Der Stadtchef leistet keinen Widerstand

Der Stadtchef leistet keinen Widerstand

Ohne viel Gegenwehr haben die Narren des Hermeskeiler Karnevalsvereins Ruck-Zuck an Weiberfastnacht die Macht im Rathaus ergriffen. Stadtbürgermeister Mathias Queck übergab den Rathausschlüssel bis Aschermittwoch ans Prinzenpaar. Das schunkelte sich mit seinem Gefolge und den Verwaltungsmitarbeitern schon mal für die tollen Tage warm.

Foto: Christa Weber

"Echte Fründe ston zesamme" schallt es aus den Lautsprecherboxen im großen Sitzungssaal des Hermeskeiler Rathauses. Die Mitarbeiter, viele als Bauarbeiter kostümiert, sind in Feierlaune. Dem närrischen Eifer der Damen sind bereits die Kravatten von Stadtbürgermeister Mathias Queck, seiner beiden Beigeordneten Willi Auler und Volker König und des Verbandsgemeinde-Beigeordneten Hartmut Heck zum Opfer gefallen.

Alles ist angerichtet für die Machtübernahme der Narren vom KV Ruck-Zuck - die dann auch pünktlich um 11.45 Uhr mit großem Gefolge ins Rathaus marschieren. "Wir hetzen schon seit 8 Uhr durch die Gegend", begrüßt der Ruck-Zuck Vorsitzende Jörg Hartig die Schar der Wartenden und leitet gleich über zum "offiziellen Teil". Prinz Christoph I. und seine Gemahlin Bianka I. greifen sich das Mikrofon und verkünden den entmachteten Amtsträgern: "Zu schwach war euer Widerstand, das Rathaus ist schon überrannt." Stadtchef Queck reicht den neuen Regenten auf Zeit ohne Widerstand den Rathausschlüssel, den vor allem der Prinz nicht ohne Genugtuung entgegennimmt. Als ehemaliges Ratsmitglied verkündet er: "Im Stadtrat ich zwar nicht mehr bin, aber jetzt bin ich hier doch der King."

Beliebt macht sich auch Hartmut Heck, der den erkrankten VG-Bürgermeister Michael Hülpes vertritt. Er beruhigt die Narren in Bezug auf die gereichten alkoholischen Getränke: "Greift ruhig zu, diesmal ist das Bier nicht abgelaufen." Dafür wird er sogleich zum "Beigeordneten unserer Herzen" ernannt. Heck findet aber auch ein paar ernste Worte, als er die Sicherheitsbedenken im Vorfeld des Kölner Karnevals anspricht: "Die sagen: Jetzt erst recht! Und das ist richtig. Auch wir wollen die nächsten Tage feiern, tanzen und schunkeln." Dem stimmt Ruck-Zuck-Chef Hartig sofort zu: "Wir wollen fröhliche und friedliche Tage - und das lassen wir uns nicht vermiesen."

Im Rathaus lange verweilen, können die Narren allerdings nicht. Es stehen noch einige weitere Stationen auf dem Programm. Nach ein paar Schunkelrunden und Gesangseinlagen geht es für sie schon wieder raus ins Schneegestöber, zunächst Richtung Seniorenzentrum und dann sogar bis nach Saarlouis. Da arbeitet der Prinz bei der Bundeswehr. cweb

Mehr von Volksfreund