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Karneval
Ab mit dem Schlips, her mit dem Schlüssel!

 Die Krawatte büßt Bürgermeister Joachim Weber sofort ein: Die Konzer Karnevalsvereine haben angeführt von Confluentia Karin I. und Rainer I. das Rathaus gestürmt und bis Aschermittwoch die Macht übernommen.
Die Krawatte büßt Bürgermeister Joachim Weber sofort ein: Die Konzer Karnevalsvereine haben angeführt von Confluentia Karin I. und Rainer I. das Rathaus gestürmt und bis Aschermittwoch die Macht übernommen. FOTO: TV / Christian Kremer
Konz/Saarburg/Hermeskeil/Kell . Die Rathäuser in Konz, Saarburg, Hermeskeil und Kell sind in Narrenhand. Die Karnevalsvereine haben bis Aschermittwoch die Macht und die Stadtkassen übernommen. Der TV war bei den friedlichen Übernahmen am Weiberdonnerstag dabei.

Helau und alav olé! Die Bürgermeister Joachim Weber (Konz), Jürgen Dixius (Saarburg) und Mathias Queck (Hermeskeil) sowie die Beigeordnete Edith Rommelfanger (Kell am See) haben nichts mehr zu kammellen. Die Möhnen, Prinzen, Prinzessinnen und eine Confluentia haben die Macht in der Region übernommen.

Saarburg „Da habt ihr den Schlüssel. Ich bin dann mal weg“ – so hat der Saarburger Stadtbürgermeister Jürgen Dixius reagiert, als ihm Narren der Karnevalsgesellschaft Hau-Ruck erst massiv die Krawatte kürzten und dann das Machtsymbol seines Amtes entrissen.

Obermöhne Silke Reinert und Gardemajor Stefan Müller-Hamann führten die kleine Truppe an, die vor dem Ausweichdienstsitz am Schlossberg riefen: „Bürgermeister rückt den Schlüssel raus!“ Das brandgeschädigte Rathaus ist ja weiter in Reparatur. Doch am Verwaltungssitz blieb man nicht. Weitere närrische Horden versammelten sich auf dem Boemundhof um die Machtübernahme mit Musik von Egon Altenhofen und Tänzchen zu feiern. Wohl erst nach Aschermittwoch traut sich der Verwaltungschef wieder auf seinen Sessel.


Konz Confluentia Karin I. und Prinz Rainer I. führen 100 Narren zum Rathaus, um die Macht zu ergreifen. Das strahlende Wetter hat mehr Leute als in den vergangenen Jahren zum Konzer Markt gelockt. Zusammen mit der Feuerwehr, die das Konzer Regentenpaar mit der Drehleiter zum Rathausbalkon bringt, entreißen die Narren dem Konzer Bürgermeister den Schlüssel zum Rathaus und die Stadtkasse. Bis Aschermittwoch regieren Karin und Rainer. Hilfe bekommen sie vom Karnevalsclub Roscheid (KCR) und vom Karneval- und Theaterclub Konz (KCK). Auf der Rathaustreppe verlesen die beiden sympathischen Hoheiten ihre elf närrischen Gesetze. Confluentia Karin macht gleich klar, dass sie die Hosen an hat im Regententeam: „Mein Wort ist Gesetz“, sagt sie. „Das meines Mannes nur nach Rücksprache mit mir.“ Die Narren applaudieren.

Konzer Karnevalisten erstürmen das Rathaus FOTO: TV / Christian Kremer

Prinz Rainer legt nach. Vom Konzer Bürgermeister Joachim Weber verlangt er eine schriftliche Zusage der Karnevalisten aus dessen Heimatstadtteil Konz-Oberemmel, am Konzer Karnevalsumzug teilzunehmen. Erst wenn er diese vorlege, bekomme Weber seine Macht zurück. Weber sagt daraufhin: „Super Idee!“ Er müsse da mit den Emmelern ein ernstes Wort reden, dass sie nie am Zug teilnähmen. Zusammen feiern und schunkeln die Karnevalisten und die Rathausmitarbeiter im Anschluss. Das Konzer Regentenpaar will bis Aschermittwoch noch mehr als 20 Termine absolvieren. Unter anderem sind Karin und Rainer auf den Zügen in Igel, Wasserliesch, Saarburg, Trier und Oberemmel dabei.

Hermeskeil Auch hier sind bis Aschermittwoch die Narren am Ruder. Gut gelaunt marschierten die Karnevalisten vom KV Ruck-Zuck und eine Abordnung der Sauschder Burgbohzen aus Grimburg um 11.11 Uhr ins Rathaus, wo sie mit gefüllten Sektgläsern und Partymusik empfangen wurden. Für den ersten Lacher sorgte Sitzungspräsident Erich Jacobi, dem bei der Vorstellung der Ruck-Zuck-Prinzenpaare ein kleiner Versprecher unterlief: Er kündigte den Prinzen Daniel als Ersten seines Namens an – er ist jedoch bereits der Dritte.

