Brauchtum : Es darf auch politisch sein

Viele Hundert Karnevalisten in Schönecken den Karnevalszug durch den Flecken genossen. Neben Partyschiffen und Burgen, überraschten die Männer vom Handwerkerverein die Jecken mit einem politischen Motto: der Bistumsreform

Timo grinst breit. „Jetzt ist die Tüte voll“, sagt der vierjährige Junge, hält demonstrativ ein ganzes Bündel Gummibärentüten in die Luft und lässt sie in seinem Jutebeutel verschwinden. „Wer soll das nur alles essen?“, kommentiert Claudia Ritter die Sammelfreude ihres Sohnes. Er komme aber, gesteht sie, wohl ganz nach der Mama. „Ich habe früher auch immer alles gesammelt, was ich nur kriegen konnte. Deswegen sind wir auch gut vorbereitet“, sagt sie und holt zu Timos Freude einen zweiten Sack aus der Jackentasche.

Eine ganze Stunde hat der Junge noch, um fleissig auf dem Schönecker Karnevalszug Kamelle zu sammeln. Dass Timo so erfolgreich ist, ist nicht selbstverständlich. Die Konkurrenz ist groß. Viele Hundert Narren säumen bei strahlendem Sonnenschein die Straßen im Flecken.

Der Flecken platzt aus allen Nähten. Foto: Frank Auffenberg

„Dass wir heute so ein Traumwetter bekommen, ist wirklich unfassbar. Schöner hätten wir uns unseren Zug nicht wünschen können“, sagt Schöneckens Karnevalsprinzessin Steffi I. (Cremer). Zusammen mit ihrem Prinzen Stani I. (Dreher) lässt sie sich übrigens nicht wie bei anderen Tollitäten etwa huldvoll winkend durch den Flecken fahren. Nein, Schöneckens Prinzenpaar ist volksnah und wagt einen Marsch durch die Gemeinde.

Der Flecken platzt aus allen Nähten. Foto: Frank Auffenberg

„Bevor es losgeht, ist man schon ein bisschen aufgeregt“, sagt Stani I.: „Man ist ja nicht gerade jedes Jahr Karnevalsprinz“. Übrigens ist der Zug am Samstag für das Regentenpaar des Karnevalsvereins Schönecken-Wetteldorf der erste der Session. „Wir waren mit der Garde natürlich auf einigen Veranstaltungen und Sitzungen, aber es ist wirklich unser erster Zug.“

Ein Tänzchen auf den Straßen im Sonnenschein. Foto: Frank Auffenberg
Wenn Popeye und Olivia durch die Straßen ziehen, weiß man in Schönecken, dass der Karneval da ist. Foto: Frank Auffenberg

Steffi I. freut sich, dass alles glatt läuft. „Wir haben 29 Gruppen im Zug. Angefragt haben doppelt so viele. Aber mehr dürfen wir einfach nicht sein.“ Toll sei zudem, dass die Teilnahme von Gruppen aus dem Ort wieder gestiegen sei. „Wir freuen uns natürlich über jeden Teilnehmer von außerhalb, aber wenn die Menschen aus dem Ort die Sache so gut unterstützen, dann ist es ja nochmal so schön.“ Für den Handwerkerverein Schöneckens ist die Teilnahme natürlich Ehrensache. „Wir sind mit einem Dutzend Leute unterwegs“ sagt Peter Floss und richtet seine Priestersutane. Die Herren haben sich mit ihrem Motto nämlich einem heißen Eisen angenommen: Der geplanten Bistumsreform. Ihr Wagen sieht aus wie eine kleine rollende Kirche, samt Türmchen und Wetterhahn. Auf dem Dach prangt in dicken Lettern der Text:  „Mit „XXL“ - das ist famos, wird die Kirsch die Leute los“. „Einen Abend lang wurde geplant, der Text im Betrieb mit dem Computer gefräst und dann wurde noch einen Abend gebaut.“ Das Ergebnis kann sich  sehen lassen und locker mit jedem rollenden Partyschiff mithalten.