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Die Narren haben die Rathäuser in der Region erstürmt

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht : Hau Ruck und Helau! Narren an der Macht

Die Bürgermeister von Konz, Saarburg, Hermeskeil und Kell haben ihre Rathausschlüssel abgegeben. Der Frohsinn regiert.

11.11 Uhr an Weiberdonnerstag in Konz. Mit Blaulicht und Martinshorn eilt das Feuerwehrauto zum Rathaus. Die Narren erhalten eben besondere Unterstützung. Die Brandbekämpfer fahren das Prinzenpaar Confluentia Esther I. und Prinz Marc I. im Korb der Drehleiter zum Balkon des Verwaltungsgebäudes hinauf. Dort erwartet sie nicht der Bürgermeister – er hat sich aus dem Staub gemacht. Es sind die drei Vertreter Guido Wacht und Walter Bamberg für die Verbandsgemeinde (VG) sowie Bernhard Marx für die Stadt.

Nach höflicher Begrüßung mit Küsschen fordert das Prinzenpaar den Schlüssel des Hauses sowie die Stadtkasse und erhält beides nach wenig Gegenwehr. Dann müssen die Schlipse der Männer dranglauben. Wieder am Boden verkündet das Paar, unterstützt von den zwei Konzer Karnevalsclubs, seine elf Gebote für die närrische Zeit. Eines lautet: „Überall, wo samstags wieder kehrende Bürger vor den Häusern anzutreffen sind, entfallen die wiederkehrenden Gebühren für die Straßensanierungen.“ Weiter gefeiert wird im Ratskeller.

Zeitgleich zur Konzer Machtübernahme marschieren die Narren im Hermeskeiler Rathaussaal ein – und freuen sich über neue Möbel und eine neue Sitzordnung. „Gefällt mir gut, fast wie bei der Kappensitzung“, kommentiert der KV-Ruck-Zuck-Vorsitzende Jörg Hartig. Prinz Frederik I. und Prinzessin Anna I. verkünden das Tagesmotto: „Zur Partyzone wird das Haus, drum lasst mal schön die Sau heraus!“

Den Schlüssel zur Macht geben Stadtbürgermeisterin Lena Weber und VG-Chef Hartmut Heck ohne Widerstand her. Weil die Stadtchefin „Spaß an Jux und Dollerei“ hat, steigt sie selbst in die Bütt und erntet viel Applaus. Besonders laut beklatscht wird das 2020er Rathaus-Prinzenpaar Sarah I. und Pascal I. „Eure Regierungszeit dauert zwar nur einen Tag, aber der kann heftig sein“, warnt sie der Verwaltungschef.

In Saarburg sind die Närrinnen – dort sind es vor allem Frauen – etwas später dran. Gegen 12.12 Uhr ruft Gardemajor Stefan Müller den Bürgermeister hinunter ins Treppenhaus. Er wird zum nahe gelegenen Boemundhof entführt.

Auf der Bühne geht dann alles ganz schnell: Die bunte Schar aus Clowns, Marienkäferinnen und schwarz gefleckten Kuhwesen entreißt dem Wehrlosen den Schlüssel und schneidet ihm für diesen Tag die zweite Krawatte ab. Der Entmachtete lässt sich nicht lumpen und serviert anschließend mehrere Runden Sekt. Auf dem Boemundhof wird bei Musik weitergefeiert.

Hermeskeiler Rathaus in Narrenhand
Hoch über den Dächern von Konz stutzt die Konzer Prinzessin Confluentia Esther I. den Schlips von Walter Bamberg, einem der Beigeordneten der Verbandsgemeinde Konz, zurecht. Neben ihr: Prinz Marc I. Foto: TV/Marion Maier
Die Närrinnen schneiden dem Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius die Krawatte ab – für ihn ist es die zweite, von der er sich an diesem Tag trennen muss. Foto: TV/Marion Maier
Her mit dem goldenen Schlüssel! Das Keller Prinzenpaar Nadine I. und Jochen I. entreißt dem Beigeordneten der VG Saarburg-Kell, Tim Kohley, das Symbol der Macht übers Narrenvolk. Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Ihrer Tradition treu bleiben die Karnevalisten aus Kell, Mandern, Schillingen und Greimerath. Auch ohne Verwaltungssitz schnappen sie sich eben vor dem Bürgerbüro in Kell am See das Symbol der Macht, den goldenen Schlüssel. Auch den Schlips büßt der VG-Beigeordnete Tim Kohley noch ein. In seiner Rede an die Narren erinnert er auch ein wenig sehnsüchtig an die Zeit vor der Fusion mit Saarburg: „Oh, was war das schön in Kell, da ging alles nicht so schnell.“ Nach ein paar Liedern ziehen die Narren im Anschluss feiernd durch den Ort.