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"Ich möchte den Verband führen"

"Ich möchte den Verband führen"

Die Rheinischen Karnevalskorporationen (RKK), der Dachverband von mehr als 1300 Karnevals- und Fastnachtsvereinen, vertritt über 500 000 Jecken im. Auf der Delegiertenversammlung am Samstag in Bitburg wählen sie ihren neuen Präsidenten. Aussichtsreicher Kandidat: Hans Mayer (60) aus Biersdorf.

Bitburg. Hans Mayer aus Biersdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) kandidiert für den Vorsitz der Rheinischen Karnevalskorporationen (RKK). Mit dem bisherigen Vizepräsidenten, der vor wenigen Wochen kommissarischer Präsident wurde, sprach unsere Mitarbeiterin Wilma Werle.Am Samstag steht die Wahl des neuen RKK-Präsidenten an. Was sind die RKK?Hans Mayer: Die RKK sind der zweitgrößte Karnevals- und Fastnachtsverband in Deutschland und bestehen seit 1959. Im Raum Bitburg-Prüm sind 49 Vereine Mitglied. Auch Trier ist gut vertreten. Unsere Ziele sind: Brauchtum und Tradition bewahren, Gegenwart gestalten, damit die Zukunft gesichert ist.Die Neuwahl des Präsidenten ist außerplanmäßig. Warum wurde sie notwendig?Mayer: Der bisherige Präsident Peter Schmitz-Hellwing, ein aktiver Kölner Karnevalist, war erst im Oktober 2013 gewählt worden. Im September erklärte er seinen Rücktritt, da das Amt zu viel Zeit in Anspruch nehme und mit seinen Aktivitäten nicht mehr vereinbar sei. In einer Dringlichkeitssitzung beschloss darauf das Präsidium, mir den kommissarischen Vorsitz zu übertragen.Sie wollen nun das Narrenzepter ganz in die Hand nehmen. Warum glauben Sie, dass Sie der Richtige für dieses Amt sind?Mayer: Ich möchte den Verband führen. Seit 2008 gehöre ich dem Vorstand an. Mit meiner Erfahrung, meinem Team, einem starken Partner wie Willi Fuhrmann (Vizepräsident, Anm. d. Red.) und meiner Weitsicht denke ich, dass ich diesen Verband zu der Blüte zurückführen kann, die er einmal hatte. Wo sehen Sie dabei Ihre Stärken?Mayer: In einem Präsidium mit 40 Leuten sitzen auch 40 Meinungen, und wenn man etwas bewegen will, muss man auch Meinung machen können und nicht nur nicken. Willi Fuhrmann ist der Diplomat, ich gehöre eher zur Abteilung "Attacke", kann aber auch moderat sein.Was wollen Sie verändern und verbessern?Mayer: Ich habe Visionen. Für unsere Gardegruppen gibt es bereits Wettbewerbe. Ich möchte alle anderen Gruppen mit ins Boot nehmen, zum Beispiel auf der Suche nach dem besten Büttenredner des Jahres, nach der besten Tanzgruppe, nach dem besten Musikpart. Daran kann dann jeder Verein teilnehmen. Zugleich will ich Pate sein für Vereine in Schwierigkeiten, dort das Gespräch suchen, dafür einstehen und umsetzen, dass die Sicherung des Brauchtums das oberste Gebot ist. Darüber hinaus muss die Jugendarbeit aufgebaut werden. Jugendliche sollen eine Heimat in den RKK finden.Wie viele Gegenkandidaten werden Sie am Samstag haben?Mayer: Ich weiß es nicht. Wir leben in einer Demokratie. Ich habe meine Kandidatur publik gemacht. Die Delegierten haben die Entscheidung. Welche Konsequenzen hätte es für Sie, wenn sie nicht zum Vorsitzenden der RKK gewählt würden?Mayer: Ich bin Parteisoldat. Meine Verantwortung wird immer für die RKK da sein. Wenn ein anderer Präsident wird, werde ich weiter meine Arbeit zum Wohl des Verbandes tun und bleibe im Vorstand. Aber es wäre falsch, wenn ich sagte, es würde mir nichts ausmachen. Welche Vorteile hat es für den Eifeler Karneval, wenn ein Mann aus der Heimat an der Spitze der Narren steht?Mayer: Na, da steht ein Eifeler Junge! Man hat ihn ganz nah, zum Packen. Das sind dann kurze Wege.Sie arbeiten im Immobilien-Geschäft. Wie viel Zeit kostet Ihr Engagement?Mayer: Zur Zeit bin ich etwa dreimal pro Woche in unserer Geschäftsstelle in Koblenz. Als Angestellter hätte man tatsächlich - zumindest in der Fastnachtszeit - ein Problem. Als Selbstständiger kann ich mir meine Zeit einteilen.Es gibt ja immer wieder gesellschaftliche Trends, die wenig mit ihrem eigentlichen Ursprung zu tun haben, sondern eher mit Gaudi und Trinken, wie die aktuelle Oktoberfest-Welle landauf landab zeigt. Wie verläuft die aktuelle Entwicklung bei den Fastnachtsveranstaltungen?Mayer: Für mich ist eine Karnevalsveranstaltung eine gesunde Mixtur aus Musik, Gardetanz und Büttenreden. Wichtig ist immer der lokale Bezug. Den hab ich nicht, wenn ich mir eine Rede aus dem Internet hole. Dann sehe ich aber auch Strömungen in Vereinen, die aus einer Karnevalssitzung eine Mallorca-Party machen. Ich sehe nicht mit Angst auf diese Veranstaltung, sondern auf das, was danach kommt. Diese Vereine haben Probleme, ein Karnevalsverein zu bleiben. Denen laufen die Mitglieder und auch die Besucher weg. Sie wohnen in Biersdorf - nicht gerade eine Narren-Hochburg. Wie haben Sie den Weg zur Fastnacht gefunden?Mayer: Seit 2004 bin ich bei den Biersdorfer "Seepferdchen" aktiv, war in der Bütt, war Prinz und 2008 sogar erstmals in der Vereinsgeschichte Prinz in einem Dreigestirn mit Prinz, Bauer und Jungfrau. Später kam die Anfrage, mich in den RKK zu engagieren. Erst war ich Bezirksvorsitzender, dann Pressesprecher, danach Vizepräsident. Und übrigens: Die Bezirksvorsitzenden leisten hervorragende Arbeit. Sie transportieren die Ideen des Vorstands in die Vereine. Von Narren sagt man, ihnen sitze der Schalk im Nacken. Wo sitzt er bei Ihnen?Mayer: Wenn es ernst wird, ist es ernst. Vieles nehme ich aber auch mit einem Lächeln auf. Von Georg Christoph Lichtenberg gibt es den Satz: "Ein Narr kann mehr fragen als sieben Weise beantworten können." Welche Frage brennt Ihnen auf den Nägeln?Mayer: Die schwierigste Frage und zugleich auch Angst ist: Was können wir tun, damit das Narrengesicht nicht aus unserer Gesellschaft verschwindet? Was müssen wir tun, um das Lächeln wiederzufinden?