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Karnevalistenkommandos besetzen die Schaltzentralen der Macht in Prüm - Geld weg, freie Lügenpresse gefährdet

Karnevalistenkommandos besetzen die Schaltzentralen der Macht in Prüm - Geld weg, freie Lügenpresse gefährdet

In einer beeindruckend koordinierten und radikal ausgeführten Aktion haben am Donnerstag Hundertschaften kostümierter Anarchisten in der Abteistadt das Kommando übernommen. Dabei stürmten die paramilitärischen Humoreinheiten unter weiblicher Führung die Schaltzentralen der Macht, deren Verteidiger sich, man muss es in dieser Deutlichkeit sagen, als Pappnasen erwiesen.

Prüm. Es ist eine erschütternde Szene: Mathilde Weinandy, bis gestern gegen 11.11 Uhr noch oberste Bestimmerin der Stadt Prüm, zeigt sich vollkommen hilf- und willenlos. Die erfahrene Stadt- und Landespolitikerin gibt auf. Der Narrensturm fegt ihre gesamte Macht hinweg, mit erschreckender Rücksichtslosigkeit entreißen ihr die Weiber vom Hoahnerclub, den Prümer Möhnen, die Stadtkasse.

Unter schrillstmöglichem Jubelgeheul ziehen die unaufhaltsamen Frauen mit all dem schönen Geld davon, nicht ohne aber vorher noch die (überraschend umfangreichen) alkoholischen Bestände der Bürgermeisterei bis auf den letzten Tropfen geleert zu haben.
Das besonders Bestürzende: Niemand leistet wirklich Widerstand, alles läuft so glatt, dass man den schlimmen Verdacht haben könnte, die Aktion sei abgesprochen. Wie im vergangenen Jahr. Und dem Jahr davor. Und … genau.

Die blau uniformierten Weiber sind zudem nicht allein. Nein, sie erhalten Unterstützung von zahlreichen weiteren, zum Schein harmlos kostümierten, fröhlich singenden Frauen und sogar Männern, denen sich bald auch das Prümer Dreigestirn samt Garde anschließt - und in diesem Moment ist klar: Für die kommende Zeit wird in der Abteistadt nichts mehr sein, wie es zumindest in der Einbildung bisher war.Lauter Weiber an der Spitze


Ähnlich hilflos zeigen sich auch die angeblichen Hüter der Kundenkredite und Spareinlagen: Die Prümer Geldhäuser geraten ebenso unter die Knute der humoristischen Horden wie kurz darauf, die vielleicht schlimmste und ruchloseste Tat dieses historischen 4. Februars, die Redaktion des Trierischen Volksfreunds in der Hahnstraße. Dem Angriff auf die Pressefreiheit fallen unter anderem Teile des, Dings … wie heißt das nochmal, ach ja: Wortschatzes zum Opfer, außerdem kann seit dem Überfall für das R3chtzschRAibpr0grämm keine Garantie mehr übernommen werden.

Vielleicht hat das so außergewöhnlich radikale Vorgehen ja einen Grund: Denn in diesem Schalt-Jahr steht bei den Prümer Karnevalisten ein Frauendreigestirn an der Spitze: Prinzessin Karin (Hafner), Bauer Manuela (Moll) und Jungfrau Irmgard (Theres-Leiwer).

Ein infernalisches Trio, dessen Befehle die Prümer Gardisten im Handumdrehen gnadenlos ausführen.
Und auch bei der Garde gab es ein Stühlerücken, wie der TV in einer letzten heroischen Recherche herausfinden konnte: Kommandant Markus Fischbach zog sich ins Glied zurück, die Rede ist von einer freiwilligen, einvernehmlichen Abdankung, weil er sich angeblich "voll und ganz auf meine private Karriere konzentrieren" will. Das könnte aber auch pure Propaganda sein.

Neuer Chef der paramilitärischen Narreneinheit: Dominik Hoffmann. Und der gibt die Redaktion erst wieder frei, als auch der TV-Kühlschrank seine jahrelang zusammengesparten zweieinhalb Sektflaschen sämtlich hergegeben hat. Und so ziehen sie weiter, singend, musizierend, marodierend, und lange noch hallen an diesem Tag die Trommelschläge der wild zusammengewürfelten Kapelle durch die Prümer Häuserschluchten.

volksfreund.de/fastnachtMeinung

Schlimme Zeiten, ganz schlimme
Man muss es furchtlos aussprechen: Die närrische Machtübernahme in der Abteistadt ist eine Schande für die Verantwortlichen an allen entscheidenden Stellen. Gerade jetzt, wo Prüm jeden Cent braucht, um den neuen Hahnplatz zu finanzieren und die Innensanierung der Basilika, von all den Parkplätzen ganz zu schweigen. Das alles gerät in Gefahr, weil man sich willenlos den Jecken ergeben hat. Ein Skandal, dem auch wir nichts entgegenhalten können außer: Kappe auf und ein dreifach kräftiges: Prüm Juch-Hei! f.linden@volksfreund.de