nach dem Umzug geöffnet.

7 Uhr: Was Elfriede Grün anzieht, entscheidet sie spontan. Im Laufe der Jahre haben sich viele weiberdonnerstagstaugliche Kleider angesammelt, da findet die routinierte Möhne schnell das richtige Kostüm. Mit Utensilien und Accessoires helfen sich die Frauen untereinander aus. Manches ist geerbt, anderes stammt vom Flohmarkt, wie ihr Lieblingshut mit der lila Schleife.

8.30 Uhr: Auf geht\'s Richtung Zunftbaumplatz. Aber noch nicht zum Feiern, es muss noch einiges vorbereitet werden: Die Wurst muss vom Metzger und der Kuchen vom Bäcker abgeholt werden.

9.30 Uhr: Mit dem Dreiser Prinzen Tobias I., einer Abordnung vom Karnevalsverein und einigen Möhnen geht es zum Kindergarten. Die Kinder haben wie immer Lieder, Vorträge und Spiele vorbereitet. Für die Gäste gibt es ein Glas Sekt, für die Kinder Quarkbällchen.
10.30 Uhr: Jetzt ist die Schule dran. In der Pausenhalle geht es rund. Elfriede Grün und ihre Mitmöhnen haben aber nicht viel Zeit, sie müssen sich jetzt beeilen, denn gleich wird die Erbsensuppe ausgegeben.

11.30 Uhr: 80 Liter Erbsensuppe sind fertig. Elfriede Grün und die anderen Möhnen bringen sie mit Würsten, Mäuschen und Kuchen unter die Leute. Bei kölschen Fastnachtsliedern geht es schon sehr lustig zu. Gern wagt Elfriede Grün schon ein Tänzchen, wenn denn nur "das blöde Knie nicht wäre, das nicht mehr so will wie es soll".

13 Uhr: Die Arbeit ist getan, jetzt müssen die Männer ran: Sie helfen hinter der Theke ebenso wie ein paar Frauen, die nicht so gern feiern.
14.30 Uhr: Mit dem Musikverein ziehen die Möhnen jetzt vom Schulhof aus durchs Dorf. Elfriede Grün freut sich, dass alle Musiker da sind, denn ohne sie wäre die Stimmung lange nicht so gut.

14.45 Uhr: Der Bürgermeister hat Salzbretzeln und Dreiser Wein bereitgestellt. Seinen Schlips ist er trotzdem los. Weit über 100 Leute sind jetzt auf der Gass\'.

16 Uhr: Auf dem Dorfplatz angekommen, sind jetzt alle außer Rand und Band bei Polonäsen, Vorträgen und Tänzen. Im Zelt wird gefeiert, gesungen und geschunkelt. Elfriede Grün hat schon mit 16 Jahren Garde und später im Tüllröckchen zum Schwanensee getanzt. Gern erinnert sie sich auch an ihren schon legendären Auftritt als Rockerin, als sie mit einem echten Motorrad in die Halle fuhr.

18 Uhr: Jetzt dürfen auch die Männer ins Zelt, und die Feierlaune steigt noch einmal gewaltig.

24 Uhr: Erste Ermüdungserscheinungen: Elfriede Grün steigt vom Prosecco auf Döppchen (Cola-Asbach) um.

3 Uhr: Zeit, nach Haus zu gehen. Mit Freundin Gisela Thieltges und der Obermöhne Sandra Klein schließt Elfriede Grün das Zelt ab. Ein langer Weiberdonnerstag geht zu Ende. Am Freitag hat Elfriede Grün frei, ihre Kollegen in der Bäckerei haben Verständnis für ihr Fastnachtsfieber.Extra

 Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren, und schon gar nicht an Weiberdonnerstag: Elfriede Grün stößt mit Gisela Thieltges an. Foto: Archiv
Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren, und schon gar nicht an Weiberdonnerstag: Elfriede Grün stößt mit Gisela Thieltges an. Foto: Archiv

In Manderscheid stürmen die Frauen das Rathaus, indem sie die beiden Wachen am Eingang mit 30 bis 40 Möhnen überwinden, die dagegen nichts ausrichten können. In Wittlich kommen sie über die Feuerwehrleiter ins Rathaus, in Kinheim, Altrich und Minderlittgen machen die Möhnen eigene Sitzungen, bei denen die Männer oft Thema sind. Zu sehr kriegen sie es aber auch nicht ab, denn schließlich helfen viele hinter der Theke, bei der Technik oder dem Aufbau. In einigen Orten gibt es Erbsensuppe und bunte Abende, unter anderem in Klausen, Hetzerath oder Sehlem. chb