Möhnen vermehren sich rasant

Auch in Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach regieren seit Weiberdonnerstag die Narren. Die Bernkasteler Möhnen gaben ein Versprechen ab: Sie wollen für Nachwuchs in der Wiege sorgen und damit sofort anfangen.

Bernkastel-Kues/Traben-Trarbach. Auf die Bernkastel-Kueser kommen schwere Zeiten zu. Nicht weil die Möhnen am Weiberdonnerstag die Herrschaft übernommen haben. Die endet am Aschermittwoch wieder. Doch weil sie die Stadtkasse plünderten, muss nun die ganze Stadt leiden. "Ich werde mir das Geld wieder holen und die Steuern erhöhen", kündigt Stadtbürgermeister Wolfgang Port nach der Ausplünderung und dem Verlust der Krawatte an.Möhnen sind angerückt


Die Möhnen sind in großer Zahl angerückt. Mehr als 20 besetzen den Sitzungssaal. Sie und die später folgenden Wehlener Eulen können ihre Kräfte in diesem Jahr auf einen Rathaussturm konzentrieren. Durch den baulich bedingten Umzug der VG-Verwaltung auf das Kueser Plateau bleibt Bürgermeister Ulf Hangert zumindest von Angreifern von außen verschont.
Im historischen Rathaussaal am Marktplatz wird dagegen geküsst, getanzt, geschunkelt und gesungen. "Ihr habt euch vermehrt", sagt der Stadtbürgermeister beim Blick in mehrere junge Möhnengesichter. "Und heute Nacht werden fünf neue gemacht", kündigt eine an.
Den Stadtbürgermeister wird es freuen. Er ist mit dem Ist-Zustand unzufrieden. "Früher sind die Leute sonntags mit ihren Kindern spazieren gegangen, heute sieht man sie mit Hunden", sagt er mit Blick auf den demografischen Wandel. Um das Ergebnis der Nacht herzen zu können, muss Port aber noch mindestens 20 Jahre im Amt bleiben.
Während Bernkastel-Kues keine Möhnen-Nachwuchsprobleme hat, machen sich die närrischen Frauen in Traben-Trarbach rar. Ob es daran liegt, dass die Geburtsklinik schließen wird? Die Mitglieder des Karnevalsklubs Traben-Trarbach lassen sich von dieser Nachricht die Stimmung aber nicht vermiesen.Traditioneller Schlips-Schnitt

 Die Karnevalsprinzessin von Traben-Trarbach hat die Geschäfte übernommen. Bürgermeister Marcus Heintel, der keinen Schlips mehr hat, muss zurücktreten. TV-Foto: Hans-Peter Linz
Die Karnevalsprinzessin von Traben-Trarbach hat die Geschäfte übernommen. Bürgermeister Marcus Heintel, der keinen Schlips mehr hat, muss zurücktreten. TV-Foto: Hans-Peter Linz


Und so besorgt die "Karnevals-prinzessin mit Rhythmus, Schwung und Mosel-Gen, die First Lady von der Hunsrückhöh, Sabrina I." - also die mit dem langen Namen - höchstpersönlich den traditionellen Schnitt durch den Schlips von Verbandsgemeindebürgermeister Marcus Heintel. Auch der Schlips seines Kollegen, Stadtbürgermeister Patrice Langer, muss dran glauben, als die Karnevalsgesellschaft das Rathaus der Verbandsgemeinde erstürmt. Heintel gibt sich dann auch geschlagen und dichtet "Also halte ich ganz still, wenn der KVTT das will!"
Das finden die Narren gut und setzen noch einen drauf: "Frischer Wind weht durch die Stadt. Ist der Wind lau und matt, machen wir Dich nächstes Jahr platt". Schließlich sind die Erwartungen an Heintel und Langer, die vergangenes Jahr frisch gewählt worden sind, hoch. Dass beide Bürgermeister in der SPD sind, finden die Jecken klasse. "So passen sie farblich doch auch zu unserem Verein."