Gegenüber den Hausherren – Stadtchef Mathias Queck und dem zweiten VG-Beigeordneten Josef Barthen – schlugen die Regenten einen forschen Ton an. „Rückt sofort den Schlüssel raus, die Narren leiten nun das Haus“, rief Christina I. Doch als Queck den Rathausschlüssel präsentierte, griff erst einmal niemand zu. „Keiner will die Verantwortung übernehmen“, scherzte schon der Stadtbürgermeister. Aber dann schnappten sich der Kinderprinz Jannik I. und seine Prinzessin Emma I. das Symbol der Macht­übernahme und bekamen spontanen Applaus. Unter den Feiernden war auch wieder ein eigenes Prinzenpaar der Verwaltung.

Kell am See Da VG-Chef Jürgen Dixius in Saarburg gebunden war, stellte sich die VG-Beigeordnete Edith Rommelfanger den Narren in Kell am See. Die Karnevalisten aus Kell, Greimerath, Schillingen und Lampaden hatten es sich nicht nehmen lassen, zum Sturm aufs Rathaus anzusetzen. Diesmal konzentrierten sie sich allerdings auf das im Ort verbliebene Bürgerbüro im Flachbau nebenan, in dem sich seit kurzem auch die Touristinfo niedergelassen hat.

Mit weiblichem Charme wollten sich die Narren allerdings nicht bestechen lassen. „Die Edith Rommelfanger stellen wir heute noch an den Pranger“, verkündete denn auch Prinzessin Michelle I. vom KC Callida Kell. Die Machtübernahme verlief dann aber doch ganz friedlich, den goldenen Schlüssel gab die Beigeordnete schnell her.  Für ihre gereimte Rede, in der sie alle 13 Orte der ehemaligen VG-Kell einbezog, erhielt sie Beifall und besonderes Lob vom Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen: „Toll gemacht! Da könnte sich so manch’ ein Bürgermeister eine Scheibe von abschneiden.“ Für die in Kell verbliebenen Mitarbeiter hatte Prinz Thorsten II. einen guten Ratschlag parat, damit sie ungestört mit den Narren feiern konnten: „Seid nicht dumm, stellt das Telefon doch einfach nach Saarburg um!“. Die Fusion mit der Nachbar-VG war auch beim Schillinger Ortschef Markus Franzen ein Thema. Er verkündete, man habe sich ja nur mit Saarburg zusammengeschlossen, weil es dort in der Verwaltung einen Aufzug gebe und die Keller es leid gewesen seien, die vielen Treppen in ihrem Rathaus rauf- und runterzulaufen. „Die Leute von der Verwaltung sind ja die Einzigen, die lebenslang sitzen, ohne je verurteilt worden zu sein.“

 Michelle I. und Thorsten II. haben mit gemeinsam mit ihrem Gefolge den Schlüssel zum Bürgerbüro in Kell erobert. Foto: Christa Weber
Michelle I. und Thorsten II. haben mit gemeinsam mit ihrem Gefolge den Schlüssel zum Bürgerbüro in Kell erobert. Foto: Christa Weber FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
 Das Hermeskeiler Rathaus gehört bis Aschermittwoch den Narren: Stadtchef Mathias Queck (rechts) und der zweite VG-Beigeordnete Josef Barthen haben der gut gelaunten Schar um Kinderprinz Jannik .I mit Prinzessin Emma I. sowie Christina I. mit Daniel III. nichts entgegenzusetzen und geben den Schlüssel der Macht sofort heraus. Foto: Christa Weber
Das Hermeskeiler Rathaus gehört bis Aschermittwoch den Narren: Stadtchef Mathias Queck (rechts) und der zweite VG-Beigeordnete Josef Barthen haben der gut gelaunten Schar um Kinderprinz Jannik .I mit Prinzessin Emma I. sowie Christina I. mit Daniel III. nichts entgegenzusetzen und geben den Schlüssel der Macht sofort heraus. Foto: Christa Weber FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
     Umzingelt von der Narrenschar übergibt Saarburgs Bürgermeister Jürgen Dixius den Stadtschlüssel. Foto: Herbert Thormeyer
Umzingelt von der Narrenschar übergibt Saarburgs Bürgermeister Jürgen Dixius den Stadtschlüssel. Foto: Herbert Thormeyer FOTO: Herbert Thormeyer